Bei den sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen stehen 5337 Wohnungen leer. Die meisten davon, weil sie saniert werden. Das berichtete Mario Hilgenfeld vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Dass so viele Wohnungen sanierungsbedingt leerstehen, zeige, dass die Vermieter viel investieren, so Hilgenfeld. Bei rund zehn Prozent der leerstehenden Wohnungen gibt es aber auch „Vermietungsschwierigkeiten“, war aus einer vorgelegten Übersicht über die Leerstandsgründe abzulesen.

Anlass für die Anhörung war die Besetzung eines leerstehenden Hauses der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land am Pfingstsonntag. Hilgenfeld sagte, der Leerstand bei den landeseigenen Unternehmen belaufe sich auf zwei Prozent. Damit ist der Anteil der nicht vermieteten Unterkünfte bei den städtischen Vermietern seit dem Jahr 2016 in etwa konstant. Ermittelt wurden die aktuellen Zahlen mit Stand vom 30. April 2018.

Notwendige Fluktuationsreserve

Sehr viel geringer als bei den landeseigenen Unternehmen ist der Leerstand bei den Genossenschaften. Hier belief sich der Anteil der nicht vermieteten Unterkünfte am 31. Dezember 2017 auf 0,9 Prozent, berichtete Hilgenfeld. Das liege vor allem daran, dass die Genossenschaften seit Jahrzehnten Modernisierungen intensiv verfolgt hätten.

Der BBU vertritt neben den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften kirchliche und einige private Vermieter, unter anderem die Deutsche Wohnen. Die BBU-Mitglieder verwalten rund 700.000 der 1,6 Millionen Mietwohnungen in Berlin. Bei allen BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin standen Ende vergangenen Jahres 1,7 Prozent der Wohnungen leer, sagte Hilgenfeld. Zum Vergleich: 1999 waren es noch 8,7 Prozent.

Der jetzige geringe Leerstand weist darauf hin, dass der Wohnungsmarkt angespannt ist. Der „magische Wert“ von rund drei Prozent sei in Berlin im Jahr 2010 erreicht worden, so Hilgenfeld. Magisch sei der Wert, weil er in der Literatur häufig als notwendige Fluktuationsreserve bezeichnet werde. Darunter verstehen Experten den Anteil an Wohnungen, der für einen funktionierenden Immobilienmarkt benötigt wird. Umzüge müssen schließlich möglich sein.

Leerstand von Privaten vertuscht

Zu Vermietungsschwierigkeiten gehöre es, wenn nicht sofort die passenden Bewerber für eine Sozialwohnung gefunden werden, berichtete der Geschäftsführer der Stadt und Land, Ingo Malter. Manchmal führe aber auch die Lage dazu, dass Wohnungen gemieden werden, sagte Gesobau-Chef Jörg Franzen. So zögen etwa Studenten nicht gerne in das Märkische Viertel. Zweithäufigster Grund für den Leerstand ist bei den landeseigenen Unternehmen der Mieterwechsel. 31 Prozent des Leerstands ist darauf zurückzuführen. Zwölf Prozent der nicht vermieteten Wohnungen sind wegen baulicher Schäden schlicht unbewohnbar.

Dass ganze Häuser leerstehen, wie jenes, das besetzt wurde, ist jedoch die Ausnahme. Gesobau-Chef Franzen sagte, zum 30. Mai habe es fünf leerstehende Häuser bei den städtischen Vermietern gegeben. Zwei davon bei der Gesobau. Eines sei mittlerweile abgerissen worden, weil an dessen Stelle ein Studentenheim entstehe. Das andere werde umgebaut zu einem Mutter-Kind-Haus. Stadt-und-Land-Chef Malter kündigte an, in dem zu Pfingsten besetzten Haus werde die Sanierung Ende des Jahres beginnen.

Dass mancher Leerstand von Privaten vertuscht werden soll, berichtete Eckhard Sagitza, Leiter des Fachbereichs Wohnen im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. So habe ein „großer Akteur“ Mietverträge für verschiedene Wohnungen mit immer denselben Mieter-Namen vorgelegt. Er habe den Eindruck, es gebe den „Beruf Mieter“.