Das Eingeständnis kam fast beiläufig: Auf der letzten Sitzung des alten Bezirksparlaments am vergangenen Donnerstag teilte Kulturstadtrat Michael Vogel mit, er werde eine Amts-Anweisung zurücknehmen, nach der Aktdarstellungen in allen Dienstgebäuden des Bezirks verboten sind. Diese Anweisung sei ein Fehler gewesen, sagte der Politiker, der für die CDU im Bezirksamt Treptow-Köpenick sitzt.

Seine jüngste Erklärung war eine radikale Kehrtwendung. Noch im Frühjahr ließ der Stadtrat zwei Aktfotos aus einer Ausstellung im Köpenicker Rathaus abhängen. Seine Begründung damals: Mitarbeiterinnen und Besucherinnen hätten sich beschwert, Migranten könnten sich in religiösen Gefühlen verletzt sehen. Damals hatte sich Vogel über den Beschluss der Bezirksverordneten hinweg gesetzt, die gegen jegliche Zensur von Kunst votiert hatten.

Vier Wahlgänge

Die jetzige Erklärung war aber mehr als das Eingeständnis eines Fehlers. Sie war vor allem ein Appell an die Bezirksverordneten, ihn erneut zum Stadtrat zu wählen. Denn Michael Vogel, der Spitzenkandidat der CDU im Bezirk, gilt in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) parteiübergreifend als kaum durchsetzbar. Schon bei der ersten Wahl vor zwei Jahren brauchte er vier Wahlgänge, ehe er nur knapp bestätigt wurde. Diesmal, so signalisierten Vertreter mehrerer Fraktionen, werde man sich nicht wieder „breitschlagen lassen“. Zu lange schon gärt die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Stadtrates. Es sei nicht nur sein beklagenswerter Umgang mit der Freiheit der Kunst und die völlige Ignoranz gegenüber Beschlüssen des Bezirksparlaments. Es fehle auch noch immer ein lange angemahntes Konzept für die Entwicklung von Kultur und Weiterbildung im Bezirk.

Druck der Partei

Selbst in der eigenen Partei wächst der Unmut. Hinter vorgehaltener Hand sagen CDU-Mitglieder, der 49-jährige KfZ-Meister aus Altglienicke wäre nicht Stadtrat und schon gar nicht erneut Spitzenkandidat geworden, wenn seine Frau, Katrin Vogel, nicht die CDU-Kreisvorsitzende wäre. Trotz dieses offensichtlichen Drucks gilt eine Wiederwahl Vogels zum Stadtrat inzwischen auch unter Christdemokraten als „schwierig bis unmöglich“. Partei und Fraktion seien gut beraten, heißt es, einen neuen Personal-Vorschlag zu machen. Am heutigen Dienstag will sich die CDU-Fraktion in Treptow-Köpenick konstituieren. Es ist möglich, dass es dann schon einen neuen Stadtratskandidaten geben wird.