Mehr als vier Jahre lang war das Projekt U5 im Kostenplan. Doch das könnte sich bald ändern. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schließen nicht mehr aus, dass die U-Bahn-Strecke in Mitte am Ende teurer sein wird als die bisher veranschlagten 525 Millionen Euro. „Die Baubranche boomt, die Preisentwicklung ist extrem“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz auf Anfrage.

Noch halte das Landesunternehmen an der bisherigen Kalkulation für den Lückenschluss zwischen den U-Bahnhöfen Alexanderplatz und Brandenburger Tor fest. Es gebe aber einige Vergabeverfahren für Bauaufträge, die noch nicht abgeschlossen seien. So lange seien die Preise nicht absehbar.

Marktlage lässt Kosten explodieren

Klar sei aber auf jeden Fall: „Die aktuelle Marktlage in der Bauwirtschaft schlägt bei vielen Verkehrsprojekten zu Buche“ – in Form von Kostensteigerungen, sagte Reetz. „Unsere Einkäufer berichten, dass sie eine solche Preisentwicklung bislang nicht erlebt haben.“

Nach Informationen der Berliner Zeitung halten es die Planer demnach für möglich, dass die 2,2 Kilometer lange U-Bahn-Strecke mit drei neuen Bahnhöfen um einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag teurer wird. In einem Szenario ist von bis zu 50 Millionen Euro die Rede – was einen Endpreis von rund 575 Millionen Euro bedeuten würde. Auch Nachtragsforderungen und ein Schaden an einem benachbarten Bauwerk seien in die Rechnung eingegangen, hieß es.

Aufsichtsrat berät im Oktober

Die BVG-Sprecherin wollte die Summe nicht bestätigen – auch deshalb, weil Ausschreibungen noch nicht beendet seien. Vielleicht werde es im Oktober, wenn der BVG-Aufsichtsrat tagt, Klarheit über die zu erwartenden Kosten geben, hieß es.

Ende 2013 war der Finanzbedarf von 433 Millionen auf 525 Millionen Euro korrigiert worden. Höhere Baukosten und gestiegene Sicherheitsanforderungen trugen damals dazu bei, dass die zwei Jahrzehnte alte Kalkulation angepasst werden musste. Später wurde außerdem bekannt, dass Baufirmen erhebliche Nachträge gefordert hatten.

Plan B wird erarbeitet

Im Herbst 2019 sollte die Strecke, die unter dem Marx-Engels-Forum, dem Baugelände für das künftige Schloss und der Straße Unter den Linden verläuft, eröffnet werden. Auch der Termin wurde inzwischen korrigiert, seit einiger Zeit ist konstant von Dezember 2020 die Rede.

Dann soll die U5 aus Hönow, die heute noch am Alexanderplatz endet, bis zum Hauptbahnhof fahren – eine neue Ost-West-Verbindung entsteht. Wie berichtet steht aber noch nicht fest, ob im U-Bahnhof Museumsinsel von Anfang an Züge halten können – oder erst vom ersten oder zweiten Quartal 2021 an. Bei diesem komplizierten Teilprojekt werde nun mit einem Plan B gearbeitet, hieß es.

Die U5 entsteht in einem schwierigen Untergrund voller Grundwasser und Findlinge. Doch die meiste Zeit ging der Bau – anders als bei anderen großen Vorhaben in dieser Region – relativ gut voran. „Vom Bahnhof Brandenburger Tor bis kurz vor dem Bahnhof Museumsinsel liegen in den Tunnelröhren bereits die Gleise. Da fehlen nur noch die Stromschienen“, sagte Jörg Seegers, Technik-Geschäftsführer der Projektrealisierungsgesellschaft U5. Das BVG-Unternehmen steuert den Bau.

Tag der offenen Tür

„Es gibt auch schon Betrieb – aber natürlich noch nicht mit U-Bahnen. Im neuen Tunnel ist eine Gleisstopfmaschine unterwegs, die an der Trasse arbeitet“, berichtete der Geologe. Auch die Arbeiten in den neuen U-Bahnhöfen seien weit gediehen.

Der größte, die Station Unter den Linden, wird am 27. und 28. Oktober Schauplatz eines Tags der offenen Tür. Projektsprecherin Stephanie Niehoff: „So, wie es aussieht, wird es die letzte Veranstaltung dieser Art sein – vor der Streckeneröffnung.“