Einen Triathleten stellt man sich muskulös vor, strotzend vor Kraft. Kämpft sich so einer nicht durch reißende Fluten, bevor er auf sein Fahrrad springt, um dann noch kilometerweit zu rennen? Das muss doch Spuren hinterlassen auf einem Körper. Muskeln. Ein Triathlet sieht doch nicht aus wie Ian Manthey. 19 Jahre alt, dünn. Federleicht scheint er zu sein, so wie er da zwischen zwei Trainingseinheiten auf einem wackeligen Holzgeländer vor den Hallen am Borsigturm in Reinickendorf hockt.

Aber der junge Mann könnte vermutlich all die Passanten, die an diesem Tag an ihm vorbei in das Einkaufszentrum strömen, in die Tasche stecken. Laufen, radeln, schwimmen, da macht ihm kaum einer was vor. Manthey startet beim Berlin Triathlon am kommenden Sonntag im Treptower Park.

Jeder kann teilnehmen, der schwimmen, Rad fahren und laufen kann, sagen die Veranstalter. Man kann sich sogar am Wettkampftag noch melden. Allerdings sollten alle Teilnehmer in der Lage sein, einmal rund um die Insel der Jugend – 750 Meter – zu schwimmen. Dann müssen 20 Kilometer auf dem Fahrrad zurück gelegt werden, immer im Kreis herum südlich des Plänterwalds. Schließlich sind noch fünf Kilometer zu laufen. Pausen gibt es keine. Ian Manthey startet für die Bundesliga, nicht in einem Jedermann-Rennen. Jedes Jahr ist Berlin-Triathlon. Die Bundesliga ist allerdings zum ersten Mal dabei.

Sport über alles

Ian Manthey liebt seinen Sport. „Für mich ist es das Ein und Alles“, sagt er. Das hat mit seiner Lebenssituation zu tun. Im vergangenen Jahr machte er Abitur, einen Studienplatz hat er noch nicht. Er hat jetzt nur den Sport. Zahnmedizin will er studieren. Vielleicht kann er das mit seinem Sport kombinieren. Hofft er. Es wird ihn auf jeden Fall viel Selbstdisziplin kosten. Denn im Grunde ist Leistungssport ja ein Fulltime-Job. Und das auch noch in drei Sportarten. Vor allem wenn man gleichzeitig in der 1. und 2. Bundesliga, an deutschen und Europa-Meisterschaften teilnimmt und sich eines Tages sogar Olympia vorstellen könnte wie Ian Manthey.

Sein Trainingsprogramm wirkt hart – für Außenstehende jedenfalls. „Montags ist nur Schwimmen, da haben die anderen Sportarten Pause“, sagt Manthey. Dafür werde dienstags und mittwochs in mehreren Disziplinen intensiv trainiert. Donnerstags stünden nur zwei Sportarten an und die auch etwas bedächtiger. Der Freitag sei mit nur einer Sache quasi ein Ruhetag. Sonnabend folge Kadertraining in Schwimmen und Laufen. „Sonntags fahre ich drei bis vier Stunden Rad. Ein ruhiger Tag“, sagt Ian Manthey.

Wenn er eines Tages berufstätig ist, will er es wie sein Vater machen. Der ist Zahntechniker und auch Triathlet. Morgens vor der Arbeit gehe er zwei Stunden Radfahren, sagt Ian. Wahrscheinlich kann man im Sport nur so weit kommen, wenn man sportbegeisterte Eltern hat wie Ian. Der Vater ist Kanurennfahrer, die Mutter spielt Hockey. Ian wohnt in Schildow in Brandenburg. Er hat früh angefangen mit Schwimmen, seit 2005 macht er Triathlon. Dann ging es schnell: Schülercup, deutsche Meisterschaften, Berlin-Kader, EM-Qualifikation, Nationalmannschaft. Es ging wohl zu schnell. Der Körper rebellierte, als das Training plötzlich bei 20 bis 30 Stunden pro Woche lag. Er brauchte eine Pause.

Fit nach dem Dauerlauf

Aber jetzt ist er voll da. Bestreitet Nebenwettkämpfe aus dem Training heraus und bereitet sich nur auf wichtige Rennen gezielt vor. An diesem Tag, einem Mittwoch, ist er bereits dreimal 200 Meter und dreimal 800 Meter gelaufen. Ian nennt das einen Reiz setzen. Es ist 13.30 Uhr. Ian wirkt fit und entspannt.

Man braucht auch Geld, wenn man Triathlon betreiben will. Ständig hat Ian Hunger. Das liege nicht daran, dass er Vegetarier ist, sagt er, sondern an seinem immensen Kalorienverbrauch. Dauernd braucht er neue Laufschuhe, Badehosen, Schwimmbrillen. Und ein gutes Rad braucht er auch. „Die Älteren machen körperliche Defizite oft mit High-Tech wett“, sagt Ian. Denn die meisten Triathleten seien zwischen 30 und 40 Jahre alt. Nicht 19 wie er.

Am Sonntag wird Ian Manthey um 8 Uhr in Treptow aufschlagen. Er wird sich warm fahren auf dem Rad und sein Gefährt dann mit Laufschuhen und Helm in der Wechselzone bereit legen. Einlaufen, einschwimmen, die Herren der Bundesliga starten um 10 Uhr. „Es wird Gerangel geben an der Startlinie. Man muss schnell losschwimmen“, sagt Ian. Beim Schwimmen gehe es schließlich um die gute Ausgangsposition fürs Radfahren. Und schnell sei man im Wasser eben nur ohne überflüssige Muskelberge, sagt Ian. „Man braucht nur Kraft.“