Der Name klingt nicht gerade romantisch: Von der Baumschulenstraße am Treptower Plänterwald kreuzt das Fährschiff der Linie F11 der Berliner Verkehrsbetriebe die Spree. Dabei könnte die Fahrt idyllischer kaum sein, besonders, wenn die Sonne scheint und das Wasser glitzert. Es ist die älteste noch existierende Fährverbindung der Stadt. Und bald wird es sie nicht mehr geben.

Radweg übers Wasser

Seit der Gewerbeausstellung 1896 gondelt das Boot auf dem Fluss hin und her, bringt Fußgänger und Radler zwischen Baumschulenweg und Oberschöneweide über das Wasser – auch die Anlieger, die in der Siedlung Wilhelmstrand wohnen. Erst gehörte der Kahn dem Gasthaus „Spreeschloss“, ab den 1960er-Jahren den VEB Fahrgastschifffahrt Berlin, später der BVG.

Ende 2017 soll Schluss sein mit der Schipperei, teilte der Senat mit. Denn in der Nähe entsteht eine neue Spree-Überführung, die Minna-Todenhagen-Brücke. Wenn es eine Brücke gibt, wer braucht dann die Fähre? Aus Sicht der Politiker lohnt sie sich nicht mehr. Busse sollen beide Seiten verbinden.

„Ich sehe überhaupt keinen Grund, die Fährverbindung einzustellen“, sagt Reiner Wuttke. Er wohnt eigentlich in Britz. Der 70-Jährige steht vor dem „Spreeschlösschen“ in Sichtweite des Anlegers. Er habe gehört, was passieren soll und sei extra hierher gekommen, um einen Protestbrief zu unterschreiben, erzählt er.

Der Europa-Radweg R1 führt über die Fähre

Denn in den Reihen der Anwohner regt sich Widerstand. Viele geben sich kämpferisch, man sammelt Unterschriften, 6000 sind bisher zusammen gekommen. Noch hoffen die Anwohner, das Ende der alten Fährverbindung abwenden zu können.

Viele Anwohner wollen den Senat bremsen. Ihre Argumente: „Die Fähre ist eine Solarfähre, die keinen Diesel verbraucht. Das Argument, dass nicht viele damit fahren, ist Humbug, dann müsste man auch die Nachtbusse einstellen.“ Und: Der Europa-Radweg R1 führt über die Fähre. „Den müsste man umleiten. Quatsch!“ Die Passage über die Spree dauert nicht länger als zwei Minuten. Es ist die kürzeste aller Fährverbindungen in Berlin. 29 Personen und zehn Fahrräder haben auf dem Boot Platz. Viele Jahre diente die Fähre über die Spree auch dem Berufsverkehr. Lag doch gleich hinter der Gartenkolonie Wilhelmstrand das Funkhaus Nalepastraße, wo der DDR-Rundfunk seinen Sitz hatte. Wer vom S-Bahnhof Baumschulenweg kam, musste übers Wasser.

"Die Fähre für mich der kürzeste Arbeitsweg"

Andrea Barnekow-Muschick zog vor sechs Jahren mit ihrem Mann auf ein Grundstück in der Nähe, vorher wohnten sie auf der anderen Seite der Spree. „Dort ist noch heute unser Kiez. Außerdem ist die Fähre für mich der kürzeste Arbeitsweg“, sagt sie. „Ich bin darauf angewiesen. Ich arbeite in der häuslichen Krankenpflege. Wenn mein Weg länger wird, werde ich zwei Patienten abgeben müssen, weil die Zeit nicht reicht.“ Nach einem Unfall muss sie derzeit ständig zur Physiotherapie auf der anderen Spree-Seite.

Der Vorwurf der Anlieger an den Senat ist hart. Ein BVG-Mitarbeiter habe gesagt, es gehe schließlich nur um eine Gartenanlage. „Dass aber hier auch viele Leute dauerhaft wohnen, wird nicht beachtet“.

Auch ein Stück Berliner Geschichte geht verloren

Während Andrea Barnekow-Muschick erzählt, hält die Fähre am Anleger, Leute steigen ein und aus. Eine ältere Anwohnerin kommt vom Einkaufen, zieht einen Rollkoffer hinter sich her. Gerade für alte Menschen werde es schwierig, wenn sie den Umweg über die Brücke nehmen müssten, sagt Barnekow-Muschick. Auch Besucher kämen gern mit der Fähre. Und erholsam sei die Fahrt zudem.

Auch ein Stück Berliner Geschichte gehe verloren, darum wolle man kämpfen, sagt Barnekow-Muschick. Anwohner hätten in der Vergangenheit Vorschläge erarbeitet, die Fährlinie auszubauen – so hätte das Schiff auch den ehemaligen Spreepark anfahren können, wenn das Gelände wieder öffnet. Das wäre ja auch super für den Tourismus gewesen, sagt Bernhard Muschick, ihr Ehemann. „Aber wenn die Linie einmal weg ist, ist sie weg.“