Alexander König ist das Schlimmste passiert, was einem Vater widerfahren kann. Vor zwei Jahren starb sein Sohn mit sieben Jahren an Krebs. Um sein trauriges Schicksal mit anderen Betroffenen zu teilen, hat der 45-Jährige mit Andreas Landgraf vom Berliner Verein Kolibri Deutschland e.V. eine Trauergruppe für verwaiste Eltern und Geschwister ins Leben gerufen.

In der Trauergruppe lernen Eltern, mit dem Schmerz zu leben

„Wir wollen Menschen, die ein Kind verloren haben, Raum geben, sich auszutauschen und zusammen zu trauern“, sagt er. Als der Sohn von Alexander König 2007 starb, waren viele Menschen an seiner Seite, um ihn zu trösten. „Das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt er. Doch er weiß auch, dass sein schreckliches Erlebnis kein anderer so gut verstehen kann, wie derjenige, der selbst ein Kind verloren hat. „Grundsätzlich meint es ja jeder gut, aber sich in die Situation hineinversetzen, das kann nicht jeder“, sagt er.

In der Trauergruppe begegnen sich Menschen, die seelisch so schwer verwundet sind, dass ihr Schmerz bis an ihr Lebensende vermutlich nicht gestillt werden kann. „Aber wir können lernen, damit umzugehen“, sagt Alexander König. Es gebe Tage, da funktioniere das, aber es gebe auch Tage, da bekomme er immer noch rein gar nichts auf die Reihe. Erst kürzlich habe ihn ein anderes Kind sehr an seinen Jungen erinnert. Da sei die Trauer über Alexander König wieder wie eine starke unaufhaltsame Welle hereingebrochen.

Kolibri unterstützt krebskranke Kinder und ihre Angehörige

21 Monate schwankte Alexander König zwischen Hoffen und Bangen. Knochenkrebs lautete damals die niederschmetternde Diagnose der Ärzte bei seinem Kind. Der Vater pendelte 85 Kilometer von seinem Wohnort Schwedt bis ins Helios-Klinikum nach Buch. Er wachte unzählige Nächte auf einer unbequemen Klappliege neben dem Kinderbettchen seines Sohnes und fuhr am anderen Morgen völlig übernächtigt die 85 Kilometer zurück zu seiner Arbeit.

In dieser schweren Zeit lernte Alexander König die Arbeit von Kolibri kennen. Der Verein unterstützt krebskranke Kinder und ihre Angehörigen. Auch seinem Sohn wollten sie noch einen letzten Wunsch erfüllen. „Er hatte sich so sehr eine VR-Brille gewünscht“, erinnert sich König. Doch dazu kam es nicht mehr. Sein Sohn verstarb nur wenige Tage später.
Auch nach dem Tod seines Jungen hat der Vater den Kontakt zum Verein bewahrt. Er besucht nach wie vor die Kochveranstaltungen auf der Kinderonkologie und engagiert sich jetzt in der Trauergruppe.

In der Klinik hat Alexander König viele Eltern kennengelernt, mit denen zusammen er durch unerträgliches Leid gegangen ist, mit denen er aber auch kurze Momente des Glücks, wie beim gemeinsamen Kochen, erlebt hat. Einige von ihnen sind bei ihm in der Trauergruppe. „Wir wollen den Menschen auch nach dem Verlust ihres Kindes künftig eine wichtige Anlaufstelle sein“, sagt Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf.