Transport auf dem Land: In der Uckermark kommt der Quark mit dem Kombibus

Prenzlau - Der Bus der Linie 411 rollt auf dem Busbahnhof von Prenzlau (Landkreis Uckermark) ein. Die Linie verbindet die Dörfer im nordöstlichen Winkel von Brandenburg mit der Kreisstadt. Eine Handvoll Leute steigen an diesem Morgen aus. „Es gibt Tage, da sind es schon ein paar mehr Passagiere“, sagt Busfahrer Ralf Lyko. „Aber dafür habe ich heute den Laderaum richtig voll.“ Denn im nördlichsten Zipfel des Landes sind die Linienbusse des öffentlichen Personennahverkehrs zugleich Transportfahrzeuge für kleine Frachtmengen. Sie sind als sogenannte Kombi-Busse unterwegs. Ein Vertrag samt Preisliste regelt die Beziehungen zwischen den Lieferanten, Empfängern und der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft, die für den Busbetrieb im Landkreis zuständig ist.

Vermarktung regionaler Produkte

Ralf Lyko holt sich eine Sackkarre aus dem Betriebshäuschen des Busbahnhofs. Er rollt sie zum Bus und schließt die Gepäckklappen unterhalb des Passagierraumes auf. In den Frachtfächern stapeln sich jede Menge Kisten, die er auf sein Vehikel verlädt und schließlich im Bahnhofsgebäude abstellt. Er studiert die Frachtpapiere, die er in einer Mappe bei sich hat: Honig, Fassbutter, Milch, Käse, Salami, Leberwurst, Quark, Pudding, Eis und Butter sind in den Boxen und Tiefkühltruhen.

Das alles hat der 45-jährige Busfahrer am Morgen an der Haltestelle im kleinen Uckermark-Dörfchen Bandelow eingeladen. Die Lebensmittel kommen von der regionalen Handelsgesellschaft Q-Regio, die dort ihren Sitz hat. „Die Kollegen stehen mit ihren Waren zur Abfahrtszeit an der Bushaltestelle bereit“, erklärt Ralf Lyko. „Wir packen dann zusammen an. Das geht ruck, zuck.“

Er sortiert die Boxen im Abstellraum je nach Lieferadresse. Eine Ladung geht nach Templin, wo zwei Gasthöfe auf frische Waren warten. Eine andere nach Warnitz am Oberuckersee, wo ein Tourismusverein sein regionales Sortiment beinahe täglich auffrischt. „Die Kisten holen sich meine Kollegen, die innerhalb der nächsten ein, zwei Stunden auf den entsprechenden Linien unterwegs sind, hier ab“, sagt Ralf Lyko.

Vom Fernseher bis zum Flyer

Vor fünf Jahren wurde die Uckermark von der Landesregierung als flächengrößter Landkreis in Brandenburg ausgewählt, um ein Modellprojekt für diese Bündelung von Personen- und Gütertransport zu entwickeln. „Wir haben das von Anfang als Chance begriffen, den Verkehr in der Fläche nicht ausdünnen zu müssen, sondern durch neue Serviceangebote sogar noch attraktiver zu machen“, sagt die Kombi-Bus-Verantwortliche der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft Marita Förster.

Inzwischen nutzen nicht nur regionale Lebensmittelerzeuger und -händler den Linienbus für ihre Lieferungen. Ein großes Einkaufszentrum in Schwedt bietet als besonderen Service an, dass der neue Fernseher oder das erworbene Fahrrad mit dem Bus ins Heimatdorf gebracht wird. Druckereien beliefern auf diese Weise ihre Kunden in entlegenen Orten mit Flyern und Prospekten. Mostereien und Getränkehandelsbetriebe sind über den Kombi-Bus miteinander verbunden. Veranstalter von Fahrrad- oder Wanderreisen lassen das Gepäck ihrer Gäste per Linie in den nächsten Übernachtungsort bringen. „Unsere Stärke ist, dass wir die Fracht am gleichen Tag abholen und liefern können“, sagt Marita Förster. „Die Fahrpläne sind so getaktet, dass wir innerhalb von maximal vier Stunden an jedem Ort im Landkreis sind.“