Art déco wie im Manhattan der 1920er: So soll das Karstadt Hermannplatz nach den Vorstellungen der Eigentümer bald wieder aussehen.
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BerlinTrotz der Corona-Krise, die das Unternehmen Galeria Kaufhof Karstadt hart trifft, bleibt es bei den umstrittenen Umbau-Plänen für die Karstadt-Filiale am Hermannplatz. „Wir halten an unseren Plänen für das Projekt am Hermannplatz unverändert fest“, teilte Immobilienentwickler und Karstadt-Eigner Signa am Donnerstag mit. 

Planungen und Austausch mit Politik, Behörden, den Karstadt-Beschäftigten, Anrainern sowie Anwohnern liefen „uneingeschränkt weiter“. Man strebe ein vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg „koordiniertes, frühzeitiges Beteiligungsverfahren“ an. Die Corona-Krise führe bei Signa insgesamt nicht zu Verzögerungen bei Bauprojekten. Planungen und Bauarbeiten liefen unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften uneingeschränkt weiter.

Umsatzausfall im April mehr als eine halbe Milliarde Euro

Am Mittwoch hatte Galeria Karstadt Kaufhof bekanntgegeben, mit seinen mehr als 28.000 Mitarbeitern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen zu müssen. Dieses Verfahren bewahrt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Nach eigenen Angaben verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Bis Ende April werde sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.

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Am Hermannplatz will Signa für etwa 450 Millionen Euro das alte Karstadt-Kaufhaus fast komplett abreißen und im Stil eines 1920er-Jahre-Prunkkaufhauses wieder aufbauen. Dabei verspricht Signa einen Mix aus Gewerbeflächen, „bezahlbaren“ Wohnungen, Räume für eine Kindertagesstätte sowie lokale Vereine und ein Ärztehaus.

Baustadtrat Schmidt hofft weiterhin auf Dialog

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hatte Signas Plänen im August 2019 einen Riegel vorgeschoben. Der „Monumentalbau“ erscheine „überzogen und unangemessen“, kritisierte Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Industrie- und Handelskammer sowie Vertreter der rot-rot-grünen Regierungskoalition kritisierten wiederum Schmidts Vorgehen.

„Ich hoffe, dass sich für ausnahmslos alle von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen Lösungen finden lassen“, teilte Schmidt der Berliner Zeitung am Donnerstag mit. Er hoffe darauf, dass Karstadt „aufgrund eines ergebnisoffenen Dialogs zu einer bedarfsgerechten Planung kommt – nicht aber wegen Corona“.