Berlin - Berlins Sprayer-Gang „1UP“, deren bunte Schriftzüge überall zu sehen sind, meldet sich mit einem Video zurück. Im Film beschmieren die jungen Männer Wände, Züge, Bahnhöfe. Brisant: Das Video zeigt, dass sich die Sprüher offenbar sehr gut mit Security-Mitarbeitern verstehen.

„Berlin Summer Nights“ („Berliner Sommernächte“) heißt der dreieinhalb Minuten lange Film, der auf dem Internet-Portal Youtube für Furore sorgt. Der professionelle Kurzfilm ist – wie viele Videos der Gang – ein kleines Kunstwerk, das von den meisten Nutzern positives Feedback bekommt.

Doch in einer Szene ist zu sehen, wie die vermummten Sprayer am Eingang eines Bahnhofes auf Sicherheitsleute treffen, die offenbar im Auftrag der BVG unterwegs sind. Kontrollen? Fehlanzeige. Stattdessen begrüßt man sich mit Handschlag, umarmt sich sogar. Kurz darauf laufen die Gangmitglieder in einen Tunnel der U-Bahn – durch ein geöffnetes Absperrtor.

Ein empörter Nutzer kommentiert unter dem Video auf Youtube: „Ich glaube es nicht. Jetzt sind sogar schon die Sicherheitsmänner cool mit denen?“ Eine andere Szene zeigt die Sprayer in einem Tunnel der U-Bahn. Plötzlich biegt ein Arbeiter um die Ecke. „Tagchen! Erwischt, Jungs!“ Und dann: „Nein, alles gut.“ Statt sie zu ermahnen, lässt er sie gewähren.

2017 zahlte die BVG drei Millionen für das Beseitigen von Schmierereien. Eine Summe, für deren Höhe – so suggeriert es das Video – auch Leute aus den eigenen Reihen verantwortlich sind. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung heißt es, man habe den Hinweis auf die Szenen in dem Film an die Abteilung Sicherheit weitergegeben. „Dort wird das Video nun gründlich ausgewertet“, so Sprecher Jannes Schwentu.

Seit 2003 ermittelt das LKA

Geprüft werde auch, von wann die einzelnen Aktionen, die im Film zu sehen ist, stammen. „Einige der gezeigten Vandalismusschäden haben die Kollegen auf Anhieb erkannt und erfassten Vorfällen zugeordnet.“

Man gehe davon aus, dass alle im Film gezeigten Aktionen bereits angezeigt wurden. Teil der Untersuchung sei auch, „inwieweit ein Fehlverhalten der Mitarbeiter unseres Sicherheitsdienstleisters vorliegt“, so Schwentu. Laut Youtube-Nutzern handele es sich bei dem Arbeiter im Tunnel um einen Mann, der inzwischen „seinen Job los“ sei. Die BVG konnte das nicht bestätigen – „aus Datenschutzgründen“.

Seit Jahren treten die Sprayer immer wieder ins Rampenlicht. Inzwischen wurde ihnen sogar eine Ausstellung gewidmet, in Zusammenarbeit mit Fotografin Martha Cooper entstand ein Bildband. Ihre Aktionen gelten als Aktionskunst.

Seit 2003 ermittelt das LKA, über 300 Strafanzeigen gab es. Geschnappt werden konnten sie bisher nicht: Die Crew setze sich immer wieder neu aus verschiedenen Leuten aus dem In- und Ausland zusammen, sagt ein LKA-Sprecher. Außerdem tragen die Sprayer Handschuhe, sind stets maskiert, manipulieren Überwachungskameras.