Berlin - Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 7 über Rudow hinaus nach Schönefeld und zum Flughafen BER verursacht offenen Streit zwischen Grünen und SPD. Während der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) dafür ist, führen Verkehrssenatorin Regine Günther (für Grüne) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hohe Kosten und lange Planungs- und Bauzeiten ins Feld, lassen damit ihre Skepsis gegenüber dem Projekt erkennen.

Müller verwies am Dienstag bei einem Besuch des Senats in Neukölln darauf, dass Berlins Verkehrsnetz noch heute von mutigen Entscheidungen vor hundert Jahren profitiere. Diesen Mut sollten Berlin und Brandenburg auch jetzt haben: „Die Grundsatzentscheidung muss in dieser Legislaturperiode fallen.“ Also bis 2021.

Bis zur Verlängerung der U7 würde es noch etliche Jahre dauern

Günther hat es da offenbar nicht eilig. Eine Machbarkeitsstudie ihrer Verwaltung werde 2019, vielleicht auch erst 2020 vorliegen. Falls es eine Entscheidung pro U-Bahn-Verlängerung zum Flughafen gebe, werde es mindestens 15 Jahre bis zur Fertigstellung dauern, und das bei Kosten von bis zu einer Milliarde Euro. Eine Zahl, die von BVG-Insidern als überhöht bewertet wird. Pop wies darauf hin, dass es in der Stadt noch mehr dringende Verkehrsvorhaben gebe.

Müller kann sich der Unterstützung aus Neukölln gewiss sein. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) warb vehement für die U-Bahn. Dann gebe es zwar für wenige Jahre Baulärm und Sperrungen, aber dann sei Ruhe. Neben Hikel bilden sein Kollege Oliver Igel (SPD) aus Treptow-Köpenick sowie Udo Haase (parteilos), der Bürgermeister von Schönefeld, eine kommunale Front für eine Verlängerung.

Haase setzte dem Senat auseinander, dass seine Gemeinde stark wachse – von einst 5000 auf jetzt 16.000 und mittelfristig 45.000 Einwohner. Dazu kämen erwartete 50 Millionen BER-Passagiere im Jahr 2040 sowie die prognostizierte Zahl von 60.000 Beschäftigten auf dem BER und den umliegenden Betrieben. Für die neuen Bewohner, Fluggäste und Beschäftigte reichten Fernbahn, Regionalbahn, S-Bahn, Busse und Taxis nicht aus. Die Autobahn A113 sei bereits überlastet.

Bei der Verlängerung ginge es um 3,2 Kilometer bis zum Bahnhof Schönefeld, von wo aus man in die S-Bahn zum BER umsteigen könnte. Würde die U7 – teils oberirdisch – bis zum BER geführt, wären es 6,3 Kilometer. An den Kosten müssten sich Brandenburg und der Bund beteiligen.