BerlinAngst vor Ansteckung mit Corona ist für viele ein Grund, Busse und Bahnen zu meiden. Doch anders als befürchtet hat sich der Rückgang des Fahrgastaufkommens bislang kaum auf die Zahl der Stammkunden ausgewirkt. Zwar ist die Zahl der Abonnements zurückgegangen, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin der Berliner Zeitung mitteilen – aber nur leicht. Die regelmäßigen Kunden halten den Verkehrsunternehmen größtenteils die Treue. Die Frage ist, wie lange noch?

So viel steht fest: Der Nahverkehr gilt als einer der Verlierer der Corona-Krise. Als die Pandemie in diesem  Frühjahr ihren ersten Höhepunkt erreichte, meldete die BVG einen Rückgang der Fahrgastzahl um rund 75 Prozent. Dagegen nahm die Belastung der Berliner Hauptverkehrsstraßen damals nur um 20 bis 35 Prozent ab. Inzwischen wird der Nahverkehr wieder deutlich stärker genutzt. Klar ist aber auch: Ein Teil der früheren Fahrgäste hat der BVG und der S-Bahn wohl für längere Zeit den Rücken gekehrt. Nicht nur, weil manch einer von ihnen eine Infektion befürchtet: Die Zahl der Pendler sank auch, weil zahlreiche Berufstätige zu Hause arbeiten.

Im März 2020 hatte die BVG rund 333.000 Kunden mit Umweltkarten-Abos, berichtete Markus Falkner, der Sprecher des Landesunternehmens. Bis Oktober sank die Zahl auf zirka 316.000 – das ist zwar schon ein Rückgang, doch mit etwas mehr als fünf Prozent bleibt er verhältnismäßig moderat. „Einerseits liegt dies an den coronabedingt gestiegenen Kündigungen in diesem Zeitraum und an der natürlichen Fluktuation“, erklärte Falkner. „Denn andererseits gab es für die Monate Mai und Juni mit 1500 Neuanträgen ein deutlich geringeres Volumen bei den neuen Abschlüssen der Umweltkarte als üblich. Das Niveau der Neuabschlüsse hat sich zwar seit Juli deutlich erholt, liegt aber noch nicht wieder auf dem Niveau von Vor-Pandemie-Zeiten.“

Zu berücksichtigen sei aber, dass nicht alle früheren Umweltkartenkäufer dem Nahverkehr verloren gegangen sind. Zahlreiche frühere Abokunden sind zum neuen Firmenticket gewechselt, das preiswerter ist, teilte BVG-Sprecher Falkner mit. „Hier hat sich der Bestand von gut 75.000 im März auf gut 80.000 erhöht.“ Die Zahl der Senioren-Jahresabos, die als VBB-Abo 65plus vermarktet werden, sei nahezu gleich geblieben – rund 80.000.

Auch die S-Bahn Berlin hat Umweltkarten-Abokunden verloren – mit knapp fünf Prozent allerdings einen ähnlich niedrigen Anteil wie die BVG. „Im März 2020 betrug die Zahl 237.851, im Oktober 226.884“, teilte eine Bahnsprecherin mit. Das Bundesunternehmen verzeichnet ebenfalls einen leichten Aufwärtstrend – wobei niemand sagen kann, ob er andauern wird, wenn sich die Krise wieder verschärft.

Als allgemein anerkannt gilt, dass Mund-Nase-Bedeckung das Ansteckungsrisiko vermindern kann. Es liegt also im Interesse der Verkehrsunternehmen, die Einhaltung der Maskenpflicht zu überwachen. Am Dienstag gab es dazu einen größeren Einsatz von Bundespolizisten und DB-Sicherheitskräften in Regional- und Fernzügen in der Hauptstadt-Region.