Berlin - Ich habe einen neuen Corona-Modetrend entdeckt: den lässig-entspannten Masken-Look. Auf unseren Straßen sehe ich, wie verschieden Menschen die medizinischen Masken tragen, wenn sie sie gerade nicht aufsetzen müssen: über den Oberarm gestreift – als Flügel oder Segel – oder als Käppchen überm Ellenbogen. Manche tragen sie auch an den Gummibändchen in der Hand, wie ein leeres Osterkörbchen.

Andere lassen sie einfach von einem Ohr hängen, wie einen überdimensionierten Designer-Ohrring. Andere schieben die Maske unters Kinn, wie ein gerafftes Sabberlätzchen. Man könnte sie auch um die Wade zurren, am Knopf vor dem Bauch baumeln lassen oder auf den Kopf schieben, als Stirnband oder Häubchen.

 Harmsen
Die Maske als Käppchen überm Ellenbogen.

„So richtich lustich is dit allet nich“, blafft mein innerer Berliner dazwischen. „Ick seh eher den Trend: Maske einfach fallenlassen! Wenn de durch de Straßen loofst, siehste se überall – an Sträucha hängen, uffn Weg jeschmissen, dreckig, plattjelatscht. Manche Leute sind sooo schwach, det se nich mal uff alle Viere zum nächsten Mülleima krauchen könn! Aba warum schmeißen se die Dinga übahaupt weg? Man könnt doch wat Schönet draus machen. Ick sammel schon vaschiedene Farben für ne Jirlande zu Silvesta.“

Ja, da spricht er was an, mein innerer Berliner. Wer hätte je gedacht, dass Klinik-Utensilien wie medizinische Masken einmal Bastler und Tüftler zu höchster Kreativität anregen könnten? Das ist so, als baue Tante Irmgard fürs nächste Familienfest einen Käseigel mit Impfkanülen statt Plastik-Spießchen.

Im Internet stößt man auf lauter Bastelideen rund um gebrauchte Corona-Masken. Aus ihnen entstehen „Aufbewahrungs-Duftsäckchen“, Haarschmuck in Blütenform, mit Erde gefüllte kleine Blumentöpfe oder ganze Maskenblumen-Arrangements. Die medizinische Lifestyle-Industrie fördert das alles, indem sie Masken in allen Farben anbietet. So macht Pandemie Spaß!

Aber warum nicht größer denken? Überlegen wir doch mal, was da an Stoff zusammenkommt. Eine OP-Maske besitzt etwa die Maße von 9 mal 18 Zentimetern. Wenn jeder der etwa 83 Millionen Deutschen (die 4,76 Millionen bis zu Fünfjährigen mal abgezogen) nur fünf Masken verbraucht, kann man diese zu einer Fläche von etwa 6,3 Quadratkilometern zusammenlegen – falls ich mich nicht verrechnet habe.

Wie viele hässliche Gebäude Berlins ließen sich damit verhüllen! Der große Einpacker Christo – Gott hab ihn selig – wäre ganz gewiss neidisch.