Traktoren stehen in Berlin bei der Demonstration für eine Agrarwende vor dem Brandenburger Tor.
Foto: Paul Zinken/dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut den Veranstaltern haben rund 27.000 Menschen an der "Wir haben es satt"-Demo teilgenommen
  • Die Kundgebung endete am Sonnabend gegen 16 Uhr. Danach begann die Rückfahrt der etwa 150 Traktoren
  • Bundesagrarministerin Julia Klöckner spricht bei einer Zwischenkundgebung vor dem Außenministerium während der Trecker-Sternfahrt am Vormittag überraschend mit den Demonstranten
  • Trecker-Demos: Diese Straßen sind Freitag und Samstag gesperrt
  • Berlins Bürgermeister: Proteste muss man aushalten
  • Greenpeace protestiert gegen Ministerin Klöckner
  • Lebensmittelhändler wollen Lieferketten transparent machen
  • Bundesagrarministerin Julia Klöckner verteidigt Tierwohlkennzeichen auf freiwilliger Basis
  • Was Sie zur Grünen Woche wissen müssen

+++18. Januar +++

27.000 Menschen haben nach Auskunft der Veranstalter für „enkeltaugliche Landwirtschaft und gutes Essen“ demonstriert. 

Die Rückfahrt der Traktoren beginnt voraussichtlich um 16 Uhr, teil die Verkehrsinformationszentrale Berlin auf Twitter mit.

Demo für umweltfreundlichere Landwirtschaft gestartet

Es geht um eine umweltfreundlichere Landwirtschaft: Der Protestzug aus tausenden Menschen und mehr als 150 Traktoren am Brandenburger Tor in Berlin ist gestartet. Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ fordern die Aktivisten die Bundesregierung zu einer Wende in der Agrarpolitik hin zu besseren Klima- und Tierschutzmaßnahmen auf. Erwartet wurden zur zehnten Auflage des Protestzuges mindestens 15 000 Teilnehmer.

„Wir erleben seit vielen Jahren, dass das Landwirtschaftsministerium die Agrarindustrie hofiert“, erklärte Bündnis-Sprecher Christian Rollmann. Die Klimakrise, zu viel Nitrat im Grundwasser und das dramatische Artensterben zeigten, dass es so nicht weitergehen könne. Das Bündnis macht die Bundesregierung für die Schließung von 130 000 Bauernhöfen seit 2005 verantwortlich.

Bauern: "Die Ministerin ist unter Druck"

Dass Bundesagrarministerin Julia Klöckner sich den Demonstranten gestellt hat, wertet Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gegenüber der Berliner Zeitung als großen Erfolg für die Bauern: „Das ist ein Signal. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Die Ministerin ist unter Druck und wird sich, denke ich, noch in diesem Jahr, bewegen müssen.“

Das Freihandelsabkommen Mercosur, glaubt Jenßen, werde nicht glatt durchgehen. Die EU-Agrarpolitik werde sich von der Flächensubventionierung wegbewegen müssen. Jenßen: „Ich gehe davon aus, dass nun entscheidende Weichen gestellt werden in Richtung artgerechte Tierhaltung. Und die Betriebe müssen finanzielle Hilfen bekommen, damit sie diese Umbauten dann auch vornehmen können.“

Nun geht es für die Traktoren zurück zum Brandenburger Tor, zur Hauptkundgebung um 12 Uhr.

Klöckner spricht mit den Demonstranten

Georg Janßen von der  Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert auf der Zwischenkundgebung vor dem Auswärtigen Amt bessere politische und gesetzliche Bedingungen für nachhaltigen und ökologischen Ackerbau. Dort versammeln sich unter der Schirmherrschaft von Julia Klöckner (CDU) gerade Regierungsvertreter aus rund 70 Ländern zu einer  Agrarministerkonferenz.

