Ein Bild aus besseren Tagen. Aktuell ist TV-Köchin Cynthia Barcomi nämlich nicht zum Lachen zumute. Sie musste das Barcomi‘s Deli in den Sophie-Gips-Höfen schließen. 
Foto: Christian Schulz

BerlinAuf der Internetseite des Barcomi’s Deli in den Sophie-Gips-Höfen in Mitte steht: „Wegen Covid-19 vorerst geschlossen.“ Das ist nicht die ganze Wahrheit. Das Lokal der Gastronomie-Pionierin Cynthia Barcomi wird nicht wieder öffnen. Die Amerikanerin, dem deutschen Publikum als Fernsehköchin aus Sendungen wie „Volle Kanne“ und „ARD Büfett“ bekannt, leidet unter dieser Entscheidung: „Ich trauere, als ob jemand gestorben wäre.“

Sie ist sich inzwischen sicher, dass diese Entscheidung unausweichlich war. „Als Covid-19 anfing, mussten wir schließen. Es war nicht möglich, dort Take-away zu machen. Wir haben das versucht und festgestellt, da ist einfach kein Laufverkehr, keine Touristen, keine Leute, die ins Büro gehen. Das war nicht tragbar.“ Die Unternehmerin musste sich von dem 1997 gegründeten Geschäft auch deshalb trennen, um ihr Stammgeschäft in der Kreuzberger Bergmannstraße zu sichern. Der Laden in Mitte hatte eine beeindruckende Größe: „Das ist ein riesengroßes Geschäft mit 100 Sitzplätzen innen und 100 Sitzplätzen draußen. Ich hatte einfach Angst, dass ich das wirtschaftlich nicht überlebe, und dann hätte es auch die Bergmannstraße runtergezogen.“ Ihr Kreuzberger Laden existiert schon seit 1994 und blieb auch während der Pandemie geöffnet: „Die Bergmannstraße habe ich die ganze Zeit aufgehabt mit Take-away. Wir haben viele Krankenhaus-Carepakete gemacht und Lieferservice. Und das lief. Mit dem Deli habe ich einfach Angst gehabt, dass ich das nicht bewältige und dass ich dann Bankrott gehe.“

Nach 23 Jahren eine schwierige Entscheidung: „Barcomi’s ist meine Existenz. Und die Existenz von sehr vielen Leuten. Ich konnte es nicht riskieren. Und aus geschäftlichen Gründen macht es keinen Sinn, einen Kredit aufzunehmen, um fehlende Umsätze zu finanzieren.“

Cynthia Barcomi kann sich vorstellen, bald wieder ein zweites Geschäft zu eröffnen. „Aber dann würde ich gucken, dass das nicht ganz so groß ist.“ Wird der zweite Laden wieder in Mitte sein? „Ich würde gerne, ich habe das wirklich geliebt. Ich persönlich wohne in Zehlendorf und finde, Zehlendorf könnte auch ein Barcomi’s gebrauchen. Charlottenburg wär aber auch toll. Ich bin nicht an dem Punkt, an dem ich das konkret machen würde, aber 2021 kann ich mir das gut vorstellen.“ Das hänge von den Umständen ab: „Wir müssen uns erholen und wir müssen gucken, wie geht es unserem Publikum? Gehen die Leute aus, geben sie Geld aus? Was für Auflagen haben wir von der Regierung? Wenn die Zeit reif ist, dann agiere ich auch.“