Berlins Tunnel müssen zu häufig gesperrt werden und werden dadurch zu einem Verkehrshindernis. Darum sucht der Senat mit anderen Bundesländern nach Wegen, wie die Zahl der Sperrungen wegen zu hoher Verkehrsbelastung verringert werden kann. „Wir sind nicht die einzigen in Deutschland, die das Problem haben, dass wir innerstädtische Tunnel schon bei etwas stärkerem Verkehr sperren müssen“, sagte der neue Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD).

Die Stadtautobahnen gehören zu Berlins Lebensadern. Doch an zwei Stellen kommt es oft zum Infarkt: im 940 Meter langen Tunnel Flughafen Tegel im Verlauf der A 111 – und im Tunnel Ortsteil Britz an der A 100 in Neukölln, mit 1,7 Kilometern der längste Autobahntunnel Berlins.

Das Team der Tunnelleitzentrale, die in einem unauffälligen Neubau an der Auffahrt Eichbornstraße logiert, beobachtet den Verkehr mit Kameras. Droht die Belastung zu groß zu werden, verständigt es die Verkehrsregelungszentrale im Tempelhofer Flughafengebäude. Sie entscheidet, ob der staugefährdete Tunnel oder die Autobahnauffahrt davor aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt wird. Nachdem es unter dem Mont-Blanc und in anderen Alpentunneln gebrannt hatte, erließ die Europäische Union 2004 eine verschärfte Richtlinie, die auch in Deutschland zu einer Neufassung der Bestimmungen führte.

Folge für die Autofahrer: 2010 musste der Neuköllner Tunnel 43 Mal geschlossen werden, weil zu viele Autos hinein wollten. Im vergangenen Jahr gab es 18 solcher Sperrungen – 16 stadteinwärts und zwei stadtauswärts. Der Flughafentunnel war 2010 sogar 264 Mal nicht befahrbar, sagte Gaeblers Sprecherin Daniela Augenstein. Im vergangenen Jahr wurde er immerhin 96 Mal wegen zu hohen Verkehrsaufkommens gesperrt – 71 Mal stadteinwärts und 25 Mal stadtauswärts.

Für den Rückgang hat der Senat keine Erklärung. Vielleicht war die Zahl im Fall des Tegel-Tunnels 2010 so hoch, weil Baustellen zu Rückstaus geführt haben. Generell sei der Verkehr in Berlin zurückgegangen. Doch auch wenn es 2011 weniger Sperrungen gab: Der Senat bemüht sich, die Zahl noch weiter zu senken.

Geprüft wird, ob die Richtlinien anders angewendet oder verändert werden könnten. „Darüber sprechen wir mit dem Bund“, so Gaebler. „Unser Eindruck ist, dass man auch dort bemüht ist, die Richtlinien nachzubessern, ohne dass dabei die Sicherheit vernachlässigt wird.“ In modernen Tunneln führe nicht jeder kleine Stau zu Risiken.

Staatsbesuch legt Autobahn lahm

Im Bundesverkehrsministerium zeigte man sich offen. Wie die Regeln gehandhabt werden, richte sich „nach den örtlichen Gegebenheiten und liegt in der Verantwortung der zuständigen Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden der Länder“, sagte ein Sprecher.

Für den Senat ist der Neuköllner Tunnel auch deshalb ein Thema, weil er an der Autobahn zum Schönefelder Flughafen liegt. Die Airport-Zufahrt ist schon heute stauanfällig. Als am Dienstag der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak nach seiner Landung nach Berlin fuhr, sperrte die Polizei die Anschlussstelle Schönefeld-Süd. Staus waren die Folge, Reisende verpassten Flüge. Ab Juni, wenn sich der Regierungsflughafen in Schönefeld befindet, muss öfter mit solchen Störungen gerechnet werden.