Bestseller-Autorin Sibylle Berg findet keine Wohnung in Zürich

Bestseller-Autorin Sybille Berg hat in einem Interview bekannt gegeben, dass sie trotz ihrer Berühmtheit keine Wohnung findet. Warum?

Sibylle Berg
Sibylle BergKatharina Lütscher

Es mag schockierend klingen, doch es ist so. In Europa gibt es Städte, die unter einer noch größeren Wohnungskrise leiden als Berlin. Ein Beispiel wäre die Stadt Zürich in der Schweiz, die über wenig Wohnraum, kaum Hochhäuser, dafür aber zugleich über sehr viele gut betuchte Bewohner verfügt. Ein giftiger Cocktail für einen Wohnungsmarkt. Die Auswirkungen bekommen nicht nur Durchschnittsmenschen zu spüren, sondern auch Prominente und Intellektuelle, die man eigentlich als gute Mieter beschreiben würde.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Selbst Menschen aus der stabilen Mittelklasse bekommen in Städten wie Zürich ein Problem, wenn sie eine Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnung in guter Lage finden wollen. Das hat jüngst die Schweizer Bestseller-Autorin Sibylle Berg auf dem Newsportal Watson bestätigt. In einem humorvollen und doch erstaunlich frappierenden Interview gab sie an, dass sie seit Jahren keine Wohnung in Zürich finden würde. Sie sagt: „Was die Wohnungssuche betrifft, lebe ich das Ex-Mittelstand-Elend, das ich mit vielen teile: Für eine Stadtwohnung (also etwa eine Genossenschaftswohnung, Anm. d. Red.) habe ich zu viel Geld, für eine auf dem Markt zu wenig. Aber vielleicht schreckt es auch ab, dass ich Schriftstellerin bin.“

Alternative: Der Umzug ins Hotel

Sibylle Berg spekuliert in dem Interview, dass ihre Bekanntheit und ihr Beruf als freie Schriftstellerin auf potenzielle Vermieter abschreckend wirken könnte. Zudem gibt sie an, dass die vielen Gutverdiener, etwa in der Tech- und Bank-Industrie, den Markt leer fegen und den Kreativen das Leben schwer machen würden. Die Folge sei eine Gentrifikation, die Zürich langweilig machte, weil viele Schriftsteller und Künstler die Stadt verließen. „Zürich gleicht immer mehr einem Bankschalter, in dem aus Versehen noch ein paar Natives hausen“, sagt Sibylle Berg.

Was ist jetzt der Plan der Schriftstellerin? „Vielleicht ziehe ich ins Hotel, wie Udo Lindenberg, natürlich gesponsert vom Hotel. Ich latsche dann in so einer Suite herum, schreibe für den Nobelpreis und esse Fledermäuse. Oder ich werde reich, weil – keine Ahnung – meine amerikanische Buchübersetzung mir einen Hollywood-Deal einbringt, und dann ziehe ich nach – lassen Sie mich mal überlegen – Tampa in Florida. Da war ich noch nie.“

Der Umzug nach Berlin als Option

Sibylle Berg sei bereit, 1500 Franken pro Monat warm auszugeben. Doch das scheint nicht zu reichen. Seit ungefähr drei Jahren sei sie erfolglos auf der Suche, sie wolle ihre Drei-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt verlassen, um Kosten zu sparen. Und was sind die Gründe für die Wohnmisere in Zürich? Sibylle Berg: „Wohnungsnot passiert, wenn man mit den Grundbedürfnissen des Menschen spekuliert. Der Immobilienmarkt ist nicht von Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern vom immensen Zuwachs von Kapital bei wenigen Kräften. Diese wollen ihre Gewinne in etwas Reales wie Immobilien investieren, weil sie wissen, dass Finanzprodukte eine unsichere Sache sind. Dass Wohnraum nach den Parametern des Wachstums immer profitabler werden muss, um unbegrenztes Wachstum zu gewährleisten, während die realen Löhne stagnieren, schafft eine gelinde Panik.“

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