Potsdam - Die Geschichte klingt natürlich wie eine Räuberpistole: In dem Haus, in dem der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland wohnt und das von der Polizei bewacht wird, wurde eingebrochen. Nun muss man einschränken, dass Olaf Scholz und seine Ehefrau – Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) – nicht in einem Einfamilienhaus wohnen, sondern in einem großen Mehrfamilienhaus mit mehr als drei Dutzend Mietern. 

„Wir betonen ausdrücklich, dass nicht in die Wohnung des Vizekanzlers eingebrochen wurde und dass dies auch nicht versucht wurde“, sagte der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums Mario Heinemann.

Zweitwohnsitz von Olaf Scholz

Bei der Wohnung handelt es sich nicht um den Hauptwohnsitz des bekannten Politikerpaares, der befindet sich in Hamburg. Die Potsdamer Wohnung ist der Zweitwohnsitz, in dem beide leben, wenn sie in Berlin und Potsdam ihren Regierungsgeschäften nachgehen.

Eigentlich ist die Haustür dort immer verschlossen. Der oder die Täter brachen in eine Penthouse-Wohnung ein, die sich in der Etage über der Wohnung des prominenten Politikerpaares befindet. Die Bewohner dort waren am Freitag einkaufen, als die Täter zwischen 16.15 und 17.45 Uhr die Wohnungstür aufhebelten, die Wohnung durchsuchten und EC-Karten und Wertsachen stahlen. Die Einbruchsopfer beziffern den Schaden auf mehrere tausend Euro.

Höchste Sicherheitsstufe

Normalerweise geht es die Öffentlichkeit nichts an, wenn bei Prominenten oder gar bei deren Nachbarn eingebrochen wird. Doch in diesem Fall ist es anders, denn für die Wohnungen des Vizekanzlers gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Das heißt in diesem Fall: Vor dem Haus steht für jeden gut sichtbar ein Polizeiwagen. Die Täter waren also entweder besonders skrupellos oder besonders dumm – und hatten nur Glück, dass sie nicht erwischt wurden.

Andererseits stellt sich die Frage, ob die Schutzmaßnahmen ausreichend waren. Denn es gibt nicht nur das Polizeiauto vor der Tür mit uniformierten und bewaffneten Polizisten. Dazu kommen auch verdeckte Sicherungsmaßnahmen. „Aber darüber wird natürlich nichts öffentlich bekannt geben“, sagte Polizeisprecher Heinemann, „denn die sollen geheimgehalten werden, damit Kriminelle davon nichts wissen.“

Viel Erfahrung im Spiel

Für die Bewachung der Wohnung ist die Polizei des Landes Brandenburg zuständig, da es sich bei Scholz allerdings um einen Bundesminister handelt, sind auch noch Sicherheitsbehörden des Bundes eingebunden. Es ist also viel Erfahrung im Spiel.

Trotzdem kamen die Täter ins Haus. An der Haustür finden natürlich keine Personenkontrolle statt, aber die Wachleute kennen die Gesichter der Bewohner. Offenbar handelt es sich um einen gezielten Einbruch, denn es fanden sich nur an einer Wohnung Einbruchsspuren.

„Wie der oder die Täter ins Haus gelangen, ist jetzt eine Frage, die die Kriminalisten zu klären haben“, sagte Polizeisprecher Heinemann. „Aber es ist eine dreiste Tat.“

Das „Preußische Sylt“

Besonders, weil die Gegend, in der die Täter zuschlugen, nicht irgendeine Gegend im Potsdamer Norden ist, sondern eine der wichtigsten Prominenten-Siedlungen. In den prachtvollen Stadtvillen der Berliner Vorstadt, kurz vor der Glienicker Brücke, wohnen bekannte Leute aus Wirtschaft, Politik und Kultur.

Der Halbinsel wurden schon etliche Spitznamen verpasst: das „preußische Sylt“ oder „München des Ostens“ oder auch das „Beverly Hills von Potsdam“. Dort haben oder hatten bekannte Leute ihre Villen oder Wohnungen, zum Beispiel TV-Moderator Günther Jauch, Modemacher Wolfgang Joop, Springer-Verlegerin Friede Springer, der SAP-Milliardär Hasso Plattner oder auch AfD-Chef Alexander Gauland.

Besonders bewacht

Das ist natürlich eine Gegend, in der für Verbrecher viel zu holen ist, in der die Häuser allerdings auch besonders geschützt sind. Die Polizei betont, dass die Sicherungsmaßnahmen für Olaf Scholz natürlich ausschließlich dessen Wohnung betreffen – und in die wurde nun mal nicht eingebrochen.

„Die Nachbarn würden sich eine Überwachung ihrer Wohnung ganz sich verbitten“, sagte Heinemann. Gleichzeitig wären die Sicherheitsleute natürlich eingeschritten, wenn sie irgendetwas Verdächtiges in der Nachbarschaft bemerkt hätten.

Für Fachleute ist klar, dass eine einzeln stehende Villa viel leichter zu bewachen ist als ein mehretagiges Haus mit dutzenden Bewohnern wie das in der Berliner Vorstadt. Dort wurde der Polizeischutz nun erst einmal verstärkt.