Lanßen verwahrt sich gegen die Interpretation, „Land schafft Verbindung“, die Trecker-Demo der Bauern aus der konventionellen Landwirtschaft am Freitag, und „Wir haben es satt“ seien Gegenkundgebungen: „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren.“

Klöckner mischt sich überraschend in die Menge, um die Protestnote von "Wir haben es satt" an die Agrarminister persönlich entgegenzunehmen. Sie steht auf einer Milchkanne und spricht mit den Demonstranten.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner spricht mit den Demonstranten.
Foto: Margarethe Gallersdörfer

Bauern fordern: Wollen nicht allein gelassen werden

Im Demoaufruf der Bio-Bauer heißt es: „Wir machen Politik und Gesellschaft ein Angebot: Bis 2035 werden wir in Deutschland flächendeckend umwelt- und klimaschonenden Ackerbau praktizieren und unsere Nutztiere artgerecht halten. Einige von uns haben sich schon auf den Weg gemacht. Viele sind ebenfalls zu notwendigen Veränderungen bereit, wenn sie bei der Umsetzung und bei den Kosten nicht allein gelassen werden.“

Traktoren erreichen 17. Juni

„Wir sind auf der Zielgeraden! Die drei Konvois vereinen sich auf der Straße des 17. Juni“, berichtet unsere Reporterin Margarethe Gallersdörfer aus dem Trecker von Bäuerin Christiane Göbel.

Die drei Trecker-Konvois vereinen sich auf der Straße des 17. Juni.
Foto: Margarethe Gallersdörfer

Berlinweite Einschränkungen: BVG bittet um Verständnis

Traktoren rollen in Richtung Innenstadt

Unsere Reporterin Margarethe Gallersdörfer begleitet heute Bäuerin Christiane Göbel auf ihrem Trecker zur Demo. Im Moment rollen sie die Bernauer Straße hinunter Richtung Nordbahnhof. „Genau das richtige Wetter für die Demo“, freut sich Göbel. An ihrem Traktor hängt ein Schild mit der Aufschrift "Rogge'n Roll - ohne Bauern kriegt keiner was gebacken".

Die Einstellung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) findet Göbel schwierig. Klöckner hatte kürzlich gesagt: „Wir werden nicht mit romantisierenden Bullerbü-Vorstellungen zurück zu einer vormodernen Landwirtschaft kehren, weil man sich ein Idyll sucht, weil der eigene Alltag vielleicht zu hektisch ist. Damit werden wir die Menschen nicht ernähren können.“

Die Bäuerin, mit der unsere Reporterin unterwegs ist, findet es zwar richtig, dass man nur mit Familienbetrieben die Menschheit nicht ernähren könne. „Aber wenn wir nach dem Motto „Immer mehr, immer schneller“ die Böden auslaugen, kann das auch nicht funktionieren. Das ist nicht nachhaltig.“

Traktoren auf dem Weg in Richtung Innenstadt.
Foto: Margarethe Gallersdörfer

Schulze fordert mehr Unterstützung für Landwirte

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will vor dem Hintergrund jüngster Proteste mehr Unterstützung für Landwirte - und sieht dabei auch die Europäische Union in der Pflicht. „Viele unserer Landwirte stehen mit dem Rücken zur Wand. Bei 69 Cent für einen Liter Milch und Schleuderpreisen für Fleisch können es die Bauern kaum schaffen, gleichzeitig die Umwelt zu schützen, für sauberes Trinkwasser zu sorgen und die Artenvielfalt zu erhalten“, sagte Schulze der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Die Preise immer weiter zu drücken und gleichzeitig hohe Qualität und Umweltschutz zu verlangen, das geht einfach nicht.“

Es müsse sichergestellt werden, „dass unsere Bauern ausreichend Geld bekommen - auch von der EU -, damit sie die Erwartungen erfüllen können“, sagte die Ministerin. Statt Flächenbesitz zu subventionieren, müsse Landschaftserhalt und artgerechte Tierhaltung gefördert werden.

Im Streit über schärfere Gülle-Regeln bekräftigte Schulze ihre bisherige Position. In der Bundesregierung herrsche Einigkeit darüber, „dass wir für eine Einhaltung der Nitrat-Grenzwerte sorgen werden.“ Forderungen nach Überprüfung der Nitrat-Messungen wies sie zurück. „Wir haben ein massives Nitrat-Problem. Wir müssen die Ursachen dafür bekämpfen und nicht denjenigen, der das Problem meldet.“

Bauern-Demo am Samstag: „Wir haben es satt!“

Am Sonnabend ruft das Bündnis „Wir haben es satt!“ zum zehnten Mal zur Demonstration rund um das Brandenburger Tor auf. Die Veranstalter erwarten mindestens 15.000 Teilnehmer sowie 100 Traktoren, die den Protestzug anführen sollen, wie Saskia Richartz, Sprecherin des Bündnisses, am Montag in Berlin sagte.

