Einer seiner größten Hits erklang gleich am Anfang: „Heute bin ich allein“. Dabei konnte von „allein“ wirklich keine Rede sein. Zum Abschied für den Komponisten, Pianisten und Sänger Reinhard Lakomy, der am 23. März im Alter von 67 Jahren verstorben war, kamen so viele Kollegen und Fans am Mittwochmittag zum Friedhof Blankenburg, dass die meisten von ihnen nicht in den Raum für die Trauerfeier passten.

Dabei waren die Sänger Dirk Zöllner, Angelika Mann, Uschi Brüning, Regina Thoss, Uwe Jensen und Hans-Jürgen Beyer, Orchesterchef Andrej Hermlin und Schauspielerin Carmen-Maja Antoni. Peter Meyer war gekommen, weil Lakomy ihn 1969 für drei Monate bei den Puhdys vertreten hat, während er zur Armee musste.

Schauspieler Jürgen Thormann, seit über 20 Jahren markante Stimme auf Lakomys Alben, erinnerte daran, dass der „nur in Situationen höchster Not“ hochdeutsch sprach und ansonsten berlinerte. „Er hat sich gewünscht, auf seinem Grab sollen Himbeeren wachsen.“ Dieser Wunsch wird ihm wohl erfüllt. Seine Witwe Monika Ehrhardt-Lakomy, die für seine Geschichtenlieder-Alben über den „Traumzauberbaum“ die Texte geschrieben hatte, erzählte von der „Himmelfahrtsfeier“ für ihren Mann gemeinsam mit den Mitgliedern seines Ensembles am Todestag ihres Mannes.

Lakomy war stets unbequem, eckte an. Im Privaten ebenso wie im Politischen. 1976 protestierte er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, 2009 unterschrieb er einen Wahlaufruf für Die Linke. Linken-Politiker Lothar Bisky verabschiedete sich sehr bewegt von seinem Freund: „Wir trauern um einen großen Künstler, der sich niemandem angedient hat.“ Duckmäusertum habe er nicht gekannt. Bisky resümiert: „Uns bleibt, in diesem Sinne sein Erbe zu pflegen.“

Kindergarten zieht in Studio ein

Zu den Trauergästen gehörte auch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, der sich an den Verstorbenen so erinnerte: „Er hatte ein großes Herz für Kinder. Das merkt man seiner Musik an.“ Anwaltskollege Lothar de Maizière kannte Lakomy seit den 60ern: „Ich habe damals mit ihm Musik gemacht.“ Als Lakomy Monika Ehrhardt heiraten wollte, war de Maizière als Anwalt für die zunächst notwendige Scheidung zuständig.

Am offenen Grab erfüllten Klaus Lenz, Uschi Brüning, Angelika Mann und das Reinhard-Lakomy-Ensemble, das auch künftig mit den „Traumzauberbaum“-Programmen touren soll, dem Verstorbenen einen letzten Wunsch. Sie sangen „Hi-De-Ho“ von Blood, Sweat & Tears. Lenz hatte das dem Sterbenden beim letzten Besuch in dessen Haus versprochen.

Für Sängerin Angelika Mann war der Abschied von Reinhard Lakomy der schwerste ihres Lebens. „Ich habe noch nie so viel um einen Menschen geweint.“ Sie hatte Lakomy, der eine Chemotherapie und lebensverlängernde Maßnahmen nach seiner Krebsdiagnose im Februar ablehnte, versprochen, jeden Montag von ihrem Theatergastspiel in Dresden zu ihm nach Berlin zu kommen. Am Ende, als der Todkranke nicht mehr sprechen konnte, las sie ihm vor.

Eine Idee der Witwe Monika Ehrhardt-Lakomy kam, so erzählte sie während der Trauerfeier, bei ihrem Mann kurz vor dessen Tod richtig gut an: „In seinem großen Studio in unserem Haus hier in Blankenburg wird ein Kindergarten einziehen.“

Am Rande von allem stand Armin Lakomy (46), Sohn des Verstorbenen aus früherer Ehe. Er war besonders traurig, weil es die von ihm so gewünschte Versöhnung mit dem Vater vor dessen Tod nicht gegeben hatte. Er kam mit seiner Frau und den beiden Kindern, die ihren Opa nie kennengelernt hatten, zum Friedhof. Und ging, als das große Abschiednehmen am Grab begann: „Das ist mir zu viel Trubel, wir kommen morgen wieder.“