Bereits 2013 geplant, nimmt das Bauprojekt in der Mühlenstraße 61-63 in Friedrichshain nun Gestalt an: Das Berliner Investment- und Projektentwicklungsunternehmen Trockland hat Verträge unterzeichnet, um das direkt an der East Side Gallery gelegene Grundstück zu entwickeln.

Wie am Montag bekannt wurde, soll am Spreeufer nun unter dem Namen „Pier 61|63“ eine Mischnutzung aus Hotel (167 Zimmer), Gastronomie und 62 Mietwohnungen entstehen. Trockland übernimmt das vom Architekturbüro Eller + Eller gestaltete Projekt mit einer bestehenden Baugenehmigung. Zuvor hatte hier der israelische Investor Alon Mekel geplant.

Mit der Eröffnung des Projekts werden erstmals beide Seiten des East Side Parks direkt am Ufer durchgängig begehbar sein. „Trockland ist sich dem Stellenwert des Baudenkmals bewusst und wird gemäß der vorliegenden Baugenehmigung die umfangreichen denkmalpflegerischen Auflagen erfüllen“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Die Nachbarn wollen klagen

Bei den Bauarbeiten für das benachbarte Luxus-Wohnhaus „Living Levels“ 2013 hatte es Ärger gegeben, weil damals für die Baustellenzufahrt vier Mauerstücke entfernt wurden. Um nicht noch mehr des längsten noch zusammenhängenden Mauerteils zu zerstören, gab es einen Kompromiss: Die Zufahrt sollte für beide Grundstücke, den Wohnturm und den geplanten 130 Meter langen Hotelriegel, genutzt werden. Im Gegenzug darf der Neubau um zwei Geschosse von sieben auf neun Etagen wachsen. So viele, wie das „Living Levels“ derzeit hat.

Mit der Genehmigung der Aufstockung bedankte sich der Senat quasi bei den Bauherren. Beide hatten zugestimmt, dass ein einziger Mauerdurchbruch ausreicht. Ursprünglich waren drei Durchbrüche vorgesehen gewesen. Weil durch nur eine Zufahrt jedoch Platz für das Hotel verloren ging, hatte dessen Investor die Aufstockung beantragt.

Diese wollen die längst eingezogenen Bewohner des Turms „Living Levels“ jetzt, wo „Pier 61|63“  konkret wird, allerdings nicht hinnehmen: Wie die „B.Z.“ berichtet, verklagen sie das Land Berlin vor dem Verwaltungsgericht. Ihr Argument: Die Aufstockung nehme ihren Wohnungen die Sonne. Die Bauarbeiten für den Hotelriegel sollen Anfang 2018 beginnen, die Fertigstellung des Projekts ist für 2021 geplant.

Kritiker an dem Projekt gibt es auch jenseits von „Living Levels“. Die Mauer werde vor den neuen Massivbauten wie ein bunter Gartenzaun wirken, merkte die Clubkommision Berlin an. „Eine weitere Bausünde am Spreeufer wird dieser einmalige historische Ort kaum verkraften“, sagte Daniel Wesener von den Grünen der „B.Z.“.

Seine Partei will weitere Hochhäuser am Mauerstreifen verhindern – und erreichen, dass die East Side Gallery zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wird. Einen entsprechenden Antrag reichten sie bereits im April ein. Außerdem streben die Berliner Grünen ein Denkmalschutzkonzept an, das die freien Flächen an der Mauer für eine kulturelle Nutzung öffnet – etwa politische Lernprojekte, die sich dem Thema "Überwindung von Mauern" widmen. (mai.)