Kaum hatten sich die Zustände in den Bürgerämtern normalisiert, da bracht in den Standesämtern das Chaos aus. Heiratswillige stehen  zum Teil schon ab 4 Uhr morgens vor der Tür, um einen Termin für die Trauung zu bekommen. Jetzt ist der Senat auf die Idee gekommen, das Erfolgsrezept der Bürgerämter auch für die Standesämter anzuwenden. Die Termine werden  bald  im Internet vergeben, erfuhr die Berliner Zeitung.

Wie aus  einem Antrag  von SPD, Linken und Grünen hervorgeht, der der Berliner Zeitung vorliegt, sollen bis spätestens Ende 2017 alle Termine online  buchbar sein, um die Zumutungen  für die künftigen Hochzeitspaare zu beseitigen. Der Antrag soll am kommenden Donnerstag zur Plenarsitzung eingebracht werden. Darin heißt es weiter, dass alle Berliner  bis Ende 2017 ein  persönliches  Service-Konto erhalten, über das sie bequem im Internet möglichst viele Abläufe abwickeln können. Dazu zählen  eben auch die Standesamtstermine. Sogar mit  einer Handy-App sollen Termine buchbar werden.

Mehr menschen wollen heiraten

„Es soll eine Untersuchung der Abläufe durchgeführt werden“, steht außerdem in dem Papier. Das bedeutet, dass alle   Arbeitsabläufe in den Standesämtern gründlich überprüft werden. Das scheint dringend  nötig, denn noch  müssen die Pärchen einen Trautermin Monate vorher beantragen und dafür  auch noch lange anstehen.

Das liegt nicht nur an der dünnen Personaldecke der Standesämter oder zusätzlichen Ausfällen durch Krankheit –  auch die Zahl der Heiratswilligen  in Berlin stieg in den vergangenen Jahren stetig an. 2016 heirateten etwa 15 000 Paare in Berlin (900 Lebenspartnerschaften), 2007 hatte  es  noch 11 500 Eheschließungen gegeben.  „Wir arbeiten am Limit“,  so beschreibt eine Standesamtsleiterin die Situation.

Mit beinahe halbierter personeller Besetzung hatte das Standesamt Charlottenburg-Wilmersdorf im vergangenen Jahr knapp 2100 Ehen und Lebenspartnerschaften geschlossen, rund 100 mehr als noch 2015. Davon kamen rund 600 Paare von außerhalb. Charlottenburg ist schon lange ein beliebtes Standesamt: Hier heirateten zum Beispiel  Romy Schneider und Harald Juhnke.
Umso mehr freut sich Rot-Rot-Grün  über das entstehende Online-Standesamt. Clara West (SPD) hat sich dafür eingesetzt: „Das wird dann so leicht wie Online-Banking. Die Berliner müssen nur noch zum Amt, wenn es nicht anders geht. Es bleibt mehr Zeit   für diejenigen, die sich im Internet nicht zurecht finden.“

Spontan-Hochzeiten nur mit viel Glück möglich

Wer allerdings einen besonderen  Wunschtermin erstrebt muss sich auch künftig  energisch  kümmern. Besonders begehrte Termine  sind  traditionell  Monate im Voraus ausgebucht. Bislang gilt: Anfragen für Schnapszahl-Termine sind nahezu aussichtslos. Besonders gefragt sind nach Auskunft der Standesämter Hochzeiten an Sonnabenden, teilten die Standesämter mit. 

Auch Termine an Tagen mit der Zahl 1 oder 7 im Datum zu bekommen, ist  schwierig. Schnapszahlen wie der 07.07.2017 als Hochzeitstag sind seit jeher beliebt. Dieser Tag ist für das laufende Jahr so gut wie überall ausgebucht, so wie der 17.07. und der 01.07.

Wegen der schwierigen Lage sind Spontan-Hochzeiten in Berlin derzeit nur mit sehr viel Glück möglich. Ist man terminlich flexibel und bringt alle erforderlichen Unterlagen mit, kann man etwa in Steglitz auch kurzfristig heiraten. In den meisten anderen Standesämtern kommen die Paare in der Regel innerhalb von zwei Wochen dran.

Länger warten müssen sie dagegen meist, wenn einer der Partner einen Migrationshintergrund hat. Dann müssen oft andere Behörden oder Botschaften Dokumente prüfen. Sprachbarrieren verlängerten den Anmeldeprozess oft, sagt die Spandauer Bezirksamtsleiterin Anke Lausecker. Dann könne ein Antrag auch mal zwei bis drei Monate bearbeitet werden.

Gute Erfahrungen mit Online-Buchungen haben manche  Standesämter schon gemacht – und zwar bei der Vergabe von Beratungsterminen. Bei dieser Gelegenheit müssen die Paare  alle für die Eheschließung erforderlichen Unterlagen vorlegen, ehe der eigentliche  Hochzeitstermin vereinbart werden kann.  Der  Bezirk  Tempelhof-Schöneberg ist der kommenden Modernisierung übrigens schon voraus: Hier können Hochzeit bereits online angemeldet werden. „Damit läuft es super“, sagt Grünen-Bezirksstadträtin Christiane Heiß. (mit dpa)