Tram zum Ostkreuz: Ein wichtiges Projekt kann endlich weitergehen

Die Feuerwehr hatte schwere Sicherheitsbedenken geäußert. Jetzt hat die BVG eine Lösung vorgelegt. Bis zur ersten Fahrt werden jedoch noch Jahre vergehen.

Heute parken in der Sonntagstraße in Friedrichshain links und rechts noch Autos. Künftig sollen die meisten Stellplätze verschwinden, und in der Mitte liegen Gleise für die Straßenbahn zum Ostkreuz.
Heute parken in der Sonntagstraße in Friedrichshain links und rechts noch Autos. Künftig sollen die meisten Stellplätze verschwinden, und in der Mitte liegen Gleise für die Straßenbahn zum Ostkreuz.Simulation: BVG/renderwerke

Ein wichtiges Berliner Straßenbahnprojekt kann endlich fortgesetzt werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen die überarbeiteten Planfeststellungsunterlagen für die Tram zum Ostkreuz in Friedrichshain Ende 2022 bei der zuständigen Senatsbehörde einreichen. Das teilte Staatssekretärin Meike Niedbal (Grüne) am Mittwoch dem Mobilitätsauschuss des Abgeordnetenhauses mit. In der Diskussion mit der Feuerwehr, die schon vor vier Jahren massive Sicherheitsbedenken geäußert hatte, habe die BVG eine Lösung vorgelegt. Doch bis die ersten Bahnen fahren, werden weitere Jahre vergehen.

Wie berichtet ging es um die Frage, ob die geplante elektrische Fahrleitung Rettungskräfte bei Einsätzen in den Gebäuden entlang der Sonntagstraße gefährdet. Fachleute der Berliner Feuerwehr befürchteten deshalb, dass der zweite Rettungsweg nicht gewährleistet sei. Wenn in der schmalen Wohnstraße Leitern ausgefahren werden, könnten Stromüberschläge drohen, hieß es. Bereits 2018 wurden Bedenken dieser Art laut, doch erst im vergangenen Jahr intensivierte sich die Diskussion.

Mittlerweile einer der am stärken genutzten Bahnhöfe in der Stadt

„Zum zweiten Rettungsweg hat die BVG nun eine technische Lösung zugesagt“, berichtete Meike Niedbal im Mobilitätsausschuss. Die Fahrleitung werde so gebaut, dass sie im Notfall angehoben oder zur Seite geklappt werden kann, so die Staatssekretärin. „Damit kann das Planfeststellungsverfahren weiterlaufen.“ Mit aktualisierten Gutachten zur Umweltverträglichkeit des Projekts würden die überarbeiteten Unterlagen noch in diesem Jahr der Planfeststellungsbehörde übergeben, sagte die Senatspolitikerin.

Der Linke-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg, der die Anfrage gestellt hatte, wollte wissen, wie nun der weitere Zeitplan aussieht. „Das hängt davon ab, wie viele Einwendungen es gibt und wann die Strecke planfestgestellt werden kann“, entgegnete Niedbal. Der im Juni bekannt gegebene Zeitplan gelte vorerst weiter, so die Staatssekretärin. Er sieht vor, dass die ersten Straßenbahnen 2026 fahren.

Planer und Politiker sind sich seit Jahren einig: Das Ostkreuz, in dem außer S-Bahnen inzwischen auch Regionalzüge, der Flughafen-Express zum BER und sogar einige Fernzüge halten, braucht eine bessere Anbindung an den Stadtverkehr. Laut DB wird der Bahnhof täglich von rund 200.000 Menschen genutzt. Doch bis heute fährt die Straßenbahn an dem Turmbahnhof vorbei, die Fahrgäste müssen rund 400 Meter laufen.

Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten bemühen sich der Senat und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das zu ändern. Nach mehreren Anläufen kristallisierte sich der Plan heraus, eine zweigleisige Strecke vom Wühlischplatz über die Sonntagstraße zum Ostkreuz und weiter zur Marktstraße zu bauen. Als die Planung begann, hieß es, dass die Trasse für die Linie 21 und die geplante neue Linie 22 im Jahr 2016 fertig werden könnte. Zuletzt war von einer Eröffnung Ende 2023 die Rede, nun steht 2026 auf dem Plan.

Mehr als 100 Autostellplätze würden entfallen

Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Anwohner fürchten Lärm und Erschütterungen durch die insgesamt fast 200 Fahrten am Tag und in der Nacht. Sie drohen mit Klagen. Die Fahrleitungsmasten würden das Stadtbild verschandeln, hieß es weiter, Bahnen könnten Fußgänger gefährden. Das Projekt führe zur „Zerstörung der gewachsenen Kiezatmosphäre“, so die Initiative „Tram 21“. Ein Unternehmen, das Grundbesitz an der Sonntagstraße verwaltet, warnt davor, dass die Bahnen Kinder gefährden könnten. Nicht zuletzt werden mehr als 100 Parkplätze entfallen, hieß es.

Nachdem die Pläne 2018 erstmals ausgelegt worden waren, gingen nicht weniger als 900 Einwendungen ein. Drei Jahre später musste die heutige Mobilitätsverwaltung mitteilen, dass die Unterlagen überarbeitet und erneut ausgelegt werden müssen – in diesem Stadium befindet sich das Verfahren derzeit. Zudem wurde bekannt, dass der Senat die Kostenschätzung für das Tramprojekt fast verdoppelt hat – von einst 13 Millionen auf 23,9 Millionen Euro.