Eine Großbaustelle an der Spree im Jahr 1910. Im Hintergrund links ist der fast fertige Turm des Stadthauses zu sehen, in der Mitte die Parochialkirche. Entlang des Spreeufers zeigt sich die typische Industriebebauung jener Zeit, lauter Betriebe, die das Wasser der Spree nutzten und oft auch stark verschmutzten.

Das Bauwerk, dessen Errichtung hier vorbereitet wird, liegt unter Wasser, dort wo auf dem Foto die gestrichelte Linie eingezeichnet ist: der  sogenannte Waisentunnel, ein U-Bahn-Verbindungstunnel.  Er verläuft schräg unter der Spree von der Littenstraße zur Brückenstraße.

Während des Ersten Weltkrieges errichtete die AEG-Schnellbahn A.G. diese unterirdische Flussquerung als Teilstrecke einer eigenen U-Bahn, der GN-Bahn, die anders als die seit 1902 fahrende Hochbahn unterirdisch konzipiert war.

Die AEG-Schnellbahn ging pleite

Die Linie sollte von Gesundbrunnen über Alexanderplatz bis zur Leinestraße in Neukölln führen. Doch die Gesellschaft musste wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten infolge des Krieges liquidiert werden, der Bau der Strecke wurde nicht vollendet.

Doch zumindest der Tunnel wurde fertig gebaut: Von der Siemens-Bauunion nach einem von ihr patentierten Bauverfahren. Unter Wasser wurde eine Betondecke in den Spreegrund gegossen und dann unter Absenkung des Grundwassers das Erdreich unter der Betonplatte ausgehoben. Dieses Verfahren beeinträchtige die zu jener Zeit noch hoch bedeutsame Schifffahrt auf der Spree vergleichsweise gering.

1926 auf neuer Strecke

Die Vollendung der U-Bahnstrecke zwischen den Stationen Märkisches Museum und Klosterstraße  wurde mit geänderter Streckenführung 1926 von der Stadt Berlin in Angriff genommen.

Sie verläuft heute unter der rechts außerhalb des Bildes stehenden Jannowitzbrücke. Dieser Paralleltunnel wurde von 1927 bis 1930 in offener Bauweise errichtet und am 18. April 1930 eröffnet. Bis heute dient er lediglich als betriebliche Verbindung zwischen den Strecken D (Linie U8) und E (Linie U5). 

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