Die Wahl des Rechtspopulisten, Ex-Militärs und Schwulenhassers Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien wirkt sich auch auf Deutschland aus. Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung mit Sitz in Berlin hat ihr Geschäftskonto bei der Deutschen Bank gekündigt.

Grund dafür ist die Online-Nachricht eines Anlagestrategen der Deutschen Bank, der im Vorfeld der Wahl in Brasilien über Bolsonaros Favoritenrolle bei Twitter geschrieben hatte, der Markt scheine „seinen Wunschkandidaten bereits gefunden zu haben“.

Weiter schrieb der Stratege, der neoliberale Bolsonaro habe versprochen, im Falle seines Wahlsieges auch Staatsbetriebe verkaufen zu wollen, um den Haushalt zu sanieren. „Der Aktienmarkt quittierte sein jüngstes Umfragehoch mit einem Plus von fünf Prozent.“

Stiftung kritisiert Deutsche Bank

Für die Stiftung, die sich gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen engagiert, ist diese Nachricht nicht zu akzeptieren, wie sie schreibt. „Wir möchten kein Konto bei einer Bank haben, die rechtsradikale Präsidenten in ihrer Medienarbeit unkritisch auf mögliche Markterfolge reduziert und sie damit verharmlost“, sagt der Vorstand der Stiftung, Jörg Litwinschuh, der Berliner Zeitung.

Den Begriff Wunschkandidat hätte die Deutsche Bank nicht unkommentiert lassen dürfen. „Wir investieren nicht in Staaten, deren Regierungen eine homofeindliche Politik betreiben oder sogar Homosexualität bestrafen“, sagte Litwinschuh.

Keine kurzfristige Entscheidung

Die Deutsche Bank teilte der Berliner Zeitung auf Nachfrage mit, bei dem Tweet habe es sich ausdrücklich um eine faktische Beschreibung und nicht um eine inhaltliche Würdigung des politischen Programms des Präsidenten Jair Bolsonaros gehandelt. „Die Deutsche Bank Bank wollte hier auf keinen Fall Partei ergreifen“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Sollte hier ein falscher Eindruck entstanden sein, tut uns das leid.“

Stiftungs-Vorstand Litwinschuh sagte dieser Zeitung, die Kündigung des Kontos sei keine kurzfristige Entscheidung gewesen. Seine Einrichtung sei schon längere Zeit mit der politischen Arbeit und politischen Ausrichtung der Deutschen Bank unzufrieden.