Hunderte Menschen trafen sich am Donnerstag an der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Neukölln.
Foto: Eric Richard

BerlinNach den tödlichen Schüssen vor dem Tempodrom hat die Polizei einen ersten Verdächtigen ermittelt. Der 48-Jährige gehört zu den Männern, die am Freitagabend durch Schüsse verletzt wurden, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Sein Zustand war zunächst kritisch und hat sich inzwischen stabilisiert.

„Am Krankenbett wurde ihm der Haftbefehl wegen Totschlags verlesen“, sagte Mona Lorenz, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Mann sollte noch am Donnerstag ins Justizvollzugs-Krankenhaus verlegt werden. Zu weiteren Beteiligten werde noch ermittelt, sagte die Sprecherin. „Das Tatgeschehen ist noch immer nicht aufgeklärt.“

Am Freitagabend war vor dem Tempodrom in Kreuzberg ein 42-Jähriger Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit erschossen worden, als er das Veranstaltungshaus verlassen hatte. Drei weitere Männer  wurden durch Schüsse verletzt.   Dass der Verletzte nun selbst als Tatverdächtiger gilt, erhärtet den Verdacht der Ermittler, dass nicht nur eine Angreifergruppe geschossen hat, sondern sich zwei Gruppen gegenseitig beschossen. Die Spurensicherer hatten nach der Tat Projektile und Patronenhülsen aus mehreren Waffen sichergestellt.

Polizisten kontrollierten mehrere Trauergäste.
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Die Leiche des erschossenen Cuneyt F. soll an diesem Freitag in die Türkei überführt und in Istanbul begraben werden. Am Donnerstag trafen sich Hunderte Menschen zum Trauergebet in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot da. „Es war nicht auszuschließen, dass es dort weiterhin zu Streit kommt“, begründete ein Polizeisprecher.

Zufällig zwischen die Fronten geraten?

Die Beamten kontrollierten unter anderem, einen spanischen Porsche Cayenne und einen Range Rover. In den Autos beschlagnahmten sie mehrere scharfe Waffen. Nach Ende der Trauerfeier sonderten die Beamten eine Gruppe von 20 bis 30 Personen ab und stellten die Personalien der Männer fest.

Teilnehmer der Trauerfeier sprachen von einer Fehde zwischen zwei Familien als Grund für die Schießerei. Um was es dabei ging, ist jedoch bislang unklar. Cuneyt F., der in Neukölln ein Café betrieben hatte, wurde nach Angaben von Trauergästen nicht zielgerichtet getötet. Er sei wahrscheinlich zwischen die Fronten geraten und habe schlichten wollen, als zwei Gruppen aneinandergeraten seien. „Er war ein friedlicher Mensch“, sagt einer seiner Freunde.