Mehr Hilfe gegen die Trockenheit: Berlins Bezirksämter können für das Bewässern junger Bäume von der kommenden Woche an zusätzlich rund 600.000 Euro beim Umweltsenat abrufen. Unterstützung erhielten sie auch über die Berliner Wasserbetriebe, die Berliner Stadtreinigung und das Technische Hilfswerk, zum Beispiel für Personal und technisches Gerät, kündigte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Freitag an. Ein Erhalt der Bäume sei mit Blick auf das Stadtklima unbedingt erforderlich. Aber auch die Hilfe der Berliner ist weiter gefragt.

In der Stadt war es in den vergangenen Monaten viel zu trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fiel im Mai und Juni gerade einmal die Hälfte der sonst üblichen Niederschlagsmenge. „Der Boden in der Stadt ist nach den vergangenen Wochen total ausgetrocknet“, warnt Carmen Schultze, Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Deshalb bitte sie die Berliner, Straßenbäume einmal pro Woche mit acht bis zehn Eimern Wasser zu gießen. Viele helfe auch viel. „Einen Baum kann man nicht übergießen.“

Fehlendes Wasser macht Bäume anfällig

„Man sieht Straßenbäumen, teilweise auch den Parkbäumen, gerade schon an, dass sie unter riesigem Trockenstress leiden“, sagt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen in Berlin. „Wenn ein Straßenbaum Glück hat, hat er zwölf Kubikmeter gute Erde zur Verfügung. Darunter und daneben nur Geröll und Steine.“ Er könne also seine Wurzeln nicht weit genug verzweigen, um sich auch bei langanhaltender Trockenheit ausreichend mit Wasser zu vorsorgen. Doch wie viel muss man einem ausgewachsenen, 20 Meter hohen Baum geben? „Das müssten schon 100 Liter sein“, sagt Guhl. „Aber auch schon 20 Liter – also zwei volle Gießkannen – bringen etwas. Selbst ein wenig Wasser ist besser als nichts.“

Auch Agrarwissenschaftler Matthias Zander empfiehlt den Hauptstädtern, sich bei der Bewässerung von Straßenbäumen einzubringen. „Durch den Klimawandel wechseln sich Wetterextreme immer öfter ab, das schadet vor allem den Bäumen in der Stadt“, erläutert er. Das fehlende Wasser mache die Bäume zudem anfälliger.

Im Juli nur bisher sehr wenig Regen

„Ein trockener Baum ist weniger vital und öfter von Krankheiten und Schädlingen betroffen“, sagt Zander. Deshalb forscht er gemeinsam mit der Humboldt-Universität nach widerstandsfähigen Baumarten. „Ein Drittel des Berliner Baumbestands sind Linden“, so Zander weiter. Doch einige Arten seien weniger anfällig. Dies könne bei künftigen Bepflanzungen beachtet werden.

Dass manche Bäume aktuell immer noch recht gut aussehen, liegt am regenreichen Vorjahr. Frühestens 2019 rechnen Experten damit, dass die aktuellen Trockenheitsschäden sichtbar werden, etwa mit absterbenden Kronenpartien.

Im Juli gab es laut den Berliner Wasserbetrieben bisher nur lokal ein paar Regentropfen in Spandau, Reinickendorf und Friedrichshagen. „Das ist nichts“, sagte ein Sprecher. Letztlich seien die Regenmengen bereits seit März unterdurchschnittlich. Knapp werde das Wasser in Berlin dennoch nicht, Grundwasser bilde sich im Winter. (mit dpa)