U-Bahnbau in Berlin: Die U6 ist frei, bei der U5 dauert's noch

Riesige Findlinge, jahrhundertealte Holzpfähle, Sand und alte Munition: Der Baugrund in Mitte, mit dem die Bauleute und Ingenieure der U-Bahn-Linie U 5 zurechtkommen müssen, gilt als sehr kompliziert. Noch problematischer ist für sie das Grundwasser – vor allem auf der Baustelle am Deutschen Historischen Museum Unter den Linden, wo der U-Bahnhof Museumsinsel entsteht.

Dort ging nun eine Serie von Pumpversuchen zu Ende, die von der Wasserbehörde des Senats freigegeben worden war. Aus Brunnen wurde Wasser entnommen, um festzustellen, wie sich die Bodenverhältnisse dadurch ändern. „Die Ergebnisse werden jetzt ausgewertet“, sagte Jörg Seegers, der das Großprojekt U 5 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) leitet. Doch klar ist bereits: Die Bauleute müssen mit einem starken Grundwasserandrang zurecht kommen.

„Die Wanne ist voll“ – so wurde gelästert, als 2005 doppelt so viel Grundwasser in die U-Bahn-Baugrube am Pariser Platz strömte als erwartet. 2006 gab es weitere Zwischenfälle. Folge der Wasser- und Sandeinbrüche war, dass zusätzliche Schutzvorkehrungen das Projekt verteuerten und den Weiterbau verlangsamten. Die Fertigstellung der U 55 zwischen Hauptbahnhof und der Station Brandenburger Tor verzögerte sich um drei Jahre. Bei dem Lückenschluss zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz, der in vollem Gang ist und 2019 abgeschlossen sein soll, wollen die Planer ein solches Desaster vermeiden. Aber das könnte schwierig werden.

Es dringt zu viel Nässe ein

Für den Zustrom an Grundwasser gibt es Werte, die nicht überschritten werden sollten. „Wir liegen leicht über der Vorgabe“, sagte Seegers, als die Versuche liefen. „Aber die Vorgabe zu erreichen ist gerade hier in Berlin ein sehr sportliches Unterfangen, noch dazu in einer derart tiefen Grube“ – sie wird dem Vernehmen nach mehr als 40 Meter tief. Wie berichtet, hatten die Gutachter, die das 433-Millionen-Euro-Bauprojekt U 5 überwachen, bereits auf Probleme hingewiesen.

Auf der Baustelle der Station Museumsinsel werde der „Restwasserzufluss um den Faktor 4 überschritten“, so ihr Bericht. Anders formuliert: Es dringt zu viel Nässe ein. Detaillierte Erkenntnisse gibt es aber noch nicht, so der Senat. Der Bahnhof entsteht in einem Bereich, der als besonders problematisch gilt. Der Bahnsteig wird sich unterm Spreekanal befinden, der Grundwasserpegel ist besonders hoch. Damit in dem sumpfigen Gebiet überhaupt gebaut werden kann, muss der Boden vereist werden – auf einer Länge von 105 Metern, was als Rekord gilt.