Am Samstagmorgen sollen die Traktorkolonnen von drei Sammelpunkten aus - nördlich, östlich und südlich von Berlin - Richtung Innenstadt starten. Geplant ist, dass sich die Landwirte gegen 10 Uhr auf der Straße des 17. Juni sammeln.

Auf diesen Straßen kommt es Samstag zu Einschränkungen

Östliche Route (Abfahrt 7.30 Uhr): Gewerbegebiet Vogelsdorf - Grünerlinder Weg - Frankfurter Chaussee - Alt-Mahlsdorf - Alt-Kaulsdorf - Alt-Biesdorf - Alt-Friedrichsfelde - Frankfurter Allee - Karl-Marx-Straße - Alexanderstraße - Grunerstraße - Mühlendamm - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Platz - Potsdamer Straße - Reichpietschufer - Von-der-Heydt-Straße - Klingelhöferstraße - Hofjägerallee - Großer Stern - Straße des 17. Juni

Südliche Route (Abfahrt 8 Uhr): Königin-Luise-Straße 49 - Königin-Luise-Straße - Clayallee - Hohenzollerndamm - Teplitzer Straße - Hubertusallee - Kurfürstendamm - Joachimsthaler Straße - Hardenbergstraße - Ernst-Reuter-Platz - Straße des 17. Juni - Großer-Stern - Straße des 17. Juni

Nördliche Route (Abfahrt 8 Uhr): Hauptstr. 24 (Stadt Gut Blankenfelde) - Hauptstraße - Blankenfelder Chaussee - Dietzgenstraße – Hermann-Hesse-Straße - Grabbeallee – Schönholzer Straße - Wollankstraße - Prinzenallee - Badstraße - Brunnenstraße - Bernauer Straße - Julie-Wolfthorn-Straße - Am Nordbahnhof – Invalidenstraße – Alt-Moabit – Paulstraße – Spreeweg – Großer Stern – Straße des 17. Juni

Gemeinsame Route nach Zusammenführung (ab 10 Uhr): 
Yitzhak-Rabin-Straße - Scheidemannstraße - Dorotheenstraße - Wilhelmstraße - Unter den Linden - Glinkastraße - Französische Straße - Werderscher Markt (Auswärtiges Amt) - Schloßplatz - Breite Straße - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Straße - Ben-Gurion-Straße - Tiergartenstraße - Hofjägerallee – Großer Stern - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor

Route nach Kundgebung (ab ca. 12.30 Uhr) erneuter Aufzug über Ebertstraße - Hannah-Arendt-Straße -Wilhelmstraße - Behrenstraße - Friedrichstraße - Weidendammer Brücke - Friedrichstraße - Reinhardtstraße - Luisenstraße - Wilhelmstraße - Dorotheenstraße - Scheidemannstraße - Yitzhak-Rabin-Straße - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor

+++ 17. Januar +++

Grüne Woche: Messehalle wegen Schweinefleisch aus Russland gesperrt

Bei der Agrarmesse Grüne Woche ist am Freitag nach Veranstalterangaben eine Messehalle vorübergehend gesperrt worden, weil dort bei Kontrollen illegal eingeführtes Schweinefleisch aus Russland entdeckt wurde. Wie ein Messesprecher sagte, untersuchte das Veterinäramt den Bereich. An zwei Ständen seien Fleischprodukte beschlagnahmt worden. Insgesamt wurden an fünf Ständen Waren konfisziert, für die die Zollnachweise fehlten, darunter auch Milchprodukte. Die beschlagnahmten Waren hatten nach Messeangaben ein Volumen von 280 Liter.

Für Fleischprodukte aus Nicht-EU-Ländern gelten nach Angaben Bundesagrarministeriums Einfuhrverbote. Damit soll verhindert werden, dass Tierseuchen eingeschleppt werden, etwa die für Menschen ungefährliche Afrikanische Schweinepest. Die Russland-Halle war nach Messeangaben etwa zwei Stunden gesperrt, das Veterinäramt Charlottenburg-Wilmersdorf habe dies vorsorglich angeordnet. Besucher seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, betonten die Veranstalter.

