Es ist Samstagnachmittag, und Eric Hordes steht in dem kleinen Tonstudio im sogenannten Separatistenhaus auf dem BLO-Gelände, einem ehemaligen Betriebswerk der Bahn in Lichtenberg. Am Freitag wird sein Film „Der Gründer“ uraufgeführt. Man könnte sagen: endlich! Es ist ein Film, der im August 2009 innerhalb von zwei Wochen gedreht wurde, praktisch ohne Budget – und der dennoch verboten werden sollte, bevor es ihn wirklich gab.

„Der Gründer“ erzählt die Geschichte von Gerhard Hornbacher, eigentlich einem Produzenten von Schwulenpornos, der eines Tages den Esoterikfernsehkanal „Teleportal“ gründet, auf dem er den Zuschauern von der bevorstehenden Apokalypse erzählt. Für 99 Euro bietet er die Rettung von 144.000 Menschen an, die er in seinem Raumschiff transportieren könne.

Der Film ist ein skurriles, weitgehend trashig angelegtes Potpourri aus Esoterik-Freakshow, Außerirdischen, Endzeitfantasien und Gaunereien, das sich Hordes da ausgedacht hat. Doch in Teilen hat der Film einen realen Hintergrund, der Hordes beinahe zum Verhängnis wurde.

Thomas G. Hornauer, Gründer und Moderator des ehemaligen Fernsehsenders „Telemedial“, sah sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Von Dezember 2007 bis Juli 2008 hatte Hornauer auf seinem Kanal die „telemediale Zeit“ ausgerufen, mit der „Deutschmarkt“ eine sogenannte emotionale Währung erfunden und im weitesten Sinne über spirituelle Themen gesprochen. Hordes, zu der Zeit Student an der Mediadesign-Hochschule in Berlin, hatte das Programm regelmäßig gesehen und war von dem bizarren Sendeformat begeistert. „Es hat mich richtig berührt“, erzählt der 29-Jährige.

Doch Hordes will seinen Film nicht auf die Geschichte um Hornauer beschränkt wissen. Neben den Elementen um die Außerirdischen und den Weltuntergang sieht er seinen Film als medienkritisches Werk: „Ich wollte auch zeigen, wie billig Fernsehen heutzutage ist.“

Drogen und Esoterik als Inspiration

Hordes ist ein Geschichtenerzähler. In seinem ebenso breiten wie sympathischen badischen Dialekt erzählt er von seltsamen Begegnungen in seiner Heimatstadt Baden-Baden. Mit Menschen, die sich für Außerirdische oder für Jesus hielten. Von seinem eigenen Besuch bei „Telemedial“, bei dem er ein selbst geschriebenes Lied vortrug, um hinter die Kulissen des Senders blicken zu können. Und nicht zuletzt von einem Besuch im bayrischen Dingolfing, wo er umgeben von ehemaligen „Telemedial“-Mitarbeitern an einem Drogen- und Esoterik-getränkten „fünftägigen Wochenende“ teilnahm: Die Inspiration für das, was letzten Endes sein Debütfilm „Der Gründer“ werden sollte.

Die Grundlage für das Drehbuch, erzählt er, habe er nach dem Besuch in Bayern in zwei Nächten geschrieben – bei seinem studentischen Nebenjob an einer Tankstelle in Berlin. Dieses schickte er Schauspieler und Synchronsprecher Helmut Krauss, der sofort begeistert zusagte. Auch durch den guten Ruf, den Krauss in der Filmbranche genießt, fanden sich schnell weitere Schauspieler, Kameraleute und Assistenten. Alle waren bereit, ohne Honorar zu arbeiten. Mit dem Musiker Ingo Frischeisen hat er sogar einen ehemaligen „Telemedial“-Mitarbeiter als Schauspieler für seinen Film gewinnen können. Auch die komplett nachträgliche Synchronisierung wurde durch tatkräftige Helfer ermöglicht, die von dem Projekt überzeugt waren.

Tatsächlich, erzählt Hordes, habe ihn der Film etwa 500 Euro gekostet. „Wenn ich daran denke, wie gut das mit dem Film geklappt hat, wie Zufälle ineinander geführt haben, stand das Projekt unter einem guten Stern“, sagt er. Auch das Gerichtsverfahren, wahrscheinlich die größte Bürde des Projekts, endete letztlich mit einem Vergleich. Hornauer durfte den Film ein paar Wochen vor der Veröffentlichung zweimal innerhalb von zwei Wochen sehen und innerhalb einer Frist Änderungsvorschläge anbringen. Da er aber den zweiten Termin absagte, verfiel diese Frist und Hordes darf ihn nun passend zum Ende des Maya-Kalenders am Freitag erstaufführen. „Weltuntergangspremiere“ steht auf dem Flyer zur Uraufführung.

Warum Thomas G. Hornauer keine weiteren Schritte unternommen habe, darüber kann Eric Hordes nur spekulieren. Einige Zeit nach dem verfallenen Sichtungstermin für den Film hat Hordes aber noch eine Email von dem Kläger bekommen. Darin heißt es unter anderem, dieser sei nicht mehr gewillt, durch Prozesse Werbung für den Film zu machen. Des Weiteren wünsche er Hordes alles Gute für seinen Weg. Es sind fast versöhnliche Worte.

„Der Gründer“: Regie: Eric Hordes, mit Helmut Krauss, Santiago Ziesmer, Ades Zabel u.a. Uraufführung: 21. Dezember 2012, 22.30 Uhr, Babylon Kino, Rosa-Luxemburg-Straße 30