Der nächste Rekord ist in Sicht. Auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) steigt der Verkehr rasant an. Die Zahl der Busfahrten wird dort in diesem Jahr um bis zu 75 Prozent höher sein als im vergangenen Jahr, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit. Es gibt keine Verkehrsanlage in Berlin, für die jemals eine solche Zuwachsrate verbucht werden konnte. Doch der geplante Ausbau lässt auf sich warten und verschiebt sich immer weiter in die Zukunft. Anfangs sollten die Hauptbauarbeiten 2014 starten, nun ist im Senat von 2016 die Rede.

Zwei bis drei Jahre lang Baustelle

Mit dem ZOB verhält es sich wie mit dem Flughafen Berlin-Tegel. „Alle Beteiligten staunen, dass er noch funktioniert“, sagt Klaus Obermann, Mitarbeiter eines großen Berliner Busunternehmens. Das Staunen ist angebracht. Im vergangenen Jahr nutzten fast 100 000 Busse die Anlage am Messedamm in Charlottenburg – damals schon ein Spitzenwert. „Die aktuelle Prognose für 2014 geht von bis zu 175 000 An- und Abfahrten aus“, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner.

Damit hat das Landesunternehmen, dessen Tochterfirma, die Internationale Omnibusbahnhof-Betreibergesellschaft (IOB), den Betrieb organisiert, seine Vorhersage erneut korrigiert. Anfangs war von 150 000 Fahrten die Rede, danach von 165 000. Doch im Sommer hat der Verkehr erneut zugenommen. So wurde im Juli ein Anstieg von fast hundert Prozent registriert.

Vor allem die Liberalisierung des Fernbusverkehrs hat dem 1966 eröffneten ZOB neues Leben beschert. Nachdem die Bahn viele Direktverbindungen gestrichen hat, konnten Fernbusse viele Lücken schließen. Der Grund: Für Busse wird keine Autobahnmaut berechnet, während Zugbetreiber für Trassen und Stationen hohe Entgelte zahlen. Am größten ist das Busangebot auf Hauptstrecken wie Berlin – Hamburg, auf denen ein Preiskampf entbrannt ist, was die Zahl der Fahrgäste ebenfalls steigen ließ.

„Dass der Busbahnhof funktioniert, liegt an der guten Organisation und der Aufstockung des Personals“, sagt Klaus Obermann. Branchenkenner sind sich aber einig, dass ein Ausbau nötig ist. Auch der Senat sieht das so. Er will den Busbahnhof attraktiver machen, damit sich der Verkehr dort weiterhin in Autobahnnähe konzentriert und nicht immer mehr neue Fernbushalte in Berlin entstehen.

Eigentlich ist alles klar. Im Landeshaushalt stehen für 2014 und 2015 insgesamt 3,2 Millionen Euro bereit. Doch es gab immer wieder Diskussionen, ob der geplante Ausbau ausreicht. Der anfangs angepeilte Baubeginn 2014 gilt längst als utopisch. Erst seit Kurzem liegen die Bauplanungsunterlagen vor.

„Sie werden jetzt geprüft“, sagt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Wir erwarten, dass Ende 2015 erste Arbeiten möglich sind. Die Hauptarbeiten sollen 2016 starten.“ Zwei bis drei Jahre lang wird der ZOB zur Baustelle. Die Zahl der Halteplätze, die gleichzeitig nutzbar sind, steigt von 27 bis auf 37. Es gibt neue Sitzmöbel, die Anlage wird barrierefrei. „Und sie wird optisch ansprechender gestaltet“, sagt Petra Rohland.

Bis dahin bleibt es beim kargen Charme der Sechzigerjahre. Ein neuer Härtetest steht bevor. Obermann: „Die nächste Bewährungsprobe wird Weihnachten sein.“