Lesen Sie auch: Afrikanische Schweinepest: Der Weg der tödlichen Wurstzipfel >>

Bauern-Demo: Kundgebung in Berlin ist beendet - Trecker auf der Heimfahrt 

Gegen 15 Uhr war die Kundgebung der Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ am Endplatz vor der TU Berlin beendet und die Traktorfahrer machten sich auf den Heimweg. Kurz nach 16 Uhr verkündete die Verkehrsinformationszentrale, dass die Straße des 17. Juni vollständig geräumt und wieder für den Verkehr freigegeben sei. 

Demonstrationen gab es auch in zahlreichen anderen deutschen Städten, beispielsweise in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Sachsen und Hessen. Die größte Demonstration erwarteten die Organisatoren in Nürnberg, wo 5000 Traktorfahrer protestieren wollten.

Bauernprotest: 400 Traktoren rollen durch Berlin

Über drei Strecken aus Norden, Süden und Westen rollten die Trecker am Freitagvormittag aus Brandenburg in die Berliner Innenstadt und erreichten gegen 12.00 Uhr die Straße des 17. Juni. Nach Angaben der Veranstalter waren etwa 400 Traktoren dabei.

Zwischen Ernst-Reuter-Platz und Großer Stern war die Straße des 17. Juni in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Die Polizei hatte zuvor geraten, den Bereich weiträumig zu umfahren. Mit 350 Beamten regelte sie den Verkehr und von einem Hubschrauber aus beobachtete sie die Entwicklung aus der Luft.

In Berlin haben die Traktoren die Straße des 17. Juni erreicht.
Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Verkehrsinformationszentrale twitterte Fotos von langen Traktoren-Kolonnen, etwa auf der Heerstraße in Charlottenburg. Auf Plakaten an den Traktoren stand „Mit uns statt gegen uns“ oder auch „Sorry. Aber sonst werden wir nicht gehört“. An die Adresse von Politikern und Städtern hieß es: „Sie säen nicht. Sie ernten nicht. Doch sie wissen alles besser.“

Die 23-jährige Mit-Organisatorin Johanna Mandelkow sagte, auch am Straßenrand hätten viele Beobachter ihre Zustimmung und Unterstützung signalisiert. „Manche hielten Schilder hoch und bedankten sich bei uns Bauern.“

Berlins Bürgermeister: Proteste muss man aushalten

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat mit den wiederholten Bauernprotesten in der Hauptstadt kein Problem. „Es ist für Berlin natürlich auch wieder eine Belastung, aber es gehört dazu, dass die Bauern ihre Sichtweise und ihren Anspruch deutlich machen“, sagte Müller am Freitag beim Eröffnungsrundgang der Grünen Woche. „Das muss man auch aushalten.“

Der Bauernpräsident meinte, im Frühjahr wird sich das entspannen, weil es dann wieder andere Aufgaben gibt für die Bauern

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

Für Freitag und Samstag sind Demonstrationen mit starken Verkehrseinschränkungen im Stadtzentrum angekündigt. Erst im November hatten zahlreiche Traktoren den Verkehr in Berlin lahmgelegt. Müller sagte mit Blick auf die anstehende Feldarbeit der Landwirte: „Der Bauernpräsident meinte, im Frühjahr wird sich das entspannen, weil es dann wieder andere Aufgaben gibt für die Bauern.“

Die ersten Traktoren erreichen die Straße des 17. Juni

Die Traktorenkolonne der westlichen und südlichen Route sind nun auf der Straße des 17. Juni angekommen, wie die Verkehrsinformationszentrale Berlin via Twitter mitteilt. Auf der nördlichen Route kann es aktuell noch zu kurrzeitigen Verkehrseinschränkungen kommen, heißt es weiter. Die Berliner Polizei ist mit etwa 350 Polizisten im Einsatz.

