Er ist und bleibt der Lieblingsspruch von Jörg Seegers: „Vor der Hacke ist es duster.“ Das sagen Bergleute, wenn sie nicht genau wissen, was ihnen im Untergrund noch so alles begegnen wird. „Vor der Hacke ist es duster“: Das gilt in diesem Fall für den Weiterbau der U-Bahn-Linie U 5, bei dem der Geologe als Technik-Geschäftsführer fungiert. Am Mittwoch wurde gefeiert, dass auch die zweite Röhre im Rohbau fertiggestellt worden ist. Doch es kam auch zur Sprache, welche Herausforderungen noch bevorstehen – und warum das Projekt U 5 noch rund fünf Jahre dauert.

Im April war die Tunnelbohrmaschine neben dem Nikolaiviertel in 20 Meter Tiefe aufgebrochen, um auch die zweite Röhre für die U 5 zu bauen. Inzwischen hat sie ihr Ziel vor der Russischen Botschaft Unter den Linden erreicht. „Uns fällt ein Stein vom Herzen“, sagte Seegers.

Ankunft im Morgengrauen

Nachdem die Maschine 1 620 Meter Tunnel gebaut hatte, konnte sie den Vortrieb einstellen. Nach Informationen der Berliner Zeitung war es am 29. September gegen 3 Uhr früh soweit. Die Tunnelbauer vom schweizerischen Unternehmen Implenia meldeten : „Wir haben es geschafft“ – früher als vorgesehen.

„60 Mitarbeiter gehören zum Team auf der Maschine“, sagt Stefan Roth, der Deutschland- und Österreich-Chef von Implenia. „In 157 Tagen haben sie die zweite Röhre gebaut, ohne Unfall.“ Es waren anstrengende Zwölf-Stunden-Schichten. Unten ist es heiß, meist um 30 Grad Celsius. Mit ihrem 6,67 Meter großen Schneidrad wühlte sich die Maschine durch Mitte und kleidete die Röhre mit Betonteilen aus, die jetzt 1 076 Ringe bilden. An den besten Tagen kam sie 28 Meter weit.

Die unterirdische Fahrt ging vier Meter unter der Spree hindurch, sie führte durch Grundwasser, Kies, Sand und Mudde – schlammige Sedimente, die schlecht riechen. Die Berliner Bodenverhältnisse sind schwierig. „Das hier ist die Königsklasse“, sagte der Tunnelbauer Michael Kolmsee (Spitzname „Paule“).

Bei der Feier war „Paule“ nicht dabei, er ist im Urlaub. Am Mittwoch ging es schon um die nächsten Etappen. Der Abbau der 74 Meter langen Maschine hat begonnen, Ende des Jahres soll er enden. Zugleich wird das komplizierteste Teilprojekt beim Bau der U 5 vorbereitet: der U-Bahnhof Museumsinsel.

„Es wird nicht einfach“, sagte Peter Hoppe von Implenia. Die Station entsteht in 23 bis 25 Meter Tiefe zwischen zwei Schächten – unter dem Spreekanal und dem Haus Unter den Linden 1, in dem Bertelsmann residiert. Keine simple Umgebung.

Erste Zugfahrt Ende 2020

Doch bis die ersten Wände betoniert werden können, vergehen noch Jahre. Zunächst muss der matschige Untergrund durch Vereisung stabilisiert werden – wie schon beim Bau des U-Bahnhofs Brandenburger Tor. Allein ein Jahr wird es dauern, für die 105 Meter langen Vereisungskanäle rund hundert Bohrungen zu setzen, sagte Seegers. „Damit wollen wir im ersten Quartal 2016 beginnen.“ Danach muss ein weiteres Jahr gewartet werden, bis der Boden vereist ist. Anschließend müssen in diesem Bereich die Tunnelröhren abgebrochen werden, um Platz zu schaffen. Erst dann können die Betonbauer ans Werk gehen.

Der Bau des U-Bahnhofs Berliner Rathaus ist dagegen weit gediehen. „Mitte 2016 soll er im Rohbau fertig werden“, sagte Seegers. Dann will die Projektrealisierungs GmbH U 5, ein Tochterunternehmen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Bürger zur Besichtigung einladen.

Am geplanten Eröffnungsjahr hat sich nichts geändert. Von 2020 an soll die U 5 aus Hönow bis zum Hauptbahnhof fahren. Ende 2020 soll es so weit sein, sagte Seegers.