Berlin - Kamille, Beifuß und Ringelblume sind bewährte Arzneipflanzen. Mediziner empfehlen sie unter anderem als Mittel zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung. Was liegt also näher, als die drei Heilkräuter in ein Ärztehaus zu bringen? Zehn riesige Exemplare in Gelb, Weiß und Orange, jedes davon 600 Kilogramm schwer und bis zu zwölf Meter hoch, sind seit kurzem am Ärztehaus an der Elsenstraße 1 in Treptow zu bestaunen. Unübersehbar für alle, die vom S-Bahnhof Treptower Park kommen oder auf der Elsenbrücke unterwegs sind, stehen sie dort an der Fassade.

Geschaffen hat die Pflanzen aus Stahl und Spezialkunststoff der Berliner Pop-Art-Künstler Sergej Alexander Dott. Der ist bekannt durch ungewöhnliche Projekte. Sein wohl bekanntestes waren riesige Kuh-Skulpturen, die er 1999 senkrecht an einer Brandmauer am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg aufstellte. In Weißensee und Wedding stattete er mehrere Hausfassaden mit bunten Tiermotiven aus. Auftraggeber dort wie in Treptow war die Berliner Immobilien-Projektentwicklungsfirma Sparkling AG. Sie hatte das Treptower Haus, Baujahr 1880, vor einigen Jahren gekauft. Zu DDR-Zeiten beherbergte das Gebäude die Betriebspoliklinik der benachbarten Elektro und Apparate Werke Treptow (EAW). An deren Stelle steht jetzt der Allianz-Tower.

Vor zwei Jahren begann man mit der Sanierung des Hauses. „Wir versuchen nicht, Kunst am Bau, sondern Kunst mit dem Bau zu entwickeln“, sagt Sparkling-Vorstandsmitglied Christian Kunzendorf. Im Haus, an dem die Riesenblumen befestigt sind, wurden neue Stahlträger eingezogen, um die Statik zu gewährleisten. Auch im Innern wird das Pop-Art-Projekt bald erlebbar sein: Im Frühjahr soll es in den acht Arztpraxen Hinweise und Informationen zu den Heilpflanzen geben. Auch die Treptower Kunstszene soll profitieren. Deshalb werden die zehn Fassaden-Pflanzen jetzt versteigert. Symbolisch, versteht sich. Die Blumen selbst bleiben am Ort, doch wer mindestens 1 000 Euro bezahlt, wird mit einem Namensschild und einem dauerhaften Metallsiegel an „seiner“ Pflanze geehrt.

Zwei Blumen sind schon weg. Der Erlös von 2000 Euro kommt wie alle folgenden Spenden vier gemeinnützigen Kulturprojekten zugute: dem Figurentheater Grashüpfer im Treptower Park, dem Indu-striesalon in Oberschöneweide, der Werkstatt Künstlerische Lithographie sowie der Kleinkunstbühne Corbo in Alt-Treptow.

Informationen zum Kunstprojekt: www.riesenblumen.de