SÖNKE WORTMANN liegt mal wieder voll im Trend. Wenn sogar Großmeister Woody Allen eine Serie gedreht hat (für Amazon), dann gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, angesichts dieses Genres die Nase zu rümpfen. Es gab diesen Grund tatsächlich nie wirklich, denn auch bei der Serie hängt alles von der Qualität ab. Und auf die Qualität des Sechsteilers „Charité“ scheint man bei der ARD und bei der produzierenden Ufa besonders stolz zu sein, sonst hätte man ihm keine eigene Premiere auf der Leinwand des Langenbeck-Virchow-Hauses der Charité spendiert. Programmdirektor Wolfgang Herres verspricht dem Zuschauer erkenntnisreiche Stunden: „Dank der engen Zusammenarbeit mit medizinhistorischen Beratern gibt ,Charité’ mit großer Genauigkeit den historischen Stand der Medizin wider. Unsere neue Hauptabendserie ist ebenso spannend wie lehrreich.“

KARL MAX EINHÄUPL musste bei dieser Unternehmung als Chef der Charité auf den Ruf seines Hauses achten. Er klingt erleichtert: „Ich bin begeistert von der großartigen Zusammenarbeit und dem überzeugenden Ergebnis dieses außergewöhnlichen Filmprojekts.“ Einhäupl umschreibt den historischen Rahmen: „Der Sechsteiler spielt in den Jahren um 1888, einer Zeit der bahnbrechenden medizinischen Forschung an der Charité und enormen gesellschaftlichen Umwälzungen. Damals waren gleich drei spätere Medizin-Nobelpreisträger dort tätig: Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich.“ Einhäupl fasst zusammen: „Die Charité ist stolz, dass diese medizinhistorisch bedeutenden Ereignisse nun filmisch aufgearbeitet und einem breiten Publikum nähergebracht werden.“ Wie stolz man an dem Universitätsklinikum darauf ist, kann dieser Tage jeder Patient dort leicht erkennen. In den Wartezimmern liegt das Presseheft zur Serie nämlich aus und konkurriert mit anderem Lesestoff um die Aufmerksamkeit der Besucher.

ALICIA VON RITTBERG spielt Ida Lenze, die am Anfang der Serie mit einer akuten Blinddarmentzündung in der Charité landet. Damals war das noch nicht der banale Eingriff, den heute quasi der Klinikpförtner nebenbei erledigt, sondern in vielen Fällen ein Todesurteil. Wer Pech hatte, geriet an Klinikpersonal, das auf den guten alten kalten Wickel setzte und ansonsten der Natur ihren Lauf ließ, was in diesen Fällen meist tödlich endete. Ida Lenze hat Glück, denn sie landet auf dem Operationstisch und überlebt. Anschließend muss sie die Behandlungskosten in der Charité abarbeiten, weil sich die Herrschaft, bei der sie als Kindermädchen angestellt war, einfach weigert, die Klinik zu bezahlen. Wie sehr Alicia von Rittberg bei den Dreharbeiten in Prag begeistern konnte, erkennt man an der schwärmerischen Art, in der Ufa-Chef Nico Hofmann zuletzt über sie redete. Wer verstehen will, warum sie ihn so begeistert, hat dazu vom 21. März an Gelegenheit. Nächsten Dienstag startet die Serie mit einer Doppelfolge im Ersten. Auf diesem Sendeplatz ist das Publikum historische Serien wie „Weissensee“ gewöhnt.

EMILIA SCHÜLE hat die Rolle der Varieté-Sängerin Hedwig Freiberg übernommen. Bei ihr handelt es sich – im Gegensatz zu Ida Lenze – um eine historische Figur. Der spätere Medizin-Nobelpreisträger Robert Koch lernte sie beim Maler Gustav Graef kennen, dem er für ein Porträt Modell saß. Er verliebte sich in die junge Frau und heiratete sie drei Jahre nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau. Hedwig Koch rettete 1945 im kriegszerstörten Berlin unter dramatischen Umständen die Nobelpreis-Goldmedaille ihres 1910 verstorbenen Mannes.

DOROTHEE SCHÖN und Sabine Thor-Wiedemann haben die Drehbücher für die Serie „Charité“ geschrieben. Ursprünglich waren sie bei Beginn des Projekts im Jahr 2008 davon ausgegangen, 2010 zum 300. Jubiläum der Klinik eine Doku-Fiction auf den Bildschirm zu bringen. Doch im Laufe der Zeit wuchs sich alles zu einer Serie aus, deren Vorbereitungen und Produktion schließlich neun Jahre beanspruchten. In sechs Folgen hätte man nicht sinnvoll drei Jahrhunderte Klinikgeschichte behandeln können. Man konzentrierte sich schließlich auf die Zeit um das Jahr 1888, weil das die Zeit war, in der sich die Wege bahnbrechender Forscher an der Charité kreuzten.