Auf diesen Straßen kommt es Freitag zu Einschränkungen

Nördliche Route: Landesgrenze B2 Dorfstraße, Malchower Chaussee, Berliner Allee, Ostseestraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße, Seestraße, Amrumer Straße, Föhrer Straße, Putlitzbrücke, Stromstraße, Lessingstraße, Bachstraße

Südlichen Route: Landesgrenze B96 Kirchhainer Damm, Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm, Tempelhofer Damm, Platz der Luftbrücke, Mehringdamm, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Potsdamer Brücke, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallen

Westliche Route sind folgende Straßen betroffen: Landesgrenze B5 Hamburger Chaussee, B2 Heerstraße, Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Bismarckstraße

Greenpeace protestiert bei Grüner Woche gegen Ministerin Klöckner

Pünktlich zur Eröffnung der Agrar- und Verbrauchermesse Grüne Woche für Besucher haben am Freitagmorgen Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace vor dem Messegelände protestiert. Sieben Demonstranten kletterten auf das Dach der Eingangshalle und hielten dort ein Transparent mit dem Schriftzug hoch: „Schluss mit der Show, Frau Klöckner! Billigfleisch stoppen!“

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) weise dem Verbraucher die Verantwortung für die Herstellung von Fleisch zu. „Das geht einfach nicht. Das ist ihr Job, das zu verändern“, sagte Dirk Zimmermann von Greenpeace.

Erste Traktoren erreichen Berliner Innenstadt

Über drei Strecken aus Norden, Süden und Westen rollten die Traktoren am Freitagvormittag aus Brandenburg in die Berliner Innenstadt zur Straße des 17. Juni. Mittlerweile haben die ersten Traktoren die Innenstadt erreicht. 

Supermärkte verpflichten sich zu mehr Transparenz in Lieferketten

Sieben große Handelsketten haben sich zur Förderung existenzsichernder Einkommen für Erzeuger in Herkunftsländern verpflichtet. Eine entsprechende Erklärung für mehr Transparenz in ihren Lieferketten unterzeichneten Vertreter von Lidl, Aldi Süd und Nord, Kaufland, Rewe, DM und Tegut zusammen mit Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Freitag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.

Klöckner fordert Kompromisse von Agrar-Kritikern

Bundesagrarministerin Julia Klöckner.
Foto: AFP/Tobias Schwarz

Bundesagrarministerin Julia Klöckner fordert von den Kritikern der Landwirtschaft Kompromisse. Es sei wichtig, nicht an 100-Prozent-Forderungen festzuhalten, sagte Klöckner am Freitag auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. „Wir müssen Stadt und Land zusammen bringen“, sagte die CDU-Politikerin beim Eröffnungsrundgang. „Es ist notwendig wie nie zuvor, dass beide Seiten aufeinander zu gehen“, betonte Klöckner.

Bauernproteste in Brandenburg angelaufen

In Brandenburg haben sich am Freitagmorgen Landwirte mit fast 100 Traktoren auf den Weg nach Berlin gemacht, um gegen neue Düngevorschriften und für „faire Lebensmittelpreise“ zu demonstrieren. Wie die Polizei Brandenburg mitteilte, sind die Landwirte auf drei Routen auf dem Weg in die Hauptstadt. Etwa ein Drittel der Traktoren, die zum Zeitpunkt der Mitteilung in Brandenburg unterwegs waren, stamme allerdings aus Schleswig-Holstein, so die Polizei Brandenburg.

Die Bauern hätten sich in Ludwigslust in Schleswig-Holstein getroffen und seien von dort aus über Mecklenburg-Vorpommern zunächst nach Brandenburg gefahren. Dort würden sie sich mit einem der anderen drei Protestzüge vereinen, hieß es. Die Polizei erwartete am Freitagmorgen, dass die Traktor-Corsos gegen 11 Uhr Berlin erreichen. Verkehrsbehinderungen lagen nach Polizeiangaben zunächst nicht vor.

Trecker-Demo am Freitag: „Land schafft Verbindung“

Für Freitag hat der Bauernverband „Land schafft Verbindung“ zu bundesweiten Demonstrationen aufgerufen. Auch in Berlin werden laut Verkehrsinformationszentrale etwa 500 Traktoren erwartet. Gegen 13 Uhr ist eine Kundgebung am Ernst-Reuter-Platz in Berlin-Charlottenburg geplant, es wird mit etwa 10.000 Teilnehmer gerechnet.

Auf dem YouTube-Kanal erklärt Dirk Andresen, Sprecher von Land schafft Verbindung Deutschland, warum sie demonstrieren.

Video: YouTube/Land schafft Verbindung

Mit welchen Sperrungen ist am Freitag zu rechnen? 

