Treptower Park in Berlin: Denkmalschutzbehörde legt Veto gegen Lollapalooza ein

Berlin - Es geht um Sicherheit und Verkehr, um Lärm, Denkmalschutz und um die Grünanlagen: 16 Ämter im Senat und im Bezirk müssen ihr Okay geben, damit das Musikfestival Lollapalooza am 10. und 11. September im Treptower Park stattfinden kann.

An beiden Tagen sollen 45 Bands auf vier Bühnen auftreten; 140.000 Besucher werden erwartet. Der zweite Festivaltag, für den unter anderen Radiohead, Beginner und James Blake angekündigt sind, ist bereits ausverkauft. Und das, obwohl knapp drei Wochen vorher noch immer keine Genehmigung für die Großveranstaltung vorliegt.

Denkmalschutzbehörde hat die Genehmigung verweigert

Jetzt gibt es sogar die erste Absage. Die Denkmalschutzbehörde des Bezirks Treptow-Köpenick hat nach Information der Berliner Zeitung eine Genehmigung versagt. Man könne den gebotenen Schutz des Gartendenkmals Treptower Park nicht gewährleisten, heißt es. Die Absage liegt inzwischen beim Landesdenkmalamt, das der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstellt ist. Sollten auch die obersten Denkmalschützer Einspruch erheben, kann der zuständige Senator Andreas Geisel (SPD) eine Genehmigung anweisen.

Das Festival, das es seit 25 Jahren in den USA gibt, hatte 2015 seine erfolgreiche Berlin-Premiere. Auf dem Vorfeld des stillgelegten Flughafens Tempelhof tanzten Zehntausende. Weil in den Hangars jetzt Flüchtlinge wohnen, musste ein Ausweichort her – die Tempelhof Projekt GmbH und der Veranstalter, die FRHUG Festival GmbH & Co. KG, haben einen Dreijahresvertrag  abgeschlossen. Sagt Berlin ab, würde Schadensersatz in Millionenhöhe fällig.

Es gab massive Proteste

Nach Prüfung von insgesamt elf Standorten kam man auf den Treptower Park. Dort soll das Lollapalooza nur einmal stattfinden, wurde versprochen. Dennoch gibt es massive Proteste.  Anwohner wollen gegen das Festival klagen, sie befürchten nachhaltige Schäden am Gartendenkmal.

Dieses wird gerade für 13,5 Millionen Euro saniert. Auch deshalb, so heißt es im Bezirk, mache man sich die Entscheidung darüber, ob Lollapalooza mit dem Schutz der Grünanlagen zu vereinbaren ist, nicht leicht. Die Entscheidung soll nächste Woche fallen. Erst danach gelten mögliche Genehmigungen  der übrigen Behörden.

90 Dezibel gelten als zumutbar

Ein rund 100-seitiger Entwurf für ein Sicherheitskonzept, das auch den Schutz des Treptower Ehrenmals umfasst, wird derzeit von Polizei und Feuerwehr geprüft. Beim Thema Lärmschutz gibt es den Entwurf einer Genehmigung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom 4. August, der der Berliner Zeitung vorliegt. Danach wird für beide Festivaltage eine Lärmbelastung von 90 Dezibel für die Nachbarn als zumutbar angesehen.

Der Lärmpegel entspricht dem eines fahrenden Lkw oder einer lauten Fabrikhalle. Auch bei geschlossenem Fenster werde die Kommunikation in den Wohnungen stark beeinträchtigt sein, heißt es. Dennoch wird Lollapalooza als Veranstaltung von herausragender Bedeutung  mit besonderem Gewicht für Berlin eingestuft – wenn Ausweichquartiere für Anwohner angeboten werden. Lollapalooza hat rund 200 Anwohnern Hotelaufenthalte für drei Tage angeboten. Dafür gebe es kaum Interessenten, sagt Festivalsprecher Tommy Nick. Laut Senatspapier müssen jetzt weiteren Anwohnern, vor allem auf der Halbinsel Stralau, Ersatzquartiere angeboten werden. Tommy Nick ist trotz aller Hürden zuversichtlich: „Wir denken, dass wir wie geplant am 29. August mit dem Aufbau beginnen können.“