Vor rund zwei Wochen zogen 66 Mitarbeiter des Jugendamtes von Treptow-Köpenick in ihre frisch renovierten Büros in Adlershof. Nur wenige Tage später meldeten sich die Ersten von ihnen krank. Sie klagten über Kopfschmerzen, brennende Augen, Übelkeit und Hautausschläge, wie der Jugendstadtrat Gernot Klemm (Linke) am Dienstag sagte. Insgesamt mussten 43 Mitarbeiter ärztlich behandelt werden, neun von ihnen sind für längere Zeit krankgeschrieben. Klemm: „Wir haben daraufhin vorige Woche die betroffenen Büros im Dienstgebäude an der Straße Zum Großen Windkanal 4 gesperrt.“

Auf der Internetseite des Bezirksamtes ist von einer Havarie die Rede – deshalb fielen bis auf Weiteres alle Sprechzeiten des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes aus, heißt es. Doch die Krankheitszeichen deuten wohl eher auf eine Vergiftung hin – hervorgerufen möglicherweise durch die Renovierungsarbeiten. „Vielleicht treten Giftstoffe aus den Fußbodenbelägen aus“, mutmaßte Klemm. Doch die Beläge wurden gar nicht erneuert. Ursache könnten auch falsch verwendete Lacke bei den Malerarbeiten oder unverdünnte Reinigungsmittel bei der anschließenden Reinigung sein. Im selben Haus hatten Anfang des Jahres Mitarbeiter schon mal nach einer Grundreinigung über Kopfschmerzen geklagt. Um genau zu erfahren, was die Mitarbeiter krank gemacht hat, wurde eine Messung von Gift- und Schadstoffen durch das zuständige Landeslabor Berlin-Brandenburg veranlasst. Am Montag wurden Proben von 170 Stoffen genommen. Die Auswertung soll bis zum Jahresende dauern.

Anlaufstelle für Familien in Not

Der Sozialpädagogische Dienst des Jugendamtes ist die erste Anlaufstelle für Familien in Not sowie für Kinder und Jugendliche mit familiären Problemen. Dort werden sie über Beratungs- und Hilfsangebote informiert, dort wird über individuelle Erziehungshilfen entschieden. Da die Büros erst mal gesperrt bleiben, richtete der Bezirk am Dienstag einen telefonischen Notdienst ein (T. 90297–6213/ –6214/ –6215). Ein Krisendienst, der sich um vernachlässigte oder gefährdete Kinder kümmert, wurde in anderen Räumen untergebracht (Zum Großen Windkanal 4, T. 90297–55 555). Er soll nahezu ohne Einschränkungen arbeitsfähig sein und ist auch per E-Mail erreichbar: kinderschutz@ba-tk.berlin.de.

Beratungen und Konferenzen der Mitarbeiter finden derzeit in an anderen Orten statt, zum Beispiel in Jugendclubs. „Parallel dazu bereiten wir einen Umzug der betroffenen Mitarbeiter vor“, sagte Stadtrat Klemm. In etwa zwei Wochen sollen alle betroffenen 66 Kollegen in ein Mietobjekt nach Oberschöneweide ziehen.

Wann in den Büros in Adlershof wieder gearbeitet werden kann und wer schließlich dafür sorgen muss, ist derzeit völlig offen.