Krausnick - Endlose Weiten und fast endlose Ideen, aber nicht endlos Geld. Das ist die aktuelle Lage an der größten Freizeitanlage des Landes Brandenburg: Tropical Islands – das ist der kurz vor Weihnachten 2004 eröffnete Freizeitpark in der Nähe von Krausnick (Dahme-Spreewald).

Dort, in einer 107 Meter hohen Kuppelhalle, herrscht immer Badehosen- und Bikiniwetter, egal wie bitterkalt oder warm es draußen ist. Nun steht dieses beeindruckende Halle – immerhin eine der größten freitagenden Hallen der Welt – wohl zum Verkauf.

Betreiber haben sich verzockt

Wie berichtet, verhandeln die malaysischen Besitzer von Tropical Island mit Investoren darüber, ob die das Projekt ganz übernehmen oder mit einsteigen. Hintergrund ist offenbar, dass sich die Besitzer mit ihren Geschäften in Asien – vor allem auf dem Mobilfunkmarkt – offenbar verzockt haben und Milliarden-Verluste einfuhren.

Da aber in der Brandenburger Tropenhalle in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro investiert werden sollen, werden nun frische Geldgeber gesucht.

Keine Auswirkungen vor Ort

Vor Ort werden die Verhandlungen sogar als etwas positives dargestellt. „Es geht darum, dass wir für die Zukunft noch besser aufgestellt sind“, sagt Katja Benke, Sprecherin von Tropical Islands. „Die Verhandlungen haben keinerlei Auswirkungen für uns hier. Das Haus ist voll. Das Tagesgeschäft läuft gut, sogar richtig gut. Denn Ferien und Feiertage sorgen immer für viele Gäste.“

Es habe in den vergangenen Tagen sogar kleine Schlangen vor den Türen gegeben.

Wer vor dieser Halle steht, kann nur schwer einschätzen, wie die Geschäfte laufen. Denn die Halle steht auf einem endlos erscheinenden ehemaligen Militärareal der Sowjetarmee. Dort, auf den weiten Parkplätzen fallen auch 300 Autos mehr oder weniger nicht weiter auf. An guten Tagen kommen etwa 5000 Besucher, manchmal sogar mehr.

Von 1900 auf 9000 Betten

„Die Verhandlungen haben für den laufenden Betrieb keinerlei Auswirkungen“, sagte Benke. „Für die Mitarbeiter und Gäste ändert sich nichts. Aber langfristig wird sich etwas ändern, denn es sollen mehr Unterkünfte und noch mehr Freizeitangebote bebaut werden.“ So soll mit den 300 Millionen Euro in den nächsten Jahren die Bettenkapazität deutlich ausgebaut werden.

Derzeit gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für 1900 Leute. „Wir haben die Erlaubnis, Unterkünfte mit bis zu 9000 Betten zu bauen.“

Bislang sind bereits etwa 200 Millionen Euro verbaut worden.

Von Anfang an ein Wagnis

Tropical Islands war von Anfang ein Wagnis, gegründet auf einem Untergang. Als nach dem Ende der DDR das Militärareal der Sowjets privatisiert wurde, wollten ein paar tollkühne Investoren dort Transportluftschiffe bauen, errichteten dafür die riesige Halle und gingen Pleite.

Dann stiegen die Geldgeber aus Malaysia ein, machten aus der Zeppelinhalle eine Tropenhalle und führten die Sache – gegen die Zweifel fast aller Kritiker – zum Erfolg.

Im vergangenen Jahr zählte die Freizeitanlage nach eigenen Angaben 1,1 Millionen Besucher und schreibt nach Angaben der Betreiber seit sieben Jahren schwarze Zahlen. In diesem Jahr werden 1,2 Millionen Besucher angestrebt.

Aufstieg in die erste Reihe

Und die Macher planen ganz Großes. Bereits im vergangenen Jahr kündigte der damalige Geschäftsführer Jan Janssen an, dass er Tropical Island langfristig in die erste Reihe der ganz großen Freizeitparks der Bundesrepublik führen will. Das würde mit 9000 Betten gelingen.

Diese Zahlen klingen für Laien etwas absurd, denn warum sollten so viele Leute dort, in den sandigen Weiten Brandenburgs – immerhin eine Autostunde von Berlin entfernt – übernachten wollen.

Aber die Macher argumentieren damit, dass sich alle große Freizeitparks in Deutschland „in der Pampa“ befinden, also fernab großer Städte und touristischer Ziele.

Ungewöhnliche Lage

Tropical Island hingegen werbe gerade mit seiner ungewöhnlichen Lage: Nahe der polnischen Grenze, lockt es von dort viele Besucher an, aber auch aus dem recht nahen, aber seenlosen Tschechien. Außerdem sind die touristischen Ziele Berlin, Potsdam und Dresden nicht weit.

Der Traum der Tropical-Islands-Macher ist, dass sich vor allem junge Familien in eines der ruhigen Ferienhäuser des Areals einmieten, dann einen Tag in der Tropenhalle verbringen, einen Tag im Spreewald unterwegs sind, einen Tag Berlin besuche und sich dann noch einen Tag die Schlösser in Potsdam ansehen. Immer als Start- und Zielort – Tropical Island.

17,7 Millionen Euro Fördermittel

Für die neuen Investitionen sind bislang keine Fördermittel beantragt. Die Potsdamer Landesregierung wurden auch nicht vorab nicht informiert, dass Verkaufsverhandlungen anstehen. Die Landesregierung hat die Anlage mit insgesamt 17,7 Millionen Euro gefördert – ausschließlich im Gründungsjahr als Anschubfinanzierung. Die Finanzspritze diente vor allem dazu, den Standort nach der Cargolifter-Pleite zu erhalten, denn auch für die Halle hatte das Land Fördergeld gezahlt.

Die Millionen für Tropical Islands waren immer an den Erhalt von 500 Jobs gebunden. Diese Zahl hielt Tropical Islands immer ein und überbot sie auch. Derzeit sind dort mehr als 600 Leute direkt in der Halle beschäftigt, dazu kommen etwa 150 Leute aus externen Service-Firmen.

Größter touristischer Arbeitgeber

Die Halle ist nach Angaben der Landesregierung als Einzelstandort der größte touristische Arbeitgeber im Land Brandenburg.

Und die Zahl der Jobs würde natürlich steigen, wenn denn ein Geldgeber gefunden wird und tatsächlich 9000 Betten entstehen – immerhin mehr als vier Mal mehr als derzeit. Damit würde sich auch die Mitarbeiterzahl deutlich erhöhen.