Erstmals seit 2010 sind in Berlin weniger Baugenehmigungen für Wohnungen vergeben worden. Die Behörden genehmigten 2017 zwar mehr Neubauwohnungen als im Vorjahr (+2,2 Prozent), wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte. Es entstehen aber seltener Wohnungen mittels Umbau, etwa indem Dächer ausgebaut oder Büros umgewidmet werden (-19,4 Prozent).

Insgesamt bekamen rund 24 700 neue Wohnungen eine Genehmigung. Das waren 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Weil viele Menschen in die Hauptstadt ziehen, ist die Wohnungssuche in manchen Kiezen schwer. Es werden deswegen aus Sicht von Politik und Immobilienwirtschaft dringend neue Wohnungen in der Hauptstadt gebraucht.
Der Großteil der genehmigten Wohnungen soll als Neubau entstehen, vor allem in den Bezirken Mitte, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf.

„Im Neubau passiert viel zu wenig“, sagte die zuständige Referatsleiterin im Statistischen Landesamt. In Brandenburg beispielsweise hätten die Genehmigungen beim Neubau im vergangenem Jahr um mehr als 20 Prozent zugelegt. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) verwies dagegen auf die deutschlandweite Entwicklung: „Im Bundesdurchschnitt sind die Baugenehmigungen um 7,3 Prozent zurückgegangen, in Berlin insgesamt nur um 1,2 Prozent.“

Überhang an Zusagen

Über 90 Prozent der genehmigten Wohnungen entstünden außerdem in Mehrfamilienhäusern und „damit genau dort, wo bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird“. Laut der Förderbank KfW liegt das Problem bundesweit ohnehin bei der Umsetzung. Es habe sich ein Überhang an Zusagen aufgestaut. Angesichts des seit Jahren laufenden Immobilienbooms stößt die Bauwirtschaft an ihre Grenzen: Handwerker und Baufirmen sind ausgelastet und suchen Fachkräfte.

Der FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, warnte davor, mit Baugenehmigungen „knapp auf Kante“ zu rechnen, „denn genehmigte Bauten sind noch lange keine gebauten Projekte“. Der Senat müsse die Genehmigungsverfahren beschleunigen. Die FDP und die CDU-Fraktion kritisierten am Donnerstag auch, dass Lompscher ein Projekt in Spandau an sich gezogen habe.

Bebauungsplan für die Wasserstadt

Die Senatsbauverwaltung will den Bebauungsplan für die Wasserstadt Oberhavel selbst in die Hand nehmen. „Wir haben das Bebauungsplanverfahren an uns gezogen, um das langwierige Hin und Her mit dem Bezirk Spandau an dieser Stelle zu beenden“, teilte Staatssekretär Sebastian Scheel mit.

Bisher sei nicht sichergestellt, dass dort genug Wohnungen zu Mieten von anfangs 6,50 Euro pro Quadratmeter und somit für Menschen mit geringem Einkommen angeboten würden, kritisierte Scheel. In Spandau gibt es dagegen den Wunsch nach mehr Durchmischung und weniger Sozialwohnungen. „Ich will nicht die sozialen Brennpunkte von morgen bauen“, sagte der Baustadtrat des Bezirks, Frank Bewig (CDU), dem „Tagesspiegel“.  (dpa)