Diese Woche bleibt es heiß und die Berliner werden es weiter genießen, dass ihnen Wasser zur inneren und äußeren Abkühlung wie selbstverständlich in guter Qualität und günstig zur Verfügung steht. Bei den Grünen schwitzen unterdessen Umweltpolitiker über einem „Grundsatzpapier Gewässerpolitik“, das Anfang September beschlossen und Teil des Wahlprogramms für 2016 werden soll.

„Aus der Leitung fließt in Berlin sehr gutes Trinkwasser“, sagt die Abgeordnete Silke Gebel, zusammen mit dem früheren AL-Abgeordneten Hartwig Berger und anderen Initiatorin des 11-Punkte-Papiers. „Der Senat muss sich aber jetzt mit viel größerem Einsatz als bisher darum kümmern, dass unser Trinkwasser auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein gesundes Lebensmittel bleibt.“ Das gehe aber nur, wenn man den Wasserkreislauf insgesamt berücksichtige, vom Regenwasser über die Straßen- und Haushaltsabwässer über die Klärwerke bis zum Uferfiltrat und zum Grundwasser. Denn daraus zapfen die Berliner Wasserbetriebe das Trinkwasser.

Was den grünen Umweltexperten Kopfschmerzen bereitet, sind unter anderem Spurenstoffe wie Medikamente, die entweder über menschliche Ausscheidungen oder direkt in Pillenform in die Toiletten wandern.

Eine Studie ergab, dass fast jeder zweite Deutsche abgelaufene Medikamente ins Klo entsorgt. Die Klärwerke sind beim heutigen Stand jedoch nicht in der Lage, Stoffe wie zum Beispiel das Schmerzmittel Diclofenac, hormonell wirkende Substanzen oder bestimmte Psychopharmaka aus dem Abwasser zu entfernen.

So können sie auch zurück ins Trinkwasser oder in die Gewässer geraten und der Gesundheit der Fische oder, wie im Falle von Rückständen von Anti-Babypillen, auch ihrer Fortpflanzungsfähigkeit schaden.

Das Umweltbundesamt lässt das Thema derzeit untersuchen. „Das Problem ist, dass solche Schmerzmittel tonnenweise verkauft werden – das muss man in den Griff bekommen“, sagt der Forscher Bodo Weigert vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin, das mit der Technischen Universität und anderen Forschungseinrichtungen viel Berliner Wasser-Know How angesammelt hat.

Berliner Forscher fanden auch heraus, dass die pharmazeutischen Substanzen mit Hilfe von Aktivkohle und Ozon aus dem Abwasser entfernt werden können, wozu die BWB eine vierte Reinigungsstufe in den Klärwerken plant. Das kostet nach Angaben der Grünen einen dreistelligen Millionenbetrag – der letztlich auf den Wasserpreis umgelegt wird.

Mikroplastik aus Kosmetika

Silke Gebel beharrt auf dem Prinzip der Abfallvermeidung. „Gelangen Medikamente nicht ins Wasser, müssen wir sie im Klärwerk nicht teuer herausholen.“ Zusammen mit Ärzte- und Apothekenkammer, Wasserbetrieben und Industrie sollen geeignete Entsorgungswege und Vorschriften entwickelt werden, die die Abbaubarkeit von Pharmasubstanzen im Wasser von vornherein mitdenken – ähnlich wie es bei Waschmitteln Praxis ist.

Gedanken machen sich die Grünen auch über Mikroplastik, winzige Kunststoffpartikel, die aus Kosmetika wie Zahnpasta stammen oder auch beim Waschen von Fleecejacken anfallen. „In der Donau wurden bei Analysen mehr dieser Plastikpartikel gefunden als Fischeier“, berichtet die Abgeordnete. Kleintiere fraßen Plastik statt Eier – und verhungerten.

Weitere Themen des Papiers sind bekannter – wie die Einleitung von Sulfaten aus den Tagebauen oder von Phosphaten, die sommers in der Havel die Algen sprießen lassen. Für Phosphor aus Kläranlagen haben die BWB einen Lösungsansatz gefunden. In einem Experiment gewinnen sie den Nährstoff aus dem Abwasser und verkaufen ihn unter dem Namen „Berliner Pflanze“ als Dünger.