30 Tonnen Bomben und Granaten: Berlin wird seinen Sprengplatz im Grunewald behalten

Auch nach dem großen Waldbrand im Sommer hält der Senat den Standort für „alternativlos“. Brandenburg hat keinen Platz für die alten Fliegerbomben aus Berlin.

Die Luftaufnahme der Berliner Feuerwehr zeigt den Brand im Grunewald. 
Die Luftaufnahme der Berliner Feuerwehr zeigt den Brand im Grunewald. Berliner Feuerwehr

Bis zu dreimal am Tag wird die Berliner Polizei alarmiert, weil jemand irgendwo in der Stadt alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hat – Gewehrpatronen, Handgranaten oder gar eine Fliegerbombe. 987-mal rückten die Feuerwerker, so nennt man in der Behörde die spezialisierten Kollegen, im vergangenen Jahr aus. Das sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag.

Als am 4. August auf dem Sprengplatz Grunewald ein Großfeuer ausbrach, lagerte dort die ungewöhnlich große Menge von mehr als 30 Tonnen Munition. Doch auch nach der Feuerkatastrophe wird Berlin bei der Entsorgung von Fliegerbomben und Altmunition auf sich selbst gestellt sein. Denn Brandenburg hat keinen Platz für alte Munition aus der Hauptstadt. Deshalb wird der Sprengplatz Grunewald nach dem Willen des Senats auch künftig an Ort und Stelle erhalten bleiben.

Um wenigstens die Masse an Munition auf dem Sprengplatz im Grunewald zu verringern, solle die Hauptstadt eine Kooperation mit Brandenburg eingehen, fordert nun die Berliner CDU. Tatsächlich führt Berlin laut Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) dazu mit Brandenburg Gespräche auf verschiedenen Ebenen. „Mögliche weitere Kooperationen scheiterten aber unter anderem wegen fehlender Lagerkapazitäten, an technischen Vernichtungsmöglichkeiten und Nutzungshemmnissen nach Büroschluss und an Sonn- und Feiertagen“, sagte Akmann am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Nach seinen Worten gibt es in Bad Freienwalde zwar ein Munitionslager, allerdings keine Möglichkeit für die Lagerung von Bomben in der Menge, wie sie in Berlin gefunden werden. Gleiches gelte für Pyrotechnik, selbst gebaute Böller und ähnliches.

Der Senat will auch deshalb grundsätzlich am Sprengplatz im Grunewald festhalten, weil er weitab von Wohnhäusern liegt. „Ein Wegfall dieses Standortes würde bedeuten, dass der Alltag der Berlinerinnen und Berliner durch häufige Vor-Ort-Sprengungen und die damit einhergehenden Absperrmaßnahmen erheblich beeinträchtigt werden würde“, so Akmann. Was das bedeuten würde, konnte man am 26. September in Moabit beobachten, als eine Bombe vor Ort gesprengt werden musste.

Nach dem Großbrand konnte Berlin im Rahmen erbetener Amtshilfe kleinere Mengen Munition nach Brandenburg bringen – knapp 1,7 Tonnen. „Aber die langen Transportwege nach Brandenburg stellen durchaus ein sicherheitsrelevantes Risiko dar“, so Akmann. Auch das sei ein Argument dafür, den Sprengplatz Grunewald als alternativlos einzustufen.

Frank Balzer, innenpolitischer Sprecher der CDU, hält gleichwohl einen Alternativstandort in Brandenburg weiterhin für prüfenswert. „In der Tat sind die Transportwege nach Brandenburg länger. Sie führen aber durch deutlich dünner besiedeltes Gebiet“, begründet er.

Durch den Brand im Grunewald explodierten mehrere Fliegerbomben, die auf dem Sprengplatz gelagert worden waren. Dadurch wurden zwei Häuser zerstört – das Munitionsarbeitshaus und das Asservatenlager. Obwohl die Spurensicherung vor Ort abgeschlossen ist, konnte die Brandursache noch immer nicht ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat eine Sachverständige für Explosionsursachen des Bundeskriminalamtes beauftragt. Zum Ende des Jahres soll ihr Gutachten fertiggestellt sein, aus dem man sich konkretere Hinweise zur Brandursache erhofft.

Zurzeit läuft der Sprengplatz im Notbetrieb. Der Senat will ihn „schnellstmöglich“ zurück  in den Regelbetrieb überführen. Dafür soll der TÜV Rheinland ein sicherheitstechnisches Gutachten liefern. Bis dahin will die Polizei die Menge der dort gelagerten Munition verringern. Laut Slowik wird es deshalb im Grunewald in nächster Zeit mehr Sprengungen – und damit verbundene zeitweise Sperrungen der Avus – geben als sonst.