Berlin - Nach wochenlangem Hin und Her sind endlich Schulplätze für 75 künftige Siebtklässler aus Treptow-Köpenick gefunden, die trotz Ablauf aller Fristen noch nicht versorgt waren. Jeweils eine zusätzliche Klasse soll an der Wilhelm-Bölsche- und der Fritz-Kühn-Sekundarschule sowie an der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick eingerichtet werden, teilte Cornelia Flader (CDU), die Schulstadträtin des Bezirks, mit.

An der Bölsche-Schule werde dafür eine „Willkommensklasse“ aufgelöst. „Die Entscheidung ist aber alles andere als gut“, führte Flader aus. Sie belaste alle betroffenen Schulen und mindere wegen des Platzmangels die pädagogischen Angebote.

Plätze an Eliteschule

Flader hatte sich gewünscht, dass die noch nicht versorgten Schüler an der Flatow-Oberschule in Köpenick, einer Eliteschule des Sports, unterkommen. Dort seien derzeit 80 Plätze nicht belegt. An der Sportschule betonte man aber, dass dieser Schultyp nicht kompatibel sei mit einer normalen Sekundarschule. Lehrer für kleinere Fächer müssten extra dorthin fahren.

Der Vorschlag, an der Brahe- und Kühn-Schule je eine weitere Klasse einzurichten, stammte ursprünglich offenkundig von der Schulaufsicht Mitte. „Es ist ärgerlich, dass wir der Stadträtin zeigen müssen, wo es noch freie Plätze im Bezirk gibt“, sagte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD). 

Die Stadträtin ihrerseits warnt davor, dass die Platzsituation dadurch im Schuljahr 2020/21 noch gravierender ausfallen dürfte. Womöglich müsse die Flatow-Oberschule dann genutzt werden. Auch Stoffers sagte: „Die Senatsverwaltung verschließt sich nicht einer künftigen Lösung, die die Flatow-Schule einbezieht.“ Aber dafür brauche man ein tragfähiges Konzept.“

Heftige Kritik der Elternvertretung

Norbert Heise vom Landeselternausschuss hegt nach eigenen Angaben die arge Befürchtung, dass ausreichend Schulplätze kurzfristig weder durch Ergänzungs- noch durch Neubauten geschaffen werden. „Mit großem Unmut beobachten wir abermals eine uneinheitliche Herangehensweise der Bezirksverwaltungen, aber auch die zu wenig steuernde und stützende Hand des Senats“, sagte Heise.

Das Ping-Pong-Spiel zwischen Bezirken und Senat müsse aufhören. Die „Schulbauoffensive“ werde nur schleppend umgesetzt. Und selbst wenn Bezirke Container als Ausweichquartiere für Schüler aufstellen, dauere das in einem Bezirk vier Monate, in einem anderem 15 Monate.