Berlin - Rund 30.000 Autos fahren jeden Tag die Dorfstraße von Ahrensfelde (Bundesstraße 158) entlang, nur wenige hundert Meter entfernt von Marzahner Plattenbauten. Seit rund 25 Jahren wird über eine Ortsumgehung gestritten. Vier Varianten wurden untersucht, eine wird inzwischen von den Ländern Berlin und Brandenburg favorisiert. Allerdings gefällt sie vielen Anliegern nicht. Seit vergangener Woche haben sie im gemeinsamen Planfeststellungsverfahren der Länder die Möglichkeit, Kritiken zu äußern. Bis zum 25. Oktober liegen die Pläne aus, bis 8. November müssen alle Einwendungen eingegangen sein.

Die neue Trasse soll im Bereich des S-Bahnhofs Ahrensfelde beginnen und kurz vor der Anschlussstelle der A 10 wieder auf die alte B 158 schwenken. Auf 150 Meter verläuft sie an der Klandorfer Straße in Marzahn unterirdisch, in einem sogenannten gedeckelten Trog, den der Bund bezahlt. Insgesamt soll die 4,6 Kilometer lange Strecke rund 40 Millionen Euro kosten.

"Zerschneidung eines Wohngebietes in Kauf nehmen"

"Es wird die im Vorfeld am heftigsten kritisierte Variante gewählt", sagt Günter Beckert von der Mieterschutzinitiative Marzahn. Eine bessere Variante, die schon zu DDR-Zeiten geplante Weiterführung der Marzahner Wuhletalstraße an der Brandenburger Gemeinde vorbei, sei vom Senat abgelehnt worden, weil dieser durch eine längere Strecke auf Berliner Territorium mehr Geld für den Straßenbau bezahlen müsste. "Dafür nimmt man die Zerschneidung eines Wohngebiets in Kauf", sagt Beckert. Er hofft, dass viele Bewohner von Marzahn-Nord Einwendungen einreichen. Wenn in zwei Jahren dann ein Planfeststellungsbeschluss komme und dieser tatsächlich die Trog-Variante für die Klandorfer Straße vorsehe, sei vorauszusehen, "dass Klagen folgen".

Auch der Quartiersrat Marzahn Nordwest warnt vor den Auswirkungen des Bauvorhabens für den Stadtteil: "Insbesondere die Menschen im Ahrensfelder Viertel werden einen erheblichen Einschnitt in ihr direktes Lebensumfeld erfahren." Damit sich möglichst viele Bürger ein Bild von den Plänen machen können, hat der Quartiersrat zusätzlich zu den offiziellen Auslegestellen (Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Stadtplanungsamt, und Bürgerinformation Ahrensfelde) eine ergänzende Auslegestelle im Bürgerzentrum "Kiek in", Wörlitzer Straße 3 A geschaffen.