Trinh Xuan Thanh: Entführter Vietnamese im Staatsfernsehen vorgeführt

Mit eingefallenen Wangen und abwesendem Blick wurde der im Berliner Tiergarten von Geheimagenten entführte Trinh Xuan Thanh erstmals seit dem Vorfall im vietnamesischen Staatsfernsehen vorgeführt. In einem Interview bestätigte der Mann folgsam die offizielle Version der Regierung, wonach er freiwillig nach Vietnam zurückgekehrt sei. „Ich bin zurück, um der Wahrheit ins Auge zu sehen. Und ich will hohe Führer treffen, um mich zu entschuldigen“, so der frühere Parteifunktionär wörtlich.

Die vietnamesischen Behörden werfen Thanh vor, als Leiter des Ölkonzerns Petrovietnam 125 Millionen Euro Schaden verursacht zu haben. Thanh hatte sich 2016 aus Vietnam abgesetzt und in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Am 23. Juli wurde er von Geheimdienstmitarbeitern entführt und in das kommunistische Vietnam zurückgebracht.

Seit der Entführung kriselt es zwischen Deutschland und Vietnam erheblich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, das Auswärtige Amt erklärte den Berliner Chef des vietnamesischen Nachrichtendienstes zur „Persona non grata“ und forderte ihn am Mittwoch auf, Deutschland binnen 48 Stunden zu verlassen. „Danach erlöschen die diplomatischen Immunitäten und Privilegien“, sagte Sascha Kienzle, Sprecher beim Auswärtigen Amt, der Berliner Zeitung. Die Ausreisefrist endete am Freitag um 15.15 Uhr. Nach Informationen aus Berliner Regierungskreisen soll sich der Mann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Berlin aufgehalten haben.

Dennoch ist weiterhin keine Entspannung in der politischen Krise zwischen Deutschland und Vietnam in Sicht. Die Aussage der vietnamesischen Regierung, man lege „großen Wert auf die strategische Partnerschaft mit Deutschland“, habe man zwar „zur Kenntnis genommen“, sagte Kienzle weiter. Doch Außenminister Sigmar Gabriel teilte nach der Ausreise des Geheimdienstmitarbeiters gestern Nachmittag in einer deutlichen Botschaft mit, man könne „diesen Fall nicht einfach hinnehmen“ und berate über „weitere Maßnahmen“.