Berlin - Stundenlang brüteten die Sachverständigen am Freitagvormittag über Berechnungen, Kartenskizzen, Expertisen. Am Nachmittag kamen sie erneut zusammen. Aber auch nach den jüngsten Treffen zum Wassereinbruch an der U-Bahn-Linie 2 ist ungewiss, ob und wann der gesperrte Tunnel zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz wieder in Betrieb genommen werden kann.

Zwar zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz 12, auf deren Baustelle die Havarie geschah, zuversichtlich. „Für uns ist die Situation klar“, sagte Geschäftsführer Andreas Fettchenhauer. Der Tunnel sei sicher. Bald könnten wieder Züge fahren. Doch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sehen dies skeptisch. „Das ist weiter nicht absehbar“, so Sprecherin Petra Reetz.

Damit müssen die Fahrgäste auch weiterhin damit zurechtkommen, dass eine wichtige Ost-West-Strecke unterbrochen ist. Am 30. März war auf dem Gelände, auf dem Investor Harald G. Huth ein Einkaufszentrum bauen lässt, Grundwasser ausgetreten. Es floss nach Angaben des Bauherrn durch eine Betonwand, mit der die Baugrube zur Voßstraße hin stabilisiert wird, in die Baugrube A. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine der beiden Wände, die den U-2-Tunnel umhüllen, der über das Baugelände führt.

Seitdem heißt es für die Reisenden: laufen oder Bus fahren. Mit der U 1 zwischen Möckernbrücke und Wittenbergplatz ist auch die zweite Ost-West-U-Bahn unterbrochen – bis 8. Juni. „Nach dem Chaos bei der S-Bahn müssen sich auch die Fahrgäste der U-Bahn auf monatelange Chaostage einstellen“, fürchtete Martin Schlegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Experte: Bauwerk ist marode

So lange werde es hoffentlich nicht mehr dauern, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Staatssekretär Christian Gaebler macht da schon Dampf.“ Aber auch für die Technische Aufsichtsbehörde habe Sicherheit Priorität. Bei ihr hatten sich Vertreter aller Beteiligten am Freitag getroffen. „Dabei zeigte sich, dass es noch offene Fragen gibt“, sagte Reetz.

Die BVG befürchtet, dass ihr Bauwerk unterspült worden ist. Am Montag gibt es ein weiteres Gespräch. Am Mittwoch könnte klar sein, wie es weitergeht, hieß es. Geben die Experten grünes Licht, könnte die Trasse bald darauf wiederöffnet werden, sagte Augenstein.

Huth wollte den 104 Jahre alten, 144 Meter langen Tunnelabschnitt abreißen und neu errichten lassen. Auch der Investor Peter Kottmair, der in den 1990er-Jahren auf dem einstigen Wertheim-Gelände bauen wollte, hatte dies gefordert. „Die Anlage im früheren Keller des Kaufhauses ist abgängig“, sagte ein Experte, der sich damit befasst hat. Die Wände aus rund 24 Zentimeter dickem Stampfbeton befinden sich seit 1908 zu drei Vierteln im Grundwasser, darum seien die einst eingebauten Stahlträger längst verrottet.

Selbst wenn der U-2-Tunnel inzwischen neu gebaut worden wäre, bestünde die Gefahr einer Unterspülung, entgegnete Petra Reetz. Und überhaupt: „Unser Tunnel ist in Ordnung.“ Doch der Experte entgegnete: „Die BVG weiß seit 1995, dass ihre Anlage modernen Standards schon lange nicht mehr genügt. Trotz der neuen Betonwände links und rechts steht sie weiterhin im Grundwasser.“ Es könnte jederzeit wieder neue Probleme geben.