Zwischen 11 und 19 Uhr ist die Straße des 17. Juni in beide Richtungen zwischen dem Ernst-Reuter-Platz und großen Stern (Siegessäule) gesperrt. Die Anreise der Traktoren erfolgt über drei Routen. Die Polizei empfiehlt, die Bereiche weiträumig zu umfahren oder auf den S- und U-Bahn-Verkehr umzusteigen.

Auf diesen Straßen kommt es Freitag zu Einschränkungen

Nördliche Route: Landesgrenze B2 Dorfstraße, Malchower Chaussee, Berliner Allee, Ostseestraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße, Seestraße, Amrumer Straße, Föhrer Straße, Putlitzbrücke, Stromstraße, Lessingstraße, Bachstraße

Südlichen Route: Landesgrenze B96 Kirchhainer Damm, Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm, Tempelhofer Damm, Platz der Luftbrücke, Mehringdamm, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Potsdamer Brücke, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallen

Westliche Route sind folgende Straßen betroffen: Landesgrenze B5 Hamburger Chaussee, B2 Heerstraße, Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Bismarckstraße

Bauern-Demo am Samstag: „Wir haben es satt!“

Am Samstag ruft das Bündnis „Wir haben es satt!“ zum zehnten Mal zur Demonstration rund um das Brandenburger Tor auf. Die Veranstalter erwarten mindestens 15.000 Teilnehmer sowie 100 Traktoren, die den Protestzug anführen sollen, wie Saskia Richartz, Sprecherin des Bündnisses, am Montag in Berlin sagte.

Mit welchen Sperrungen ist am Samstag zu rechnen?

Am Samstagmorgen sollen die Traktorkolonnen von drei Sammelpunkten aus - nördlich, östlich und südlich von Berlin - Richtung Innenstadt starten. Geplant ist, dass sich die Landwirte gegen 10 Uhr auf der Straße des 17. Juni sammeln.

Um 12 Uhr soll es eine Auftaktkundgebung vor dem Brandenburger Tor geben, bevor die Demonstranten durch Berlin-Mitte ziehen. Verkehrsteilnehmer müssen in dieser Zeit mit Einschränkungen rechnen.

Auf diesen Straßen kommt es Samstag zu Einschränkungen

Östliche Route (Abfahrt 7.30 Uhr): Gewerbegebiet Vogelsdorf - Grünerlinder Weg - Frankfurter Chaussee - Alt-Mahlsdorf - Alt-Kaulsdorf - Alt-Biesdorf - Alt-Friedrichsfelde - Frankfurter Allee - Karl-Marx-Straße - Alexanderstraße - Grunerstraße - Mühlendamm - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Platz - Potsdamer Straße - Reichpietschufer - Von-der-Heydt-Straße - Klingelhöferstraße - Hofjägerallee - Großer Stern - Straße des 17. Juni

Südliche Route (Abfahrt 8 Uhr): Königin-Luise-Straße 49 - Königin-Luise-Straße - Clayallee - Hohenzollerndamm - Teplitzer Straße - Hubertusallee - Kurfürstendamm - Joachimsthaler Straße - Hardenbergstraße - Ernst-Reuter-Platz - Straße des 17. Juni - Großer-Stern - Straße des 17. Juni

Nördliche Route (Abfahrt 8 Uhr): Hauptstr. 24 (Stadt Gut Blankenfelde) - Hauptstraße - Blankenfelder Chaussee - Dietzgenstraße – Hermann-Hesse-Straße - Grabbeallee – Schönholzer Straße - Wollankstraße - Prinzenallee - Badstraße - Brunnenstraße - Bernauer Straße - Julie-Wolfthorn-Straße - Am Nordbahnhof – Invalidenstraße – Alt-Moabit – Paulstraße – Spreeweg – Großer Stern – Straße des 17. Juni

Gemeinsame Route nach Zusammenführung (ab 10 Uhr): 
Yitzhak-Rabin-Straße - Scheidemannstraße - Dorotheenstraße - Wilhelmstraße - Unter den Linden - Glinkastraße - Französische Straße - Werderscher Markt (Auswärtiges Amt) - Schloßplatz - Breite Straße - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Straße - Ben-Gurion-Straße - Tiergartenstraße - Hofjägerallee – Großer Stern - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor

