Es ist ein Ärgernis für die Stadt und ihre Bewohner. Seit vielen Jahren schon präsentiert sich das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee äußerlich in einem beklagenswerten Zustand. Die Fassade ist mit Graffiti beschmiert, im unteren Bereich sind Fenster mit Brettern vernagelt. Ein hässlicher, mit Plakaten beklebter Bauzaun steht vor dem Haupteingang des rosafarbenen Klotzbaus.

Seit Jahren sieht es schon so aus. Optisch ist das SEZ ein Trauerspiel. Man sieht, dass der Senat den einstigen Sportpalast des Ostens am liebsten verschwinden lassen würde, um auf dem fünf Hektar großen Areal Wohnungen bauen zu lassen. Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung über die Zukunft des SEZ fallen. Doch muss man wirklich abreißen? Wie sieht es im einstigen DDR-Vorzeigebau eigentlich aus? Höchste Zeit für einen Rückblick auf vergangene Jahre und einen Rundgang durch die Gegenwart.

Am 20. März 1981 eröffnete die DDR-Führung mit viel Pomp die Multisport- und Freizeiteinrichtung an der gewaltigen Kreuzung Leninallee/ Dimitroffstraße (heute: Landsberger Allee/ Danziger Straße). 27 Monate war daran gebaut worden. Im Laufe der Jahre planschten Millionen im großen Spaßbad, liefen auf einer riesigen Eisfläche Schlittschuh. Wenn davon auch nicht viel übrig blieb, nur noch wenige Besucher ins SEZ kommen, um dort Sport zu treiben, zeigt sich das Innere des Hauses in einem überraschend guten Zustand.

Da ist zum Beispiel die beliebte Bowlingbahn im Keller: Sie ist noch immer prima in Schuss. Eine Etage darüber, in der Haupthalle, wurden Teile des Spaßbades und Bereiche für Fußball, Basketball oder Badminton umgebaut. Eine Sauna mit Mini-Wasserbecken ist in Betrieb.

Fast schon erstaunlicherweise ist selbst Badespaß im SEZ noch zu haben. Zwar nicht mehr wie einst in einer großen Beckenanlage mit Rutsche und Wasserspielen. Doch sind derzeit immerhin zwei Becken mit Wasser gefüllt. Auch der beliebte Außenpool ist funktionstüchtig.

Ärgerlich ist jedoch, dass in den vergangenen Jahren zu wenig für den Erhalt des SEZ getan wurde – und weiterhin getan wird. Nach dem Ende der DDR ging der Komplex in den Besitzes des Senats. 1999 übernahmen die Berliner Bäderbetriebe als Betreiber das Haus, das schon damals hätte dringend saniert werden müssen. 2002 weigerte sich der Senat, Millionen in das Gebäude zu pumpen. Daraufhin wollten die Bäderbetriebe ihr Sorgenkind wegen der hohen Betriebskosten schnell loswerden.

Tatsächlich fand sich ein privater Investor, der Leipziger Geschäftsmann Rainer Löhnitz. 2003 bekam er für nur einen Euro das SEZ, dessen aktueller Grundstückswert im Millionenbereich liegen dürfte. Während Stadt und Bewohner auf eine Wiederbelebung des Spaßbades hofften, zoffte sich Löhnitz jahrelang mit dem Senat.

Die Senatsfinanzverwaltung leitete rechtliche Schritte gegen den Unternehmer ein, will von ihm das SEZ-Areal zurück. Aktuell laufen zwei Verfahren, eines am Landgericht Berlin, im Februar wird vorm Landgericht Leipzig gestritten.

Die Finanzverwaltung spricht von Vertragsbruch. Der Investor habe nicht für den vereinbarten Badebetrieb gesorgt. Im Fall der Nichteinhaltung sorge eine Klausel dafür, dass der Senat das Areal zurückerwerben kann. Zudem drohe eine Vertragsstrafe von 600.000 Euro.

Löhnitz wehrt sich. „Der Senat wusste, dass ein Weiterbetrieb wie zu DDR-Zeiten wirtschaftlich nicht machbar ist. Ich habe Millionen investiert, damit das SEZ überhaupt als Sport- und Freizeitstätte weiter existieren kann“, sagt er. „Ein Badebetrieb besteht. In welcher Form, war im Vertrag nie geregelt.“

Unterstützung bekommt Rainer Löhnitz von Olaf Werner, einem früheren Rechts-Professor der Uni Jena. In einem Gutachten schrieb er, dass der Wiederkaufsklage des Senats „jede Rechtsgrundlage“ fehle.

Zumindest ist eindeutig, warum der Senat auf Rückerhalt des SEZ drängt. Er will eine Schule und bis zu 500 Wohnungen – zum Teil mit günstigen Mieten – bauen, die Berlin wegen der wachsenden Einwohnerzahl dringend braucht. Zwei Bauplan-Entwürfe gibt es seit 2016, in denen das SEZ nicht mehr existiert. Der Abriss war sollte dieses Jahr beginnen.

Nun ist die Zukunft wieder offen. Aufgrund von Bürgerbefragungen und Expertenstellungnahmen wird der Bebauungsplan nachgebessert, erst zum Jahresende soll er beschlussfähig sein. „Ob dann das SEZ auch abgerissen wird, liegt in der Entscheidung des Eigentümers“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Bauverwaltung. Nur wer das ist, Senat oder Löhnitz, entscheiden Gerichte. Das kann dauern. Löhnitz macht schon klar: „Das SEZ bleibt. Mit mir werden die Senatswohnungen nicht kommen.“ Kein Wunder: Auch der Investor will auf Teilen des Areals Wohnungen bauen.