Berlin - Frische Fische aus dem schönen Mittelmeer“ steht von Hand geschrieben auf einem Schild im Eingangsbereich. Neben der Fischtheke stapelt sich allerlei süßes Selbstgebackenes. Ein Frau formt eine gewürzte Hackfleischmischung zu Köfte. Von den vier Kassen ist eine besetzt. Über den Köpfen der Kunden, die sich hier anstellen, läuft ein Fernseher.

In den Regalen dominieren türkische Produkte, aber auch deutsche findet man: Mais von Bonduelle, Kekse der Edeka-Eigenmarke „Gut und Günstig“, sogar Tiernahrung gibt es, ein Produkt, dass nur deutsche Kunden kaufen. Aber der Bolu-Markt an der Wilhelmstraße in Spandau ist türkisch. Es ist ein Familienbetrieb. Der Laden ist anders als Edeka, Kaisers oder Lidl. Andere Farben, andere Gerüche, andere Geräusche. Aber er ist auch kein kleiner türkischer Gemüseladen. Es ist ein Supermarkt, modern, mit einer großen Produktpalette. „Wir haben sehr viele deutsche Kunden“, sagt die Verkäuferin hinter der Theke mit den typisch türkischen Pasten.

Eine ältere deutsche Frau läuft den Gang entlang. Sie hat nur drei Paprikaschoten dabei. Sie sei gekommen, weil dies eben der nächste Supermarkt in ihrer Nähe ist, nicht weil sie türkische Produkte kaufen will. Aber er gefällt ihr auch, dieser Markt. „Die Auswahl bei Obst und Gemüse ist sehr groß und genauso beim Fleisch“, sagt sie. Ein Blick auf die Fleischtheke reicht zur Bestätigung: Lammschulter reiht sich an Lammnacken, an Lammkotelett, -gehacktes, -gulasch. Ähnlich ist es bei Kalbfleisch, Rind und Geflügel, nur Schweinefleisch gibt es nicht. Und alles ist halal, nach muslimischen Regeln geschlachtet. Das Unternehmen beschäftigt einen eigenen Schlächter, der auf verschieden Schlachthöfen für den Betrieb schlachtet.

Ein Vorteil ist die Frische

Der Spandauer Bolu-Markt ist die achte Filiale des Unternehmens, eine neunte soll im März in Wittenau öffnen. Der Kiez um die Wilhelmstraße in Spandau ist ein durchaus gemischtes Gebiet, was die Herkunft der Bevölkerung betrifft. Es ist kein türkischer Boden hier, wie vielleicht Teile von Kreuzberg, Wedding oder Neukölln. In Laufweite, in der Spandauer Altstadt betreibt die Konkurrenz Euro-Gida, ebenfalls ein türkischer Kettenbetrieb mit acht Filialen, einen ähnlich großen Markt.

Halil Kazancioglu hat die Bolu Lebensmittelhandels GmbH seit 1988 mit seinem Bruder in Berlin aufgebaut. Seitdem ist der Betrieb ständig gewachsen. Aber er ist immer noch familiengeführt. „Die erste Generation türkischer Läden in Berlin hat türkische Waren an Türken verkauft“, sagt der Geschäftsführer. Man wende sich zwar immer noch hauptsächlich an türkische Kunden, aber eben auch an deutsche. 2 000 türkische Produkte hat Bolu im Sortiment, die etwa zehn Prozent deutschen Waren liefert Edeka dazu. Mit dieser Partnerschaft wirbt das Unternehmen auch auf der eigenen Internetseite. Ansonsten hebt die Firma hervor, was sie besonders macht: alles frisch, bei der Zubereitung können die Kunden zum Teil zusehen.

Nils Busch-Petersen, der Chef des Einzelhandelsverbandes Berlin-Brandenburg, findet es interessant, dass dieses Konzept mittlerweile auch außerhalb von mehrheitlich türkischen Stadtquartieren funktioniert. „Die Zielgruppe für türkische Märkte ist größer geworden“, sagt er. In Mitte sei es ja geradezu en vogue, im türkischen Supermarkt einzukaufen. Das liegt auch daran, dass die Märkte vor allem frische Produkte präsentieren. Es gibt sie in Steglitz wie in Wilmersdorf, in Spandau und in Reinickendorf, nur im Ostteil der Stadt ist das Angebot nach wie vor dünn.

Und noch etwas hat sich verändert: Ein Blick ins Internet reicht, um zu sehen, dass türkische Märkte wie zuvor die deutschen einen Konzentrationsprozess durchgemacht haben. Einzelne kleine Gemüsehändler gibt es kaum noch. Fast alle sind Filialbetriebe. „Aber im Unterschied zu deutschen Supermärkten sind es meistens Familieninhaber, keine Kapitalgesellschaften“, sagt Busch-Petersen. Und das soll auch so bleiben, wenn es nach Halil Kazancioglu geht.