Eine Klage soll erreichen, dass Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern stattfinden dürfen.
Foto: dpa/Uwe Anspach

BerlinKirchen, Synagogen, Moscheen sind geschlossen. Nicht nur für viele Gläubige ist das vor Ostern, vor Pessach und vor dem Ramadan eine Zumutung. Dennoch halten sie sich an die Regeln. Umso auffälliger ist die Klage von Propst Gerald Goesche von St. Afra in Berlin-Gesundbrunnen. Er will vor Gericht erreichen, dass Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern stattfinden dürfen, wenn Abstandsregeln eingehalten und Adressen der Teilnehmer erfasst werden. „In unserer Kirche sind sie sicherer als in jedem Supermarkt“, sagt er.

Lesen Sie hier: Gottesdienste ohne Gläubige

Religion und Lebensmittel

Die Katholische Kirche ist dem Vernehmen nach entsetzt. Goesche hält deren Vertreter wiederum für verweichlicht. Er betrachtet Reformen der Kirche als Anpasserei und seine Gemeinde als „Gentlemens’ Club“, er behauptet, die AfD sei auch nicht schlimmer als andere Parteien, Klimaproteste eine „grüne Angsthysterie“.

Ein Fundamentalist also. Dennoch stellt Goesche die richtige Frage: In Buchhandlungen dürfen wir gehen, weil der aufgeklärten Gesellschaft Bücher ein Lebensmittel sind. Die Liturgie aber ist für diejenigen, die daran glauben, auch ein Lebensmittel. Deswegen gibt es Religionsfreiheit.

Lesen Sie hier: Dank Corona: Dieses Jahr bleibt der Hase im Nest

Genug leerer Raum

Wieso ist es nicht möglich, in Kirchen, Synagogen, Moscheen Plätze mit Abstand zu markieren, diese Plätze in einer Lotterie zu vergeben, sodass kein Reiseverkehr entsteht? Es geht nicht darum, Raum für Fanatiker zu schaffen, sondern um das gesittete Zusammenkommen bei gleichzeitiger Distanz. Das ist möglich, wie die letzten Wochen zeigen. Und halten zu Gnaden: Auch diejenigen, die die Liturgie zelebrieren oder die im Internet und im Fernsehen zusehen, tun dies lieber und besser, wenn sie nicht nur leeren Raum vor sich sehen. Davon haben wir derzeit mehr als genug.