Tyron Ricketts: „Ich versuche immer noch, den Ostteil Berlins zu meiden“

Bekannte Bewohner der Stadt blicken auf Berlin. Heute: Der Schauspieler Tyron Ricketts, der östlich von Friedrichshain noch immer rechte Tendenzen vermutet.

Lebt in Kreuzberg: der österreichische Schauspieler Tyron Ricketts.
Lebt in Kreuzberg: der österreichische Schauspieler Tyron Ricketts.Ava Pivot

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Tipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Tyron Ricketts unsere Fragen beantwortet. Der 49-Jährige ist Österreicher, geboren wurde er in Weiz in der Oststeiermark. Inzwischen lebt Ricketts schon seit vielen Jahren in Berlin, in Kreuzberg, um genau zu sein. Die Schauspielkarriere des einstigen Viva-Moderators begann Mitte der Neunzigerjahre, er spielte in „Knockin’ on Heaven’s Door“ und „Samba in Mettmann“, war außerdem Teil des Ermittlerteams der ZDF-Serie „Soko Leipzig“. Seit Jahrzehnten engagiert sich der Sohn einer Österreicherin und eines Jamaikaners zudem für People of Color und mehr Diversität in der Medienwelt. Derzeit produziert er „Sam – Ein Sachse“, eine deutsche Disney+-Original-Serie für den deutschen und internationalen Markt, in der er auch eine der Hauptrollen übernimmt. Sie erzählt die Geschichte von Samuel Meffire, dem ersten schwarzen Polizisten in Ostdeutschland.

1.           Herr Ricketts, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ich lebe seit 2003 fest in Berlin, bin aber seit 1995 sehr häufig in der Stadt gewesen, da hier der Sitz meiner Band Mellowbag war. Unser Studio war am Kollwitzplatz und damals haben wir im Winter noch mit Kohlen geheizt. Ich hatte allerdings zwischendurch mal fünf Jahre die Nase voll von der Stadt und war in Los Angeles und New York.

2.          Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Tatsächlich sitze ich gern auf der Insel der Jugend. Dort kann ich von zu Hause aus hinlaufen und bin dann in der Stadt im Grünen und am Wasser. Außer mir sind da auch kaum Hipster. Das gefällt mir gut.

3.           Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Eben gerne dorthin. Wenn mehr Zeit ist, dann noch lieber raus an einen See. Welcher das ist, verrate ich nicht. Mein letzter Geheimtipp ist heutzutage leider nicht mehr so geheim.

4.           Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Wenn ich auf dem Roller unterwegs bin, meide ich die Sonnenallee, weil ich Angst vor den AMGs und den Insass(inn)en habe. Um ehrlich zu sein, versuche ich auch immer noch den Ostteil, östlich von Friedrichshain zu meiden, da ich dort immer noch rechte Tendenzen vermute, auf die ich keine Lust habe. Auch der Kudamm muss es für mich nicht unbedingt sein.

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Panthertainment/Regina Schmeken
Zur Person
Tyron Ricketts ist Moderator, Schauspieler und Produzent. Zu Beginn seiner Karriere moderierte er die HipHop-Sendung „Word Cup“ auf Viva und produzierte mit seiner Band Mellowbag Hits.

Als Schauspieler gehörte er zur Stammbesetzung der Serien „Soko Leipzig“, „Dogs of Berlin“ oder „Die Inselärztin“. Mit Kurzfilmen wie „Afrodeutsch“ (2001) und dem antirassistischen Musikerbündnis „Brothers Keepers“ verknüpfte er in den Nullerjahren Entertainment und politische Botschaften. Für die Bundesregierung realisierte er Integrationsprogramme wie „Respekt 2010“ und „Heimat Almanya“. Ende 2012 wanderte Ricketts aufgrund besserer Drehbuchangebote für einige Jahre nach Amerika aus, wo ihm Harry Belafonte half, Fuß zu fassen.

Mit seiner Produktionsfirma Panthertainment produziert Ricketts Film- und Seriencontent mit Fokus auf Geschichten von People of Color für den globalen Markt. Im November ist er Schirmherr eines 13-wöchigen Förderprogramms von Netflix, das sich explizit an deutschsprachige PoC-Autorinnen und -Autoren richtet.

5.             Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Lila, peruanische Küche am Paul-Lincke-Ufer.

6.             Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Ähhhh?

7.             Der beste Stadtteil Berlins ist …
       
Ich finde Kreuzberg immer noch am besten. Hier ist zwar auch vieles neu und Berlin als neue Metropole hat uns eingeholt, aber dennoch bewahrt sich Kreuzberg das gewisse Maß an Freiheit, das es schon immer hatte.

8.             Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Irgendwelche reichen Idioten, die da hinziehen, wo es cool ist, um sich dann über das zu beschweren, was es cool macht. Bleibt doch bitte, wo ihr seid.

9.            Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Ich denke, Berlin sollte erneut über eine Mietpreisbindung nachdenken. Ich habe mit L. A. und New York in zwei Städten gelebt, in denen die Leute drei Jobs brauchen, um sich das Leben dort leisten zu können. Dieser Lebensstil hat keine positive Auswirkung auf die Lebensqualität. Das sollten wir hier vermeiden.

10.          Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Ich glaube, Berlin ist nichts für Unentschlossene. Hier braucht man einen Plan.

11.           Cooler als Berlin ist nur noch …

… das Meer.