Tyrannosaurus Rex "Tristan" im Naturkundemuseum: Einzigartiges T-Rex-Skelett erobert Berlin

Der ganz große Auftritt steht Tristan noch bevor, wenn sein Skelett ab Mitte Dezember in voller Größe im Naturkundemuseum zu sehen sein wird. Am Montag wurde zunächst der Schädel des Tyrannosaurus Rex der Öffentlichkeit präsentiert – allerdings nicht in einem Stück, sondern in rund 50 Einzelteilen. Fein säuberlich in Styropor verpackt, sind die bereits präparierten Knochen per Frachtflug aus Pennsylvania gekommen, um hier in Berlin weiter erforscht und für mindestens drei Jahre dem Publikum gezeigt zu werden.

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Johannes Vogel, der Generaldirektor des Naturkundemuseum, ist stolz, dass sich der Besitzer des 2012 in Montana (USA) gefundenen Skeletts Niels Nielsen dafür entschied, es nach Berlin zu geben. Der in London als Investmentbanker arbeitende Däne folgte damit dem Rat von Saurierspezialisten in Amerika, die wissen, dass das Berliner Forschungsmuseum die richtigen Fachleute für dieses Projekt hat. „Was für ein Superbiest“, frohlockt Vogel und dankt dem Senat, der unbürokratisch bei der Versicherung des edlen Exponats half.

Im Berliner Naturkundemuseum in der Invalidenstraße sind die Fossilien der bislang erfolgreichsten Dinosaurier-Grabung aller Zeiten zu sehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war im Auftrag des Museums eine Expedition nach Tansania in Ostafrika gestartet und barg dort am Tendaguru-Hügel die gigantische Menge von 250 Tonnen Saurier-Knochen. Der Fund wurde nach Berlin gebracht und – soweit es ging – zu Skeletten montiert. Darunter das rund 13 Meter hohe Skelett des Brachiosauriers, das größte montierte Dinosaurierskelett der Welt.

Der T-Rex war krank

Der Brachiosaurier lebte vor 150 Millionen Jahren und ernährte sich von Pflanzen, während sein nordamerikanischer Artgenosse Tyrannosaurus Rex ein Fleischfresser war. Der T-Rex ist mit rund 70 Millionen Jahren vergleichsweise jung. Ein erster Blick, den die beiden Berliner Wissenschaftler Oliver Hampe und Florian Witzman bereits in Pennsylvania, wo die Knochen präpariert wurden, auf das Skelett werfen durften, verriet, dass es dem Saurier zu Lebzeiten gesundheitlich nicht besonders gut ging. Er hat zum Beispiel Anomalien des Zahnwachstums und Beschädigungen an Zahnkronen. Weiterhin wurden Fehlbildungen an einer Reihe von Schädelknochen festgestellt, möglicherweise handelt es sich dabei um eine Folge von lokalen Entzündungen und Schwellungen im Kiefer- und Gesichtsbereich.

Außerdem sind an Knochen des Schulter- und Beckengürtels sowie an Rippen degenerative Veränderungen sichtbar. Ebenso fanden sich verheilte Brüche an dem noch nicht ganz ausgewachsenen Tier. Wenn die restlichen Teile des Skeletts nach Berlin gebracht worden sind, können genauere Diagnosen mittels moderner bildgebender Verfahren gestellt werden. Die Untersuchungen erfolgen in den Laboren des Museums selbst sowie bei Kooperationspartnern wie der Charité.

Schwarze Knochen

Heinrich Mallison vom Museum für Naturkunde hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein vollständiges 3D-Modell von Tristan zu erstellen. „Unser T-Rex wird auferstehen – mit allen Muskeln, die es erlauben, Schlüsse auf die Fortbewegung und Beißkraft der Riesenechse zu ziehen“, sagte er. Eine interessante Frage sei zum Beispiel: Konnte diese Saurierart schnell wenden? Dazu werden die Biegebelastungen auf Wirbel und Beine berechnet und mit denen von Krokodilen und Vögeln verglichen.

Saurierkustodin Daniela Schwarz ist glücklich, den T-Rex im Hause zu haben. Fasziniert schaut sie immer wieder auf die schwarzen Knochen in den Kisten. „Die Farbe stammt von den Sedimenten, in denen das Skelett lagerte, und von schwarzem Wasser, das offenbar in den Erdschichten floss“, erläutert sie. Am Donnerstag startet ein vierköpfiges Team von Wissenschaftlern in die USA, um genau diese Umgebung des Skeletts am Fundort näher zu untersuchen.