Berlin - Im Fall des spektakulären Bankeinbruchs von Steglitz ist eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt worden, die zur Wiederbeschaffung der gestohlenen Wertsachen führen. Wie die Berliner Volksbank am Montag mitteilte, biete eine der betroffenen Versicherungen zehn Prozent des Wertes an, insgesamt bis zu 25.000 Euro.

Die Belohnung gibt auch einen ersten Hinweis auf den möglichen Gesamtschaden. Häufig liegen die ausgesetzten Belohnungen bei mindestens zehn Prozent des ermittelten Schadens. Die bislang flüchtigen Täter könnten also insgesamt etwa eine Viertelmillion Euro oder mehr erbeutet haben – was in Anbetracht des aufwendigen Coups jedoch wenig wäre. Nach Angaben der Bank können zum Schaden allerdings noch keine Angaben gemacht werden. Die Ermittlungen dazu dauerten an.

Vor zweieinhalb Wochen waren unbekannte Täter durch einen 45 Meter langen Tunnel in den Tresorraum der Volksbank-Filiale an der Schloßstraße eingebrochen. Knapp ein Jahr zuvor hatten sie in einer Tiefgarage auf dem Nachbargrundstück mit Hilfe eines gefälschten Ausweises einen Parkplatz angemietet. Von der verschließbaren Stellfläche aus gruben sie einen professionell konstruierten Tunnel in den Keller der Bank. Dort brachen sie 309 der insgesamt rund 1 600 Schließfächer auf, die von privaten Kunden angemietet sind.

Mittlerweile 310 Hinweise

Die Polizei hat mittlerweile 310 Hinweise zur Tat erhalten. Obwohl die Hoffnungen, die Täter zu ergreifen, nach mehr als zwei Wochen üblicherweise schwinden, gab sich Polizeisprecher Thomas Neuendorf optimistisch. „Es gibt noch eine Vielzahl von Ermittlungsansätzen. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Täter erwischen“, sagte er.

Am Montag durften Kunden, deren Schließfächer nicht aufgebrochen wurden, erstmals wieder den Tresorraum betreten. Dieser sei gesäubert und frisch gestrichen worden, sagte Nancy Mönch, Sprecherin der Volksbank. Schon vergangene Woche war das Loch in der 80 Zentimeter dicken Stahlbetonwand wieder verschlossen worden. Zeitgleich werden die geschädigten Kunden in einer speziellen Anlaufstelle in der Nähe weiter betreut. Seit vergangener Woche hätte es dort schon mit 70 der mehr als 300 Kunden Gespräche gegeben.

Bislang flüchtige Täter

In der Anlaufstelle würden sich teils hoch emotionale Szenen abspielen. „Einige Kunden sind extrem aufgeladen und laut“, sagte Mönch. Es gebe auch Beleidigungen. Es seien Schließfachmieter dabei, die viel Bargeld und teure Wertgegenstände durch den Einbruch verloren hätten. „Manche dieser Kunden sind davon ausgegangen, dass alles versichert ist, obwohl es das nicht war“, sagt die Banksprecherin. Das Problem: Die Schließfächer, die pro Jahr 40 bis 175 Euro kosten, haben keine Versicherung. Darauf weist die Bank bei Vertragsabschluss hin. Die Kunden müssen sich um eine eigene Schließfachversicherung kümmern, die vom Wert der verwahrten Gegenstände abhängt. „Wir wissen ja nicht, was in dem Fach drin ist“, sagt Mönch.

Diese Regelung gefällt einigen Kunden nicht. „Ich hätte von der Bank erwartet, dass sie die Schließfächer versichert“, sagt ein Kunde, der namentlich nicht genannt werden möchte. 90 Euro zahlten er und seine Frau pro Jahr für die Miete. In wenigen Tagen haben sie einen Termin bei der Bank, denn auch ihr Fach wurde aufgebrochen.

„Eine Versicherung haben wir nicht, das hätte wenig Sinn gehabt“, sagt er. In dem Fach habe Erbschmuck seiner Frau mit geringem materiellen, dafür aber hohem Erinnerungswert gelegen. Dazu wichtige Dokumente wie etwa Kfz-Briefe. „Jetzt ärgern wir uns, dass wir das Fach gemietet haben“, sagt er. „Zu Hause im Nachttisch wäre das von der Hausratversicherung abgedeckt gewesen.“ Er hofft nun, dass die Täter nicht alles mitgenommen haben.