Bislang ist am BER kein einziges Flugzeug gestartet. Doch die Flughafen-Planer denken bereits über ein anderes Verkehrsmittel nach. Sie suchen ein Transportsystem für die Stadt, die am neuen Schönefelder Flughafen entstehen soll. Dafür ist eine Technik im Gespräch, die es in Deutschland noch nicht gibt. „Eine Seilbahn“, sagt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Allerdings keine Seilbahn wie in den Bergen – sondern eine Strecke auf Stelzen, auf der von Seilen gezogene Kabinen verkehren.

Christoph Hansel, Chef der Unternehmensentwicklung am Flughafen, hat sich so eine Seilbahn schon einmal angeschaut. „Sie verkehrt in Venedig“, sagt er. „Ein sehr interessantes System“ – mit einer relativ großen Beförderungskapazität, allerdings preiswerter zu bauen als andere kleine Bahnen dieser Art.

Auf Gummirädern unterwegs

Cable Liner heißt das Transportsystem, das seit mehr als sieben Jahren in der italienischen Stadt im Einsatz ist. Die rund 870 Meter lange Hochbahn verbindet die Parkhaus-Insel Tronchetto mit dem Piazzale Roma, Tor zur Altstadt. Auf halber Strecke gibt es einen Halt am Kreuzfahrt-Terminal Marittima. In sieben Meter Höhe verkehren auf Gummirädern zwei fahrerlose Züge, die Platz für 200 Fahrgäste haben. Sie fahren entgegengesetzt: Wenn ein Zug startet, fährt auch der andere los.

Die Kabinen werden mit Hilfe von Stahlseilen gezogen. Eine Tour über die gesamte Strecke dauert drei Minuten. Hersteller sind das österreichische Familienunternehmen Doppelmayr, nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Seilbahnbau, und Siemens Österreich.

Seilbahnen dieser Art gibt es auch auf Flughäfen – in Birmingham in Großbritannien, Toronto in Kanada, Mexico City und vom kommenden Jahr an zudem in Moskau-Scheremetjewo. Im Stadtverkehr sind Cable Liner ebenfalls unterwegs, unter anderem in Las Vegas.

Die Technik ist für kurze Strecken geeignet. Damit passt sie gut in die geplante Airport City am BER in Schönefeld. Das Transportsystem, das im Masterplan BER 2040 der Flughafengesellschaft FBB vorgesehen ist, umfasst eine knapp zwei Kilometer lange Trasse und vier Stationen. Los ginge es am Terminal 2, das am Willy-Brandt-Platz gegenüber vom heutigen zentralen Fluggastterminal entstehen soll. Kurz darauf soll die Hochbahnstrecke in einer Linkskurve nach Osten schwenken.

Zunächst verläuft sie geradlinig auf der Südseite des Elly-Beinhorn-Rings, der nach einer einst populären deutschen Fliegerin benannt worden ist. Dort ist der erste Halt geplant: Midfield Gardens. Unter diesem Namen wird ein Teil der Büro- und anderen Gebäude vermarktet, die in der Airport City gebaut werden sollen. Kurz darauf stoppt die automatische Bahn neben drei Parkhäusern, von denen zwei für Autos von Menschen reserviert werden, die am Flughafen arbeiten.

Schließlich erreicht die Stelzentrasse die geplanten neuen Baufelder am Autobahnzubringer, um in Höhe der Kienberger Brücke zu enden. Die dortige Station wird Mittelpunkt des geplanten Airgate – einer Verkehrsdrehscheibe mit einer Fernbushaltestelle, einem Mietwagencenter und einem Parkhaus, das 2290 Fahrzeugen Platz bieten soll.

Autonome Busse? Lieber nicht!

Noch ist nicht entschieden, ob dieses oder ein anderes Verkehrssystem zum Einsatz kommt. „Es gibt eine Menge Möglichkeiten“, so Lütke Daldrup. „In Brandenburg beschäftigen sich viele Forschungseinrichtungen mit dem Verkehr der Zukunft. Mit ihnen wollen wir zusammenarbeiten.“ Geprüft wird auch, ob autonome Busse durch die Airport City fahren könnten – elektrische Kleinbusse, die sich ohne Fahrpersonal bewegen.

„Doch bei ihnen sind wir uns nicht sicher, ob sie genug Menschen transportieren können“, sagte Hansel. Zudem könnte es sein, dass der übrige Verkehr gestört wird. Darum bleibe die Vorzugsvariante, eine Trasse auf Stelzen zu bauen, die über die Straßen hinweg geführt werden kann.

Gut möglich, dass die Strecke bereits im Terminal 1 beginnen wird, dem zentralen Gebäude des BER, so Lütke Daldrup. Noch ist Zeit, das Transportsystem zu planen. „Es wird erst nach 2025 gebraucht“, sagt der Flughafenchef – wenn die Airport City Gestalt annimmt und zusätzliche Parkhäuser benötigt werden. Erst einmal muss der BER ans Netz gehen. Wann das geschehen soll, möchte Lütke Daldrup wie berichtet am 15. Dezember mitteilen.