Route nach Kundgebung (ab ca. 12.30 Uhr) erneuter Aufzug über Ebertstraße - Hannah-Arendt-Straße -Wilhelmstraße - Behrenstraße - Friedrichstraße - Weidendammer Brücke - Friedrichstraße - Reinhardtstraße - Luisenstraße - Wilhelmstraße - Dorotheenstraße - Scheidemannstraße - Yitzhak-Rabin-Straße - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor

Lebensmittelhändler wollen Lieferketten transparent machen

Anlässlich der Grünen Woche in Berlin will sich eine Arbeitsgruppe mehrerer deutscher Lebensmittelhändlern dafür einsetzen, dass Bauern in weltweiten Lieferketten existenzsichernde Löhne erhalten. Vertreter von Aldi, Lidl, Kaufland, Rewe, DM und Tegut wollen dazu am Freitag (10.00 Uhr) gemeinsam mit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) eine freiwillige Erklärung unterzeichnen.

Die Unternehmen wollen laut dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag, dazu beitragen, „Bauern- und Arbeiterfamilien in globalen Lieferketten einen menschenwürdigen Lebensstandard zu ermöglichen“. Zunächst wollen sich die Unternehmen dabei auf die Produktion ihrer Eigenmarken beschränken. Deren Lieferketten sollen transparenter werden.

Klöckner verteidigt Tierwohlkennzeichen auf freiwilliger Basis

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat kurz vor Beginn der Grünen Woche ein Tierwohlkennzeichen auf freiwilliger Basis verteidigt. „Fleisch zu Tiefstpreisen, das rechnet sich weder für den Verbraucher noch für den Tierhalter“, sagte Klöckner am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Ihr gehe es beim Tierwohl um einen Mix, sowohl staatliche Rahmenbedingungen zu schaffen, als auch Verbraucher in die Pflicht zu nehmen. „Wenn wir auf Dauer Billigstfleisch haben, dann kann da nicht viel Tierwohl drin stecken“. Das Tierwohlkennzeichen wird von Verbänden kritisiert, weil es auf Freiwilligkeit basiert - sie fordern Verbindlichkeit.

Die Grüne Woche eröffnet am Freitag für Besucher ihre Tore. Erwartet werden bis zum 26. Januar rund 400 000 Besucher. 1800 Aussteller aus 72 Ländern sind registriert.

Rund um die Messe haben verschiedene Bündnisse Demonstrationen angemeldet. Am Freitag will die Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ mit Traktoren in mehreren deutschen Städten protestieren. Für Samstag ist in Berlin zum zehnten Mal eine Demonstration der Initiative „Wir haben es satt!“ geplant, an der sich Umwelt- und Tierschützer sowie Landwirte beteiligen wollen. (dpa)


Hintergrund: Die Internationale Grüne Woche

Am 17. Januar 2020 startet die grüne Woche in Berlin.
Foto: Imago Images

Anlass der Proteste ist die Agrarmesse Grüne Woche, die am Freitag startet und bis zum 26. Januar geht. Es werden rund 400.000 Besucher erwartet und mehr als 1800 Aussteller aus Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Gartenbau präsentieren sich. Partnerland ist dieses Jahr Kroatien.

Datum und Preise

Die Grüne Woche: Die Messe findet vom 17. bis zum 26. Januar statt. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr und am Freitag, 24. Januar, bis 20 Uhr. Die Adresse lautet Messegelände Berlin, Messedamm 22, Hallen 1-27.

Die Tickets: Eintrittskarten gibt es über die Website der Grünen Woche (www.gruenewoche.de) oder an der Tageskasse. Sie kosten 15 Euro für eine Tageskarte und 31 Euro für eine Familienkarte für maximal zwei Erwachsene und drei Kinder bis 14 Jahre.

Lesen Sie hier: Die wichtigsten Besucher-Infos zur Grünen Woche>>

Die Branche informiert traditionell über Lebensmittelproduktion und neue Agrartechnik. Viele Aussteller wollen außerdem zeigen, wie Lebensmittel nachhaltiger produziert werden können. „Nie zuvor stand die Grüne Woche so stark im Zeichen der Klimadebatte“, hatte Messechef Christian Göke gesagt.