Berlin - Trotz Lehrermangels arbeiten immer mehr Pädagogen in Teilzeit und verzichten damit auf einen erheblichen Teil ihres Einkommens. Im Schuljahr 2014/15 habe lediglich jede vierte Lehrkraft mit reduziertem Stundenumfang  gearbeitet, nämlich 6 944 von 28 751. Im laufenden Schuljahr arbeite jetzt  schon fast jeder dritte Lehrer in Teilzeit und zwar genau 9492 von 32 312 Lehrern, heißt es in einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage von Regina Kittler (Linke). 

„Würde jede Teilzeitlehrkraft nur zwei Stunden mehr pro Woche erteilen, wäre etwa ein Drittel des Einstellungsbedarfes bereits gedeckt“, sagte Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Es sei unbedingt notwendig, die Ursachen für die Teilzeitarbeit gründlich zu erfassen und, wenn möglich, zu beseitigen. Kittler, die lange Zeit selbst als Lehrerin gearbeitet hat, macht unter anderem Arbeitsüberlastung, Stress, Unvereinbarkeit von Familie und Beruf sowie fehlendes Gesundheitsmanagement für die hohe Teilzeit-Quote an Berliner Schulen verantwortlich.

Ruf nach Stundenreduzierung

Aus Sicht von Kittler müssten an den Schulen multiprofessionelle Teams geschaffen werden aus Sozialpädagogen, IT-Kräften oder Verwaltungsleitern, um die Lehrkräfte zu entlasten. „Zum anderen müssten die Arbeitsbedingungen verbessert werden“, forderte Kittler. Dazu gehöre es, Lehrerarbeitsplätze vor Ort in den Schulen einzurichten und eine bessere technische Ausstatttung.

Und dann spricht Kittler noch ein echtes Reizthema an: 2003, also in Zeiten der Haushaltsnotlage, wurde die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden pro Vollzeit-Stelle angehoben. „Die Reduzierung der Wochenarbeitszeit darf nun kein Tabu mehr sein“, sagte Kittler. Allerdings würden dann noch mehr neue Lehrer und Quereinsteiger benötigt.