Dem Rentner wurden mehrere teure Uhren gestohlen.
Foto: obs/Defakto Uhren/David Heitz

BerlinEin falscher Polizist hat Anfang Dezember einem Senior in Dahlem eine hochwertige Uhrensammlung entwendet. 18 Zeitmesser im Gesamtwert von mehreren Zehntausend Euro ist der 84 Jahre alte Sammler nun los. Die Polizei bittet seit Freitag um Mithilfe bei der Wiederbeschaffung der Uhren der Firma Patek Philippe SA mit Sitz in Genf. Die Uhren wurden zwischen 1994 und 2013 hergestellt.

Der Betrug ereignete sich am 2. Dezember, gegen 12 Uhr mittags. In der Wohnung des Sammlers klingelte das Telefon. Der Senior nahm den Hörer ab. Am anderen Ende meldete sich eine Frau und sagte, dass sie von der Polizei sei und ihn warnen wolle. In der Nachbarschaft, so die Frau, seien mehrere Einbrecher unterwegs. Einer von ihnen sei jetzt gefasst worden. In seiner Jacke habe man einen Zettel gefunden, auf dem sein Name sowie seine Adresse stehen, so die angebliche Polizistin.

Polizei fragt nach Hinweisen

Wie die Täter auf den Namen, die Adresse sowie auf seine Sammelleidenschaft gestoßen sind, wüsste sie noch nicht, so die Anruferin. Sie riet dem Rentner, die Uhren in einem Behälter vor der Wohnungstür abzustellen. Ein Kollege von ihr würde sie abholen und zum Schutz zu ihr in die Dienststelle bringen, wo die teuren Stücke sicher seien. Der Mann tat wie ihm geraten. Kurz darauf waren die Sammlerstücke weg. Ein Komplize der Frau oder sie selbst hatte sie abgeholt.

Die Polizei fragt nun: Wo sind die Uhren aufgefallen oder wem wurden sie zum Kauf, zum Tausch oder als Pfand angeboten? Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Das Team Hermelin

Seit zwei Jahren praktizieren Betrüger diese Masche in Berlin. Mittlerweile hat die echte Polizei eine Ermittlungsgruppe gebildet, deren Fahnder sich nur um solche Fälle kümmern. Das Team heißt Hermelin.

Die Opfer sind zumeist ältere Menschen, die in sanierten, bürgerlichen Häusern wohnen. Das deute daraufhin, dass die Opfer nicht unvermögend sind, sagen Ermittler. „Viele von ihnen besitzen Wertsachen und bewahren sie auch zu Hause auf. Die Fahnder gehen davon aus, dass die Betrüger die Adressen ihrer Opfer sowie deren Namen aus dem Telefonbuch haben. Männer werden dabei seltener kontaktiert, weil sie misstrauischer sind, so die Fahnder.

Tipps zum Schutz

Die Täter konzentrieren sich bei der Suche auf Frauen mit altmodischen Vornamen wie Elfriede, Ilse, Gerda oder Hermine – weil sie vermuten, dass der Telefonanschluss älteren Frauen gehört. Deshalb raten Polizisten seit Jahren alten Menschen dazu, ihre Vornamen sowie ihre Adressen aus den Telefonbüchern abkürzen oder streichen zu lassen.

Und noch ein paar wichtige Tipps zum eigenen Schutz. Die Polizei   fragt Sie niemals zu Ihren Vermögensverhältnissen aus. Die Beamten nehmen auch nicht Ihre Wertgegenstände in Verwahrung, um sie vor Einbruch zu schützen. Echte Polizisten, die Ihre Wohnung betreten wollen, werden immer bereit sein, einen Nachbarn hinzuzuziehen. Und wenn Sie misstrauisch werden, legen Sie einfach den Hörer auf.